Ballettgala, Master Class und Festivalpläne: Tänzer und Choreograf Jiří Bubeníček
Renommierte Tänzer aus aller Welt treten bei der bevorstehenden zweiten Auflage der „Bubeníček International Ballet Gala“ in Prag auf.
Jiří Bubeníček ist ein international anerkannter tschechischer Tänzer und Choreograf. Gemeinsam mit seinem Zwillingsbruder Otto kam er 1993 zu John Neumeiers Hamburg Ballett. Dort tanzte er zahlreiche Hauptrollen, unter anderem die Titelrolle im Ballett „Nijinsky“. Neumeier hatte das Stück speziell für Bubeníček kreiert.
Für seine Leistungen wurde der Tscheche mit mehreren internationalen Preisen geehrt. Nach Hamburg folgte in den Jahren 2006 bis 2015 ein Engagement in der Semperoper in Dresden. Seit 1999 erstellt Jiří Bubeníček auch Choreografien, darunter sind kürzere Stücke sowie abendfüllende Ballette. Für seinen Zweiakter „Carmen“ wurde er mit dem Europa in Danza Award für die beste Ballettaufführung der Spielzeit 2021/2022 ausgezeichnet. Beim diesjährigen Festival in Český Krumlov / Krumau beteiligte sich Bubeníček am Programm des Abschlussabends, bei dem nicht nur die Opernsolisten, sondern auch Tänzer auftraten. Er sagte kurz vor dem Beginn der Veranstaltung gegenüber Radio Prag International:
„Ich wurde von der Festivaldirektorin Gabriela Rachidi angesprochen. Sie hatte die Idee, ein Abschlusskonzert mit dem Titel ,Die leidenschaftliche Carmen‘ zusammenzustellen. Ich nutzte einige Duette aus meinem Ballett ,Carmen‘, arbeitete sie aber um, denn beim Ballett wurde nicht gesungen. Den letzten Teil kreierte ich sogar zu einer anderen Musik als der aus der Oper von Bizet. Es handelt sich um eine spezielle Fassung meiner Choreografie für dieses Festival.“
Mit dem Festival in Krumlov arbeitete Bubeníček nicht zum ersten Mal zusammen. Im letzten Jahr lieferte er für Krumlov Choreografien zu drei sinfonischen Dichtungen aus Smetanas Zyklus „Mein Vaterland“.
Derzeit laufen in Prag die Vorbereitungen auf die „Bubeníček International Ballet Gala“ auf vollen Touren. Auch zwei der Tänzer, die in Krumlov auftraten, werden dabei sein, wie der Choreograf anmerkte. Zudem holt er weitere renommierte Tänzer aus aller Welt nach Prag. Wie gelingt es ihm, die Ballettstars nach Tschechien zu bringen? Jiří Bubeníček:
„Rebecca Bianchi und Javier Rojas, die in Krumlov die Rollen der Carmen und des José tanzten, nehmen an der Gala in Prag teil. Ich habe während meiner fast 30-jährigen Ballettkarriere viele Kontakte geknüpft. Die Künstler kann ich zudem über die Social Media ansprechen. Wichtig ist, die Teilnahme an einer derartigen Gala schon lange im Voraus zu vereinbaren. Denn die Tänzer sind im Sommer oft auf Tourneen. Einige der Künstler, die ich nach Prag holen wollte, hatten beispielsweise schon eine Gala in Australien vereinbart. Jetzt beginne ich eigentlich schon mit den Vorbereitungen für das nächste Jahr.“
Zum ersten Mal wird in Prag das namhafte japanische Tokyo City Ballet auftreten. Er habe das Ensemble nach Tschechien eingeladen, sagt Bubeníček, da er mit ihm schon dreimal in Japan zusammengearbeitet habe:
„Ich hatte das Glück, die Tänzer in Japan gut kennenzulernen. Sie sind sehr fleißig und wirklich hervorragend. Ich mag sie sehr und denke, es war eine gute Idee, sie nach Prag einzuladen. Das Ensemble hat insgesamt 90 Mitglieder, zehn davon kommen zu der Ballettgala. Sie werden im zweiten Teil des Abends eine meiner Choreografien präsentieren.“
Im ersten Teil der Gala treten unter anderem Balletttänzer der Oper in Rom, vom Staatsballett Berlin sowie vom Bayerischen Staatsballett auf. Jiří Bubeníček:
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„Dieser Teil der Gala ist sehr bunt. Zu sehen ist beispielsweise auch ein Ausschnitt aus meinem Ballett ,Cyrano de Bergerac‘. Das Stück hatte letztes Jahr im Nationaltheater Brünn Premiere. Nach Prag kommen die beiden Hauptdarsteller sowie die Mezzosopranistin Romana Kružíková. Ich mag es, bei einer Gala ein buntes Programm anzubieten. Ein kleines Orchester wird auch dabei sein. Diejenigen, die ,Cyrano der Bergerac‘ in Brünn nicht gesehen haben, können eine Kostprobe bei der Vorstellung in Prag sehen. In der kommenden Spielzeit werden dann weitere Reprisen in Brünn aufgeführt.“
Jiří Bubeníček bereitet derzeit nicht nur die Ballettgala vor, sondern leitet in der Prager Staatsoper die Master Classes. Außer ihm sind noch einige namhafte Tänzer und Pädagogen dabei.
„Ich bin sehr froh, dass so hervorragende Tanzlehrer dazugekommen sind, wie beispielsweise Florence Clerc von der Pariser Oper. Als ich dort gastierte, arbeitete ich mit ihr zusammen. Sie sagte nur: ,Die Schulter nach unten‘. Und plötzlich hat die Tanztechnik gewirkt. In Prag ist auch Sarah Lamb vom Royal Ballet in London dabei. Zu den Masterkursen melden sich verhältnismäßig viele Nachwuchstänzerinnen an. Ich habe eine kleine Choreografie für die Teilnehmer der Masterkurse kreiert, die sie dann bei der Gala präsentieren werden.“
Die Master Classes leitet Jiří Bubeníček in Prag zum dritten Mal. Die Teilnehmer kommen seinen Worten zufolge aus verschiedenen Ländern, darunter etwa Neuseeland.
Für die anstehende Theatersaison plant Bubeníček, eine neue Tanzvorstellung zusammenzustellen. Näheres über sein Ballett wollte er jedoch noch nicht verraten. Es freue ihn, dass sein Stück „Doktor Schiwago“ wieder in Ljubljana aufgeführt werde, sagte der Choreograf. Für den nächsten Sommer plane er nicht nur Galaabende und Master Classes, wie er betonte:
„Ich möchte in Prag zum ersten Mal ein Tanzfestival veranstalten. Die Form der Galaabende würde ich erweitern, sodass ich auch ein modernes Ensemble sowie einige klassische Ballettensembles einladen kann. Mit den Vorbereitungen fange ich schon jetzt an. Ich denke, dass es in Tschechien zwar viele moderne Tanzfestivals gibt, aber kein richtiges klassisches Ballettfestival. Mein Wunsch wäre ein nobles Festival, vielleicht mit einem Titel wie ,Prague on pointes‘ – also ,Prag in Ballettschuhen‘. Alles hängt davon ab, ob ich Sponsoren und Mitveranstalter finde.“
Die beiden Tanzabende „Bubeníček International Ballet Gala“ finden am 16. und am 17. August im Prager Theater Hybernia statt. Die Vorstellungen fangen um 19 Uhr an. Es gibt noch Restkarten. Am Sonntag um 16 Uhr findet im Theater eine Diskussion mit Jiří Bubeníček und seinen Kollegen statt.
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