Begeisterte Opernstars, romantische Klarinette und das Oscar-Duo: Festivalstadt Český Krumlov lädt ein
Die Perle an der Moldau wird die südböhmische Stadt Český Krumlov / Krumau genannt. In den historischen Räumlichkeiten und an verschiedenen altehrwürdigen Orten Krumaus findet in den Sommermonaten alljährlich ein internationales Musikfestival statt, bei dem Musik verschiedener Genres erklingt – von der Oper, über Barockmusik und Jazz bis zu Musicalmelodien. Am 18. Juli wurden die 17. Musikfestspiele in Krumau eröffnet.
Gleich die einleitenden Veranstaltungen des Musikfestivals in Český Krumlov werden wahrscheinlich zu den Höhepunkten der diesjährigen Festspiele gehören. Stars von der Metropolitan Opera haben mit einem Galakonzert das Festival eröffnet. Auch andere Gäste aus der Met stellten sich dann in Verdis Oper „La forza del destino“ auf der Bühne mit drehbarem Zuschauerraum im Schlosspark vor. Die Oper wurde im März dieses Jahres vom Südböhmischen Theater in Budweis einstudiert und im Festivalrahmen auf die Open-Air-Bühne gebracht.
Für die ausländischen Solisten sowie den Dirigenten von der Metropolitan Opera, John Keenan, war die Opernvorstellung vor dem drehbaren Zuschauerraum eine ganz neue Erfahrung. Denn die Sänger sehen den Dirigenten nur auf einem großen Bildschirm. Zudem sind praktisch alle Mitwirkende auf der Open-Air-Bühne im Schlosspark fast ständig in Bewegung. Die Hauptrolle der Leonora sang in Krumau die koreanische Sopranistin Kyunghye La, die einige Mal während der Vorstellung mit lang andauerndem Beifall belohnt wurde. Wie fand sie dieses ungewöhnliche Theater?
„Es ist sehr anstrengend und überraschend zugleich. Meine Agentur hat mir es nicht gesagt, sie hat mir nur gesagt, es sei ein Open-Air-Theater. Da habe ich gedacht, das geht. Ich habe bisher nur Erfahrung mit der Arie ´Pace, pace, mio dio´ gehabt, die habe ich mehrmals gesungen, aber die ganze Rolle habe ich vorher nicht gesungen. Im Schlosspark in Krumau ist keine Drehbühne, sondern der Zuschauerraum dreht sich ständig, das war überraschend. Wir sollten durch den ganzen Park laufen und natürlich dabei singen. Wir hatten keine Mikrofone. Und den Dirigenten können wir nur auf dem Bildschirm sehen. Am Anfang habe ich Zweifel gehabt, aber nach einer Woche habe ich gelernt, wie das alles funktioniert, dass der Dirigent nur unsere Stimme hört und wir ihn auf dem Bildschirm sehen. Es gab nur zwei Schauspielproben und danach schon die Hauptprobe mit Kostümen und draußen. Es war natürlich sehr anstrengend. Die Rolle der Leonora ist auch anspruchsvoll und dazu noch ständig laufen – aber es macht mir viel Spaß. Jetzt kann ich sagen: Es war wunderschön – in dieser Atmosphäre mit vielen Bäumen, mit Mond sogar. Ich habe gefühlt, ich kann hier wirklich Leonora werden. Plötzlich konnte ich mich auf die ganze Oper gut konzentrieren. Es war einfach wunderbar.“
Wie war Ihre erste Begegnung mit der tschechischen Musik?
„Ich habe vielmals Rusalka gesungen. Aber ich weiß nicht, ob ich sie richtig gesungen habe. Vielleicht muss ich noch mehr lernen. Aber die ist wunderschön. Dvořák und Smetana sind für mich ähnlich wie die koreanische Musik eine sehr feine Kunst.“Sie haben praktisch in ganz Europa gesungen, oft sangen Sie beispielsweise in Deutschland. Können Sie das tschechische Opernpublikum mit dem Publikum in anderen Ländern vergleichen?
„Die Zuschauer haben hier ihre Gefühle gezeigt. Dies war wunderbar und es hat uns geholfen zu singen.“
Hatten Sie überhaupt Zeit, um sich die Stadt und ihre Umgebung anzuschauen?
„Wir haben nicht viel Zeit gehabt. Einmal habe ich mir die Stadt angeschaut. Ich habe immer gedacht, dass Prag die schönste Stadt ist, aber jetzt meine ich, dass Krumlov Nr. 1 ist. Es ist doch so schön!“
Schwieriger als die anderen Solisten hatte es zweifelsohne der Darsteller der männlichen Hauptrolle, Raúl Melo. Der Tenor von der Metropolitan Opera ist für seinen Kollegen von der Met, Allan Glassman eingesprungen, der aus Familiengründen am Festival nicht teilnehmen konnte. Die Krumauer Bühne mit dem drehbaren Zuschauerraum findet er recht einzigartig und genial, wie er am Montag kurz vor der Vorstellung verriet:“Dies ist mein erster Alvaro. Die Rolle habe ich innerhalb von 15 Tagen gelernt.“
Ist es eine Rekordzeit?
„Für mich nicht. Meine Rekordleistung war die Einstudierung von Luisa Miller innerhalb von 10 Tagen.“
Was fanden Sie am schwierigsten bei dieser Inszenierung? War es das ständige Herumgehen oder der Kontakt mit dem Dirigenten nur auf dem Bildschirm?
„Das ist kein Theater, das ist für mich ein Fitnesszentrum. Alles geht schnell, schnell, schnell. Ich habe sogar ein halbes Kilo verloren.“
Pro Vorstellung?„Nein, insgesamt während aller Vorstellungen.“
Haben Sie neben dem Schlosspark auch die Innstadt besichtigt?
„Ja, schon. Das Schloss sowie die ganze Stadt sind sehr schön. Ich habe mir ein bisschen auch Budweis angeschaut.“
Gibt es noch eine Traumrolle, die Sie gern singen würden, und die Sie noch nicht gesungen haben?
„Das ist sehr schwer zu sagen. Ich habe eigentlich alle meine Traumrollen schon gesungen. Da muss ich neue Traumrollen finden. Meine nächste Rolle ist Manrico in Verdis Il Trovatore, den werde ich in Texas in den USA singen.“Die Teilnahme am Festival in Krumau wurde wahrscheinlich sehr schnell organisiert oder?
„Ja, in meinem Fall war es sehr schnell. Bei den anderen nicht, denn alle wurden vielleicht schon vor zwei Jahren angesprochen.“
Meinen Sie, dass das tschechische Publikum, das Sie hier kennen gelernt haben, eher zurückhaltend ist?
„Ich meine, dass das Publikum sehr spontan ist. Für mich ist es ein sehr aufgeschlossenes und herzliches Publikum.“
Neben den Solisten von der Metropolitan Opera haben die Festivalveranstalter dieses Jahr auch weiter international berühmte Musiker nach Krumau eingeladen. Als eine „Supernova am Klarinettistinnenhimmel“ wurde sie in einer der Rezensionen bezeichnet: die aus Israel stammende vielfältige Klarinettistin Sharon Kam. Das Konzert am 1. August in der Krumauer Schlossreitschule wird nicht Sharon Kams erster Konzertabend in Tschechien sein. Zu Mozarts 250. Geburtstag spielte sie beispielsweise im Ständetheater in Prag sein Klarinettenkonzert, das vom Fernsehen live in 33 Länder übertragen wurde. Im Juni nahm Sharon Kam am Ludwig van Beethoven-Festival im nordböhmischen Teplice teil. Auf die Frage nach ihrem Lieblingskomponisten antwortete Sharon Kam:
“Das wechselt immer. Ein Lieblingskomponist kann in der Lieblingsliste runterrutschen, wenn man ihn allzu oft spielt und wenn man immer wieder einen neuen Komponisten entdeckt. Ich habe vor fast einem Jahr eine CD mit einem Klarinettenkonzert von Julius Rietz aufgenommen. Es ist ein romantisches Konzert. Rietz steht bei mir im Moment sehr hoch auf dieser Liste der Lieblingskomponisten. Es ist ein unbekanntes romantisches Klarinettenkonzert und ich möchte es überall spielen.“
Wie jedes Jahr erklingt auch diesmal in Krumau Musik verschiedener Genres. Am 2. August kann man in Krumau das irisch-tschechische Musikerduo Markéta Irglová und Glenn Hansard erleben, das dieses Jahr mit dem Oscar für den besten Filmsong ausgezeichnet wurde. Klavier- und Orgelkonzerte sowie ein Broadway-Abend mit berühmten Musicalmelodien stehen beispielsweise auf dem Festivalprogramm. Und nicht zuletzt kann man im Abschlusskonzert den legendären britischen Flötisten Sir James Galway mit Lady Jeanne Galway erleben. Das Festival geht noch in Krumau bis zum 23. August.








