Bei Příbram wird Lehrpfad „Auf Spuren politischer Gefangener“ eröffnet

Gedenkstätte Vojna (Foto: Bjirka, Wikimedia Free Domain)

Fünf Kilometer südöstlich der mittelböhmischen Stadt Příbram befindet sich die Gedenkstätte Vojna. Sie wurde an einem Ort errichtet, an dem während des Kommunismus ein Arbeitslager für politische Gefangene stand. In der Nähe von Příbram liegt auch einer der bekanntesten Wallfahrtsorte Böhmens - Svatá Hora / Heiliger Berg. Am Samstag wird nun ein Lehrpfad eröffnet, der den Heiligen Berg mit dem ehemaligen kommunistischen Arbeitslager verbindet. Die Initiatoren haben den neuen Lehrpfad am Donnerstag in Prag vorgestellt.

Gedenkstätte Vojna (Foto: Bjirka, Wikimedia Free Domain)
Das Schicksal der politischen Gefangenen des kommunistischen Regimes zu zeigen: Dies ist das Ziel des neuen Lehrpfads, der in der Nähe von Příbram entsteht. Er trägt das Motto „Neben dem Ort der Wunder passierten Gräueltaten“. Hauptinitiator des Projektes ist Josef Hovorka. Er lebt nur zwei Kilometer von Vojna entfernt und hat eigentlich Philosophie studiert. Daher gehe es ihm beim Lehrpfad nicht um Geschichte in Form von Zahlen und Fakten, sagt er:

„Ich habe mich eher mit den philosophischen Gedanken beschäftigt. Es ist für mich wichtig, dass die Leute erfahren und nicht vergessen, was die Gefangenen hier damals erlebten und fühlten.“

Josef Hovorka (Foto: Martina Schneibergová)
Die Fakten sind bekannt, etwa wie viele Menschen im Lager Vojna eingesperrt waren oder wie viele dort starben. Josef Hovorka stellt dagegen die Frage, wie sich die jungen Leute damals gefühlt haben, als sie plötzlich in diesem Arbeitslager landeten, meistens ohne zu wissen, aus welchem Grund. Wie überlebt man eine derartige Ungerechtigkeit und bewahrt trotzdem die Fähigkeit, sich über normale Dinge zu freuen? Es sei kein Zufall, dass der Lehrpfad vom einstigen Arbeitslager auf den Heiligen Berg führe, sagt Hovorka.

„Ich habe während der Arbeit an diesem Projekt erfahren, dass die ersten Schritte vieler politischer Gefangenen nach ihrer Freilassung auf den Heiligen Berg führten. Sie haben sich dort bedankt und gebetet. Mehrere der Überlebenden haben davon berichtet.“

František Teplý (Foto: Archiv Post Bellum)
Auf dem Lehrpfad gibt es sechs Schautafeln, die jeweils die Geschichte eines konkreten Gefangenen erzählen. So können die Wanderer beispielsweise mehr über das Schicksal von František Teplý erfahren. Er war wegen Mitgliedschaft in der damals illegalen christdemokratischen Partei zu 14 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Auf einer anderen Schautafel wird die Geschichte von Bewohnern aus der Gemeinde Lešetice geschildert. Sie haben Verwandte der Häftlinge aufgenommen, die nach Vojna zu Besuch kamen. Die Erinnerungen der Gefangenen können sich die Wanderer im Zeitzeugenarchiv von „Paměť národa“ (www.pametnaroda.cz) anhören, es ist online abrufbar. Der Lehrpfad wird in Zusammenarbeit mit der Bürgerinitiative „Post Bellum“ errichtet. Die Schirmherrschaft hat der Prager Erzbischof, Kardinal Dominik Duka, übernommen.

Lehrpfad „Auf Spuren politischer Gefangener“ (Foto: Martina Schneibergová)
Vojna war zunächst, in den Jahren 1947 bis 1949, ein Lager für deutsche Kriegsgefangene. Danach folgte ein Arbeitslager und später bis 1961 ein Gefängnis für politische Gefangene. Die Häftlinge mussten in den nahe gelegenen Urangruben arbeiten.

Zur Finanzierung des Lehrpfads haben unter anderem der Deutsch-Tschechische Zukunftsfonds, das deutsche Hilfswerk Renovabis und die Pfarrgemeinde aus dem bayerischen Bodenmais beigetragen.

Der Lehrpfad, der den Spuren politischer Gefangener folgt, wird am kommenden Samstag um 14 Uhr in der Gedenkstätte Vojna eröffnet. Vorher wird um 11 Uhr auf dem Heiligen Berg ein Gottesdienst für die Opfer totalitärer Staaten zelebriert.