Barocktheater beim Kerzenlicht: Händels "Rinaldo" im Ständetheater

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Stilisierte Gesten, Theatertricks, Spezialeffekte und Barocktanz bei Kerzenlicht – dies und vieles mehr bietet die Inszenierung der Oper „Rinaldo“ von Georg Friedrich Händel im Prager Ständetheater. Die Regie liegt in der Hand eines jungen französischen Teams. Die Titelrolle hat die Argentinierin Mariana Rewerski, daneben treten Sängerinnen und Sänger der jüngsten Generation vom Nationaltheater Prag auf. Dazu spielt das Orchester Collegium 1704, das alte Musik authentisch interpretiert. Geleitet wird das Orchester von Dirigent Václav Luks. Kurz vor der Opernpremiere hat Martina Schneibergová mit dem Dirigenten über die Neuinszenierung gesprochen:

Herr Luks, wie ist Ihre Zusammenarbeit mit dem französischen Inszenierungsteam von Rinaldo entstanden?

„Das ist eine interessante Frage, weil dies dem Festival Dresdner Festspiele zu verdanken ist, wo wir gemeinsam mit der Regisseurin Louise Moaty das Melodram ´Ariadne auf Naxos´ von Georg Antonín Benda aufgeführt haben. Die Dresdner Zusammenarbeit war der erste Impuls für unsere weitere Kooperation und nach zwei Jahren sind wir in Prag zusammengetroffen, um ´Rinaldo´ einzustudieren.“

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Sie nahmen mit dem Ensemble Collegium 1704 einige Mal an den Händel-Festspielen in Halle teil. Das Projekt ´Rinaldo´ wurde dort schon vorgestellt, nicht wahr?

„Das Projekt wurde präsentiert, aber die erste Aufführung findet jetzt in Prag statt. Es ist wichtig, dass Leute, die sich für Händel interessieren, davon wissen, dass wir in Prag so etwas unternehmen.“

Kann man damit rechnen, dass jetzt zahlreiche Händel-Spezialisten nach Prag kommen, um die Inszenierung zu sehen?

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„Ich weiß inzwischen schon, dass viele Leute nicht nur aus Deutschland, sondern auch aus der Schweiz und aus den USA nach Prag kommen. Denn es ist eine einmalige Gelegenheit. Händels Opern werden im Ausland zwar sehr oft aufgeführt, aber selten auf diese Weise. Historische Musikinstrumente werden schon oft genutzt, aber eine historisierende Regie ist auch in Deutschland ein Novum und ist sehr ungewöhnlich. Häufig werden sehr moderne, provozierende Opernvorstellungen gemacht, aber eine Vorstellung mit Barockgestik und mit Kerzenlicht, eine Aufführung, die versucht das Zauber der Barockästhetik aufleben zu lassen, das kommt sehr selten vor.“

Wie ist es in der Barockoper mit der Improvisation und inwieweit wird sie bei den Prager Vorstellungen genutzt?

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„In der Barockoper hat die Improvisation einen wichtigen Platz. Dabei ist es sehr wichtig, eine Balance zu finden: zwischen dem, was im Voraus definiert werden soll und dem, wo man für die Improvisation Platz frei lässt. Ich bin dafür, dass man mehr Platz für die Improvisation lässt, denn dies entspricht der Musiksprache. Für mich ist es zudem für die Lebendigkeit der Oper von Bedeutung. Ich halte es für wichtig, dass in der bestimmten Minute, in der die Musik entsteht, auch eine gewisse Freiheit entsteht und dass man die Grenzen nicht so strikt setzt, wie es beispielsweise bei der romantischen Oper üblich ist.“

Die Neuinszenierung der Oper wird die Premiere am 4. April im Prager Ständetheater haben.