Pleiten, Pech und Absagen für tschechische Wintersportler zum Jahreswechsel

Jedes Mal zum Jahreswechsel werden in der Sportwelt besonders jene Events wahrgenommen, die eine große Tradition entwickelt haben: die Vierschanzentournee im Skispringen, die Tour de Ski im Skilanglauf oder aber der Spengler Cup und die U20-WM im Eishockey. Die beiden Turniere im Pucksport stießen diesmal aber auf einen großen Spielverderber: das Coronavirus.

Eishockey: Zwei Turnierabsagen wegen Corona

U20-Eishockey-WM | Foto: Jason Franson,  ČTK/AP Photo

Kurz vor Weihnachten kündigte der Sportsender des Tschechischen Fernsehen (ČT) noch vollmundig an: Zwischen dem 26. Dezember und dem Dreikönigstag werde man eine ganze Reihe von Begegnungen aus Davos (Spengler Cup) sowie aus Edmonton und Red Deer (U20-WM) live übertragen, insbesondere jene mit tschechischer Beteiligung. Doch nur etwa 30 Stunden vor dem ersten Bully des Spengler Cups wurde das Traditionsturnier in der Schweiz abgesagt. Als Grund dafür wurde die epidemische Lage im Kanton Graubünden genannt, in deren Folge sich 17 Spieler des gastgebenden HC Davos mit dem Coronavirus angesteckt hatten. Betroffen von diesem Beschluss war auch der tschechische Verein HC Sparta Prag, der als eine von sechs Mannschaften am Spengler Cup teilnehmen sollte. Die Hauptstädter reagierten indes besonnen: Man verstehe die Entscheidung und respektiere sie, sagte Spartas Generaldirektorin Barbora Snopková Haberová.

Tschechien - Deutschland | Foto: Jason Franson,  ČTK/AP Photo

Mehr Glück hatte zunächst die tschechische Junioren-Nationalmannschaft bis 20 Jahre. Sie konnte zu ihrem Saisonhöhepunkt, der Weltmeisterschaft, in die kanadische Provinz Alberta reisen. Im Vorfeld aber schwante einem bereits nichts Gutes, denn die beiden Testspiele des Teams wurden wegen erhöhter Infektionsgefahr abgesagt. Alle Akteure der zehn WM-Teilnehmer waren indes negativ getestet und sollten sich zwischen den Spielstätten und ihren Hotels wie in einer Blase – also von der Außenwelt abgeschirmt – bewegen. Deswegen begann die WM auch pünktlich am 26. Dezember, und das tschechische Team absolvierte zunächst zwei Partien. Beide wurden in Edmonton verloren: 3:6 gegen Gastgeber Kanada und 1:2 nach Verlängerung gegen Deutschland. Musste mit der Pleite gegen die Ahornblätter indes gerechnet werden, so schmerzte die Niederlage gegen Deutschland sehr. Aus Sicht von Trainer Karel Mlejnek war sie völlig unnötig:

Jan Myšák  (links) | Foto: Jason Franson,  ČTK/AP Photo

„Ich wage zu behaupten, dass wir das gesamte Spiel hindurch feldüberlegen waren. Doch aus dieser Überlegenheit haben wir leider überhaupt nichts gemacht.“

Die Aussage des Trainers bestätigte Kapitän und Angreifer Jan Myšák:

„In den ersten beiden Dritteln haben wir unsere Chancen nicht genutzt. Im dritten Drittel ist uns gar nichts mehr gelungen, uns fehlte es an Spritzigkeit. Die Niederlage haben wir selbst verschuldet.“

Im dritten Gruppenspiel gegen Finnland wollte es die tschechische Mannschaft dann endlich besser machen, doch sie kam gar nicht dazu. Wegen des Positiv-Befunds eines Spielers wurde das Team isoliert und die Begegnung mit den Finnen am grünen Tisch mit 0:1 als verloren gewertet. Danach ging alles sehr schnell. Nach zwei US-Amerikanern und dem einen Tschechen wurde auch noch im russischen Team ein Corona-Fall registriert. Infolgedessen kamen der Eishockey-Weltverband (IIHF) und die kanadischen Organisatoren gemeinsam zu dem Entschluss, die Junioren-Weltmeisterschaft unverzüglich zu beenden. Der Schock bei den WM-Teilnehmern war groß, und auch im tschechischen Lager machte sich große Enttäuschung breit. Trainer Mlejnek:

Karel Mlejnek | Foto:  Tschechisches Fernsehen

„Es ist ein ungutes Gefühl, ein Gefühl von Beklommenheit. Für mich ist es so, als wenn ich die Arbeit der ganzen Saison nicht zu Ende bringen kann. Ich verspüre bereits seit zwei Jahren einen nicht enden wollenden Frust. Ich denke, da kann ich auch für alle meine Spieler sprechen.“

In seinen Worten spielte Mlejnek darauf an, dass diejenigen seiner Schützlinge, die zum Jahrgang 2002 gehören, nun schon zum zweiten Mal enttäuscht wurden. Wegen der Corona-Pandemie war nämlich auch die U18-WM im Jahr 2020 abgesagt worden. Was die Verärgerung unter den Betroffenen noch größer machte, ist ihre Wahrnehmung, sich selbst an die strengen Auflagen gehalten zu haben. Karel Mlejnek:

Foto: Jason Franson,  ČTK/AP Photo

„Unser Team hat alle Regelungen eingehalten, die vorgegeben wurden. Das heißt, im Hotel, auf dem Weg zur Spielstätte und in der Arena haben wir uns vorschriftsgemäß verhalten. Nicht von der Hand zu weisen ist aber, dass andere Dinge nicht so streng gehandhabt wurden wie im Vorjahr. Voriges Jahr war unser Hotel von einem Maschendrahtzaum umgeben und wirklich niemand wurde hineingelassen.“

Der Vergleich ist insofern angebracht, weil schon 2020/21 die U20-WM in Edmonton stattfand. Diesmal aber habe man den Hotelbetrieb wieder hochgefahren, und im zweiten Spielort Red Deer habe in einem WM-Hotel sogar eine Hochzeit stattgefunden, wird berichtet. Aufgrund dieser Laxheit ist das Vertrauen in den Eishockey-Weltverband und die kanadischen Gastgeber nun arg ramponiert. IIHF-Präsident Luc Tardiff kündigte zwar an, die WM noch in diesem Jahr komplett wiederholen zu wollen, der Imageschaden in der Eishockeywelt ist jedoch enorm. Denn jetzt erhöht sich ebenso die Befürchtung, dass auch das olympische Turnier in Peking ausfallen könnte, zumal die nordamerikanische National Hockey League (NHL) die Teilnahme ihrer Spieler bereits abgesagt hat.

Viktor Polášek | Foto: Matthias Schrader,  ČTK/AP Photo

Vierschanzentournee: Tschechiens Skispringer treten kaum in Erscheinung

Roman Koudelka | Foto: Ailura,  Wikimedia Commons,  CC BY-SA 3.0 AT

Die traditionelle Vierschanzentournee der Skispringer erlebt in diesen Tagen ein Jubiläum: Seit ihrem Beginn im Winter 1953 wird sie zum 70. Male ausgetragen. In dieser langen Geschichte spielten auch tschechische Athleten immer wieder eine tragende Rolle. Der legendäre Jiří Raška (1970/71) und der heutige Abgeordnete Jakub Janda (2005/06) haben die Tournee sogar je einmal gewonnen. Bis auf Roman Koudelka konnte seitdem aber noch kein weiterer Tscheche bei diesem Highlight so richtig überzeugen. Auch diesmal ist das bislang nicht anders. Der aus Slowenien stammende tschechische Nationaltrainer Vasja Bajc hat wegen fehlender Alternativen nur drei Springer in das Aufgebot nominiert. Für das Neujahrsspringen am Samstag in Garmisch-Partenkirchen aber konnte sich keiner von ihnen empfehlen. Die Top 50 verfehlten sowohl Roman Koudelka, der die Qualifikation auf Platz 54 beendete, als auch Filip Sakala und Viktor Polášek, die noch weiter hinten landeten. Für das Auftaktspringen in Oberstdorf sicherte sich lediglich Polášek die Teilnahme. Doch in seinem Zweikampf traf der 24-Jährige ausgerechnet auf den deutschen Tournee-Mitfavoriten Karl Geiger. Polášek verlor das Duell um Längen und konnte sich auch nicht über die Lucky-Loser-Regel für das Finale der besten 30 Springer qualifizieren. Zu seinem Einzelsprung sagte er:

„Momentan schaffe ich es nicht, meine Trainingssprünge auch im Wettkampf zu zeigen. Da habe ich augenfällig ein psychisches Problem. Das wurmt mich sehr, denn im Training sieht es meist ganz gut aus. Diese Leistungen kann ich bei den Wettbewerben am Wochenende aber einfach nicht abrufen.“

Karl Geiger | Foto: Matthias Schrader,  ČTK/AP Photo

Andererseits sei es für ihn schon ziemlich aufregend gewesen, gegen einen Top-Springer wie Karl Geiger antreten zu können, so Polášek. In dem Oberstdorfer sieht er auch einen der Favoriten für den Tournee-Gesamtsieg:

„Er springt in dieser Saison bisher phantastisch, und Geiger wird auch bei der Tournee weit vorn landen. Allerdings hat er im Norweger (Halvor Egner) Granerud und im Japaner (Ryōyū) Kobayashi zwei harte Kontrahenten. Ich denke, dieses Trio wird den Gesamtsieg unter sich ausmachen.“

Nach der Hälfte der Tournee liegt Kobayashi allerdings klar in Führung, Granerud und Geiger folgen mit 30 und mehr Punkten Rückstand erst auf den Plätzen fünf und sechs.

Tour de Ski: Michal Novák einmal Zehnter und zweimal im Pech

Tour de Ski | Foto: Giovanni Auletta,  ČTK/AP Photo

Nach dem Karriere-Ende von Lukáš Bauer im Jahr 2017 ist es auch im tschechischen Skilanglauf etwas düster geworden. Vordere Platzierungen bei den Frauen und Männern hatten seitdem Seltenheitswert, und ein Ende der Durststrecke schien nicht in Sicht. Doch in dieser Saison macht mit Michal Novák ein Tscheche auf sich aufmerksam, der zu größeren Hoffnungen berechtigt. Im laufenden Weltcup ist Novák nämlich mit zwei fünften Plätzen schon in die erweiterte Weltspitze vorgedrungen. Er schaffte diese Platzierungen beim Verfolgungsrennen über 15 Kilometer im finnischen Ruka und auf derselben Distanz im freien Stil im norwegischen Lillehammer. Daher war der gebürtige Karlsbader auch voller Erwartung vor seiner Teilnahme an der laufenden Tour de Ski.

Bei dieser Tour, die nach Weihnachten im schweizerischen Lenzerheide gestartet wurde, war der 25-Jährige bisher allerdings etwas vom Pech verfolgt. Im Sprint, der nicht zu seinen stärksten Disziplinen zählt, belegte er zunächst den 19. Platz. Einen Tag später, als die 15-Kilometer-Strecke im klassischen Stil auf dem Programm stand, kam er als Dreiundzwanzigster ins Ziel. Eine bessere Platzierung wäre jedoch möglich gewesen, wäre Novák während des Rennens nicht gestürzt:

Michal Novák | Foto: Granada,  Wikimedia Commons,  CC BY-SA 4.0 DEED

„Ich bin auf der Strecke regelrecht aus der Loipe geflogen, was mich viel Zeit gekostet hat. Ohne dieses Malheur hätte ich am Ende gut und gerne zwischen den Plätzen 10 und 15 einlaufen können. Das ärgert mich sehr. Auf der anderen Seite habe ich nach dem Sturz gezeigt, dass ich solch ein Missgeschick psychisch abschütteln kann, und ich bin froh, wenigstens noch in den Punkträngen gelandet zu sein.“

Die dritte Etappe fand am Silvestertag in Oberstdorf statt. Bei den Männern wurden die 15 Kilometer in freier Technik als Massenstartrennen absolviert. Im ersten Drittel des Laufes hielt Novák mit der Spitzengruppe Schritt. Nach einem Stockbruch fiel er dann aber weit zurück und musste sich am Ende mit dem 58. Platz begnügen. Tschechiens ehemalige Olympiasiegerin Kateřina Neumannová geht indes davon aus, dass Novák seine beste Zeit noch vor sich hat:

Kateřina Neumannová | Foto: Elena Horálková,  Tschechischer Rundfunk

„In den vergangenen Wintern hatte Michal immer wieder gesundheitliche Probleme, in dieser Saison ist er bisher davon verschont geblieben. Das ist sicher einer der Gründe für seine sehr guten Leistungen zum Start in den Winter. Und zweitens ist er für einen Ausdauersport wie den Skilanglauf immer noch ein ziemlich junger Wettkämpfer. Michal kann sein Potenzial also noch in den nächsten Jahren steigern. Deswegen sollte er jetzt auch zielgerichtet darauf hinarbeiten, denn ihm steht das beste Wettkampfalter erst noch bevor.“

Beim ersten Rennen im neuen Jahr zeigte Novák dann auch ein weiteres Mal, dass er Misserfolge wie zu Silvester gut wegstecken kann. Im Sprintwettbewerb in Oberstdorf kam er bis ins Halbfinale und belegte am Ende den zehnten Platz.

Autoren: Lothar Martin , Petr Mathauser , Miroslav Lenc , Kamil Jáša , Mikuláš Jáša
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