Benefizkonzert für die Versöhnungsglocken in Přerov

Am kommenden Sonntag findet in der Laurentius-Kirche in Přerov / Prerau ein Benefizkonzert für das Projekt der Versöhnungsglocken statt.

Zwei neue Glocken sollen ab Ende Juni im Turm der dortigen Laurentius-Kirche hängen. Die erste Glocke heißt Johannes Paul und wiegt 1800 Kilogramm. Sie ist den Opfern des Massakers gewidmet, zu dem es im Juni 1945 auf den Schwedenschanzen nahe der Stadt kam. Damals wurden 267 deutschsprachige Zivilisten, darunter auch 74 Kinder, von tschechischen Milizen ermordet. Die zweite, 400 Kilogramm schwere Glocke wurde nach Franz von Assisi benannt.

Die Glocken sollen anlässlich des 80. Jahrestags des Massakers am 22. Juni in der Kirche aufgehängt werden, teilte die Sprecherin des Vereins „Přerovské zvony smíření“ (Prerauer Versöhnungsglocken), Anna Sýkorová, der Presseagentur ČTK mit. Den Informationen des Vereins zufolge sind in einer Spendensammlung für die Glocken bisher fast 2,3 Millionen Kronen (92.000 Euro) zusammengekommen.

Mit dem Benefizkonzert, bei dem die Bluesband Mothers Follow Chairs spielt, wird die Festivalsaison des Stiftungsfonds „Blues nad Bečvou“ eröffnet. Der Erlös der Veranstaltung werde für die feierliche Installation der Glocken genutzt, sagte Pavel Ondrůj vom Stiftungsfonds.

Die Versöhnungsglocken wurden im November 2022 in der Werkstatt des Glockengießers Rudolf Perner in Passau gegossen. Auf der großen Glocke sind die Namen jener Familien zu lesen, aus denen die beim Massaker ermordeten Kinder stammten. Das jüngste Kind war damals neun Monate alt.

Die beiden neuen Glocken sollen an einen der schlimmsten Racheakte an der deutschsprachigen Bevölkerung der Tschechoslowakei nach dem Zweiten Weltkrieg erinnern. Die Insassen eines Flüchtlingszugs am Rangierbahnhof in Přerov wurden damals von tschechoslowakischen Soldaten verschleppt und am Rande der Stadt ermordet. Die 267 Karpatendeutschen, Ungarn und Slowaken stammten meistens aus der Region von Spiš (deutsch Zips) und wollten aus Nordböhmen zurück nach Hause reisen.

Autor: Martina Schneibergová | Quelle: ČTK
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