Ausstellung am Prager Jan-Hus-Denkmal informiert über Historie und Sanierung des Monuments

Foto: Jana Šustová

In gut elf Monaten, am 6. Juli 2015, wird in ganz Tschechien an Jan Hus erinnert. Der Anlass dafür ist der 600. Todestag des christlichen Theologen, Predigers und Reformators. Bis dahin wird auch das große Jan-Hus-Denkmal auf dem Altstädter Ring in Prag vollständig saniert sein. Enthüllt wurde es 1915, zum 500. Todestag des Reformators.

Jan-Hus-Denkmal auf dem Altstädter Ring in Prag (Foto: Jana Šustová)
Die Idee zur Schaffung eines Hus-Denkmals geht auf einen Streit zwischen zwei rivalisierenden Gruppen in der tschechischen Nationalbewegung zurück. Der konkrete Vorschlag zum Bau des Monuments mitten in Prag entstand im Jahr 1889. Das Denkmal ist das Lebenswerk des Bildhauers Ladislav Šaloun, die Kosten lagen damals bei 150.000 Goldstücken.

Diese und weitere Informationen zur Geschichte und dem Kampf um das Jan-Hus-Denkmal können die Prager (in Tschechisch) und ihre ausländischen Gäste (in Englisch) auf den Infotafeln nachlesen, die das Monument derzeit umgeben. Dort lässt sich auch der Aufruf der sogenannten jungtschechischen Abgeordneten im 19. Jahrhundert zur Errichtung des Denkmals nachlesen. Sie waren seinerzeit entrüstet darüber, dass beim Bau des Nationalmuseums das Vermächtnis von Jan Hus zunächst unberücksichtigt blieb – sein Name fehlte unter den Gedenktafeln, die als Erinnerung an 72 große Tschechen in der Fassade des Nationalmuseums verankert wurden.

Marie Foltýnová (Foto: ČT24)
„Als Wiedergutmachung wurde von ihnen die Errichtung eines großen Denkmals von Meister Jan Hus in Prag gefordert“, sagt dazu die Kuratorin jetzigen Ausstellung auf dem Altstädter Ring, Marie Foltýnová.

Auf diesen Tafeln erfahren Interessenten zudem alles über die derzeitigen Restaurierungsarbeiten am Denkmal. Laut aktuellem Stand wurden mittlerweile alle mechanischen Arbeiten an der Figurengruppe beendet, sowohl von innen wie auch von außen. Das heißt, die Bronzestatue wurde stabilisiert und alle Schrauben an der Metallkonstruktion wurden gewechselt. Nun müssen noch die Oberfläche des Monuments restauriert und das Denkmal konserviert werden. Chef der Sanierungsarbeiten ist der anerkannte Restaurator Andrej Šumbera, der bereits solch hochwertige Kunstwerke wie die Krönungsinsignien der Prager Burg oder die Statue des heiligen Wenzel ausgebessert hat.

Andrej Šumbera (Foto: Tschechisches Fernsehen)
„Ich halte das Monument für eines der wichtigsten Denkmäler in Tschechien. Für mich und meine Kollegen ist das eine Aufgabe, die uns alles abverlangt.“

Die hohe Statue, die sich über der massiven Plattform des Denkmals erhebt, zeigt die gebieterische Figur des Jan Hus. Zu seiner Linken befinden sich siegreiche Soldaten der Hussiten, zu seiner Rechten die unterdrückten Protestanten, die zweihundert Jahre später verbannt wurden. Die Figur einer jungen Mutter symbolisiert das Wiederaufleben der tschechischen Nation.

Jan Hus im gleichnamigen Film von Otakar Vávra
Über das Vermächtnis von Jan Hus und seine Bedeutung für die nationale Wiedergeburt der Tschechen ist in der Vergangenheit viel philosophiert worden. Im 20. Jahrhundert haben selbst die Kommunisten Jan Hus für ihre Propaganda missbraucht. Auch deshalb hat der Prager Erzbischof und Kardinal Dominik Duka erst jüngst im Tschechischen Rundfunk zu einer sachlich-wahrhaftigen Bewertung des Reformators aufgerufen:

„Es ist naheliegend, dass es auf der Basis des Otakar-Vávra-Films über Jan Hus, in dem Schicksal und Person des Reformators im Geiste der Ideologie des kommunistischen Regimes interpretiert werden, zu einer neuen Diskussion über Bedeutung und Werk von Hus kommen dürfte. Aus Anlass seines 600. Todestags wird es Gelegenheit dazu geben. Aber egal welche Art Werke in der nächsten Zeit zu Hus auch entstehen werden: Ich hoffe, sie werden zum Dialog und möglicherweise auch zu einer bewegten Debatte über Hus beitragen. Das alles wird zeigen, ob uns unsere Vergangenheit gleichgültig ist oder nicht.“