Zuverlässiges Internet im Zug? Tschechische Bahnen erwägen Einführung von Starlink
Dass es in Zügen eine WLAN-Verbindung zum Surfen im Internet gibt, ist heute nahezu eine Selbstverständlichkeit. Die Tschechischen Bahnen (České dráhy, ČD) haben nun einen ersten Zug mit dem Satelliteninternet Starlink ausgestattet. Aber hält die neue Technik, was sie verspricht?
Die Tschechischen Bahnen testen derzeit die Starlink-Technologie in einem Zug der Baureihe InterPanter. Er ist bereits seit dem Sommer vergangenen Jahres auf den Gleisen zwischen Brno / Brünn und Prag sowie zwischen Brünn und Olomouc / Olmütz unterwegs. Von außen unterscheidet sich die Wagengarnitur nur durch die große Antenne auf dem Dach und die Aufschrift „Satelliteninternet“ von gängigen Waggons. Wenn man sich an Bord ins WLAN einwählt, gibt es zunächst keine auffallenden Änderungen bei der Benutzung.
„Ich stelle keinen Unterschied fest zwischen dem klassischen WLAN und der Interverbindung per Satellit“, sagt etwa Karel, der regelmäßig im InterPanter durch Tschechien pendelt. Was allerdings auffällt: Wenn der Zug nicht direkt unter freiem Himmel ist, sondern etwa in Tunnels oder Bahnhofsgebäuden, bricht die Verbindung ab.
Für die Internetanbindung per Satellit greifen die Tschechischen Bahnen auf die Technik des Unternehmens Starlink zurück, das zum Konzern SpaceX von Elon Musik gehört. Um genauere Daten über die Zuverlässigkeit dieses Systems zu gewinnen, haben die České dráhy unlängst das Telekommunikationsamt (ČTÚ) aufgefordert, Vergleichsmessungen durchzuführen. Laut Radek Nechleba, dem Leiter der Managementabteilung bei den Tschechischen Bahnen, waren die Ergebnisse zufriedenstellend:
„Mit Starlink gibt es auf rund drei Prozent der Strecken schlechten Empfang. Beim Handynetz sind es hingegen rund 15 Prozent, also etwa fünfmal so viel.“
Das staatliche Eisenbahnunternehmen stellt derzeit deshalb Berechnungen an, ob sich eine Ausweitung des Systems auch finanziell lohnen könnte.
„Die Kosten für die Installation und die Zertifizierung sind recht hoch. Der Betrieb ist dann aber wesentlich günstiger als bei den bisherigen Mobilfunkbetreibern“, sagt Nechleba.
Laut dem Generaldirektor der Tschechischen Bahnen, Michal Krapinec, will man bis Ende April eine definitive Entscheidung über die potentielle Einführung von Starlink in weiteren Zügen treffen:
„Wir sind mit der Firma SpaceX übereingekommen, demnächst individuelle Gespräche zu führen. Es wird um die Menge der übertragenen Daten gehen und um die Anzahl der Satellitenempfänger, die wir anschaffen würden.“
Aktuell testen auch weitere europäische Eisenbahnunternehmen die Starlink-Technologie in ihren Zügen, darunter der schottische Beförderer ScotRail und die estnische Staatsbahn Elron.







