Berdych-Show bei Davis Cup in Genf – Skispringer Matura fliegt aufs Podest

Tomáš Berdych (Foto: ČTK)

Aus tschechischer Sicht war das vergangene Sport-Wochenende sehr gelungen. Zwar holte bei der Radcross-WM nur einer der Junioren eine Medaille, ansonsten aber zeigten sich die Wintersportler und vor allem die Tennisspieler in einem guten Licht.

Jan Matura (Foto: ČTK)
Der Skispringer Jan Matura war einer jener erfolgreichen Tschechen am zurückliegenden Wochenende. Beim Skiflug-Weltcup im Riesengebirgsort Harrachov / Harrachsdorf kam er gleich zweimal aufs Treppchen: einmal als Zweiter und einmal als Dritter. Am neuen Rekordsieger Gregor Schlierenzauer war zwar auch für ihn kein Vorbeikommen – doch das konnte seine Freude nicht schmälern:

„Wenn mir jemand vor der Saison gesagt hätte, dass ich so weit oben sein würde, hätte ich ihm das nicht geglaubt. Mir ist egal, ob ich Erster oder Dritter bin. Der erste Platz ist selbstverständlich das Beste, aber ich bin auch so unglaublich froh.“

Tomáš Kraus (Foto: ČTK)
Es ist der späte Erfolg des Jan Matura. 33 Jahre ist er bereits alt, aber erst in diesem Winter gelingt ihm auch der Sprung aufs Podest. Vor kurzem errang er in Sapporo sogar die ersten beiden Weltcup-Siege seiner Karriere – wenngleich die Hälfte der Weltcupspitze in der japanischen Olympiastadt fehlte.

Im Wintersport glänzten am Wochenende ansonsten auch noch der Skicross-Fahrer Tomáš Kraus und die Snowboarderin Eva Samková jeweils mit Siegen bei Weltcup-Rennen.



Lukáš Rosol und Tomáš Berdych (Foto: ČTK)
Nur die allerhöchsten Ziele haben die tschechischen Tennisspieler. Sie wollen den Gesamtsieg, sprich: die Titelverteidigung im Davis Cup. Den ersten Schritt haben sie nun mit einem 3:2-Sieg in der Schweiz gemacht. Dabei erschwerte der Ausfall von Radek Štěpánek den Auftakt im Kampf um die „hässlichste Salatschüssel der Welt“. Vergangene Woche musste der 34-jährige Routinier wegen eines Bandscheibenvorfalls unter das Messer. Auf der anderen Seite hatte Roger Federer dem Schweizer Team abgesagt. Damit war klar: Tomáš Berdych war jeweils Favorit in seinen Einzeln, entscheiden würde aber das Doppel am Samstag. Und das entwickelte sich zu einem Drama erster Güte und zum absoluten Rekordmatch. Sieben Stunden und eine Minute standen sich Tomáš Berdych und Lukáš Rosol auf der einen sowie Stanislas Wawrinka und Marco Chiudinelli auf der anderen Seite gegenüber. Erst der 13. Matchball entschied zugunsten der Tschechen – es war ein Doppelfehler von Chiudinelli. Tomáš Berdych war danach so erschöpft, dass er nur sitzend sein Interview gab:

Tomáš Berdych (Foto: ČTK)
„Wir hatten viel mehr Chancen zum Sieg, daher ist er wohl verdient. Viele Chancen haben wir liegen gelassen, aber unsere Gegner haben auch gut serviert. Zum Schluss war es nur noch eine Frage des jeweiligen Ballwechsels, denn der Kopf will nicht mehr, alles wird immer schwerer.“

Mit dem psychischen Vorteil des Marathon-Siegs ging Berdych am Sonntag ins Einzel gegen Wawrinka – und gewann auch da. Damit war Titelverteidiger Tschechien vorzeitig für das Viertelfinale qualifiziert. Anfang April müssen die Schützlinge von Teamkapitän Jaroslav Navrátil nun in unbekannte Gefilde: Der Weg führt sie nach Kasachstan, das sich gegen Österreich durchgesetzt hat. Ob die Titelverteidigung weiter realistisch sein wird, hängt laut Navrátil davon ab, ob neben Berdych auch wieder Štěpánek zur Verfügung steht:

Stanislas Wawrinka (Foto: ČTK)
„Das können wir nur schaffen, wenn beide dabei sind. Damit möchte ich die Leistung von Lukáš Rosol nicht schmälern. Er hat gegen Wawrinka gut gespielt. Aber Radek Štěpánek bewegt sich in anderen Sphären. Er ist sehr erfahren, ein guter Doppelspieler und versteht sich dabei gut mit Tomáš Berdych. Beide treiben das Team nach vorne. Deswegen bin ich sehr froh, dass wir auch ohne Štěpánek die schwere Aufgabe in der Schweiz, die allerdings ohne Federer auskommen musste, so gemeistert haben.“

Die Begegnung in Kasachstan findet voraussichtlich in der Hauptstadt Astana statt.

Autor: Till Janzer
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