Benzin im Blut: Schloss Sychrov zeigt adelige Autopioniere

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In den Sommermonaten herrscht auf den tschechischen Burgen und Schlössern Hochsaison. Die Mehrheit der historischen Sehenswürdigkeiten bietet zu dieser Zeit den Besuchern ein erweitertes Programm. Dies gilt auch für das Schloss Sychrov in Nordböhmen.

Schloss Sychrov  (Foto: Martina Schneibergová)
Sychrov liegt im Kreis Liberec / Reichenberg, etwa acht Kilometer nordwestlich von Turnov / Turnau. Ursprünglich ein Barockschloss wurde es in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts im klassizistischen Stil umgebaut. 125 Jahre lang diente die Residenz der Adelsfamilie Rohan als Sitz. Das Schloss ist bis heute mit Originalmöbeln aus dem 19. Jahrhundert ausgestattet. Führungen durch die Interieurs gibt es das ganze Jahr hindurch. Für die Sommermonate sei zudem eine neue Besichtigungstour konzipiert worden, sagt Kastellan Miloš Kadlec:

„Die Führung konzentriert sich auf die Epoche der Ersten Republik. Die Besucher können Räumlichkeiten der Familie Rohan aus dieser Zeit besichtigen. Dazu gehören beispielsweise das Schlafzimmer, die Kanzlei sowie das Badezimmer. Es werden zudem zahlreiche Fotos der letzten Rohans gezeigt, die in Sychrov lebten: sowohl offizielle Fotografien als auch Fotos, die das Familienleben auf dem Schloss dokumentieren. In weiteren fünf Sälen wurde eine Ausstellung eröffnet, die die Beziehung des Adels zu einem neuen Phänomen der Jahrhundertwende – dem Automobilismus – beschreibt. Die Ausstellung heißt ‚Als im Schloss das Benzin duftete‘.“

Theodor von Liebieg  (rechts)
Der Textilfabrikant Theodor von Liebieg aus dem nahen Liberec / Reichenberg galt damals als Automobil-Pionier. Ihm war es zu verdanken, dass sich auf den Straßen Nordböhmens allmählich die ersten Automobile durchsetzten. Im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts hatten die meisten adeligen Familien bereits einen Automobil. Auch die Rohans waren keine Ausnahme. Der Kastellan:

„Die Rohans hatten eine sehr enge Beziehung zum Automobilismus. Sie waren nordböhmische Patrioten, darum kauften sie zuerst Automobile der Marke RAF– also von der Reichenberger Automobilfabrik. In der Ausstellung sind Fotos der Wagen zu sehen. Später hatten sie Tatras und Fords. Als der Kutscher der Rohans, Herr Mužák, zum Chauffeur umschulen musste, brauchte er dafür sehr lange. Wir wissen aus der Korrespondenz und dem Gedenkbuch, dass er dem Fürsten immer sagte, ihm seien die vierbeinigen Pferde viel lieber als die Pferde unter der Haube.“

Miloš Kadlec  (Foto: Archiv des tschechischen Denkmalschutzamtes)
Die Ausstellung beschreibt die umfassenden Veränderungen, die die Autos mit sich brachten. Zu sehen ist auch die Autofahrermode des beginnenden 20. Jahrhunderts mit Kleidungsstücken der Autofahrerinnen. Außerdem werden Sporttrophäen für Rennfahrer sowie Spielzeuge wie zum Beispiel Tretautos gezeigt. Auch an die Kinder haben die Schlossverwalter gedacht. Miloš Kadlec:

„Für die kleinsten Besucher sind die sogenannten ´Führungen durch das Schloss mit der Prinzessin´ bestimmt. Es handelt sich um kürzere Führungen, die auf Kinder zugeschnitten sind. An jedem Wochenende gibt es zudem in Sychrov verschiedene Kulturveranstaltungen.“

Am 22. August verwandelt sich beispielsweise das ganze Schlossareal in ein schottisches Lager, denn bereits zum 15. Mal werden dort die Schottischen Spiele veranstaltet. Zum Abschluss der Schulferien gibt es in Sychrov einen Musicalabend.

Die Ausstellung „Als im Schloss Benzin duftete“ ist in Sychrov bis Ende August zu sehen. Das Schloss ist täglich das ganze Jahr hindurch geöffnet. Vom Mai bis August ist es von 9 bis 16.30 Uhr zugänglich.

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