Biathlon: Davidová läuft Form hinterher, Männer im Aufwind

Markéta Davidová (Foto: Archiv der Tschechischen Biathlon-Union)

Das tschechische Biathlon ist derzeit im Umbruch. Top-Athletin Gabriela Koukalová hat durch ihr Karriere-Ende eine Lücke hinterlassen, die die 23-jährige Markéta Davidová schließen soll. Und auch bei den Männern müssen jüngere Biathleten nachrücken, um die Altstars wie Ondřej Moravec und Michal Šlesingr bald ablösen zu können. In der laufenden Saison gelingt das bisher zu selten.

Foto: Archiv der Tschechischen Biathlon-Union

Markéta Davidová (Foto: Archiv der Tschechischen Biathlon-Union)
Bereits in der vergangenen Saison sorgte Markéta Davidová für Aufsehen. Mit ihrem ersten Weltcupsieg, dem Erfolg beim Sprintrennen in Antholz, sowie mit weiteren Podestplätzen sprang die Junioren-Weltmeisterin von 2018 quasi in die Bresche für Gabriela Koukalová, den bisherigen Star des tschechischen Biathlons. Nach der verpassten Olympiachance von Pyeongchang fühlte sich Koukalová ausgebrannt und wollte 2018/19 eigentlich nur eine Auszeit nehmen. Doch im Mai vergangenen Jahres erklärte sie dann ihren Rücktritt vom aktiven Leistungssport. Deshalb wurde Davidová vor der aktuellen Saison zur größten tschechische Hoffnungsträgerin erklärt, ob sie wollte oder nicht. Daran „schuld“ ist auch die Tatsache, dass die zweite große Biathletin des Landes, Veronika Vítková, seit Monaten wegen körperlicher Schwäche ihrer Form hinterherläuft. Die 31-Jährige wurde daher schon nach dem zweiten Saisonrennen vom Weltcupzirkus abgezogen, um sich in heimischen Gefilden wieder in Schwung zu bringen.

Markéta Davidová (Foto: Archiv der Tschechischen Biathlon-Union)
Umso schwungvoller stieg Markéta Davidová in die neue Weltcup-Saison ein. Gleich im Auftaktrennen, der Sprintentscheidung im schwedischen Östersund, belegte sie einen hervorragenden dritten Platz. Nach dem Wettkampf sagte sie:

„Die gute Schießleistung hat mich heute im Rennen gehalten. Hätte ich aber eine Strafrunde absolvieren müssen, wäre ich wohl nicht ins Ziel gekommen. Von daher waren die null Fehler im Liegend- und Stehendschießen sehr gut für mich. Ich hoffe, dass dies so weiter geht, auch wenn ich mit beiden Beinen auf dem Boden bleiben muss. Denn wenn man zu sehr von sich überzeugt ist, schadet das nur.“

Auch mit der zweiten Disziplin, dem Einzelrennen in Österund, konnte Davidová durchaus zufrieden sein. Sie wurde Elfte und rangierte sich damit zwischenzeitlich auf Platz zwei des Gesamt-Weltcups ein. Die Riesengebirglerin aber war nicht ganz zufrieden:

Markéta Davidová zur eigenen Formschwäche: „Ich weiß nicht, woran das liegt. Da fließen sicher mehrere Faktoren ein, von daher müssen wir überlegen, was jetzt zu tun ist. Ich habe schon vor Jahresbeginn ziemlich viele Wettkämpfe bestritten, woran ich noch nicht ganz gewöhnt bin. Vielleicht sträubt sich gerade mein Körper gegen diese Belastung.“

„Ich denke, dass das kein schlechtes Ergebnis ist, doch in der Loipe habe ich heute echt gelitten. Mehr war einfach nicht drin. Drei Schießfehler auf 20 Schuss sind nicht zu viel, aber auf den Ski lief es einfach nicht.“

Dennoch wollten ihr einige tschechische Journalisten bescheinigen, dass sie sich mit den Resultaten von Östersund nun in der Weltspitze etabliert habe. Davidová entgegnete aber:

„Ich weiß nicht, daran denke ich nicht. Mir kam es heute eher so vor, als ob ich immer mehr nachgelassen habe. Ich habe wirklich nicht das Gefühl, als ob ich meine Position gefestigt hätte.“

Wesentlich erfreuter zeigte sich Davidová indes von der Änderung, dass seit diesem Winter nun Eva Kristejn-Puskarčíková bei allen Reisen und Trainingslagern ihre neue Zimmergenossin ist. Dies weiß sie sehr zu schätzen:

„Sie ist einfach toll. Ich bin froh, mit ihr zusammen auf einem Zimmer zu sein. Wir haben in etwa den gleichen Charakter, dazu noch am selben Tag Geburtstag. Hier haben sich wohl zwei gesucht und gefunden.“

Ondřej Moravec (Foto: Archiv der Tschechischen Biathlon-Union)
Auf der Suche, nämlich nach der Form der vergangenen Jahre, war bei den ersten zwei Weltcup-Veranstaltungen insbesondere Ondřej Moravec. Der dreifache Olympia-Medaillengewinner lief vor allem in Hochfilzen der Konkurrenz weit hinterher. Nach dem Wochenende in Österreich räumte er ein:

„Den zwei Wettbewerben, die ich bisher absolviert habe, konnte ich kaum etwas Positives abgewinnen. Mir bleibt nichts anderes übrig, als diese Misserfolge abzuhaken und daraus die richtigen Lehren zu ziehen. Wenn ich aber in einem der beiden nächsten Rennen gut dabei sein sollte, dann wird mein Selbstbewusstsein auch wieder zurückkommen.“

Moravec ließ folglich kurz vor Weihnachten die Rennen im französischen Annecy aus, um seine Defizite durch individuelles Training abzubauen. In Annecy blieben jedoch auch die übrigen tschechischen Teilnehmer unter ihren Möglichkeiten.

Eva Kristejn Puskarčíková (Foto: Archiv der Tschechischen Biathlon-Union)
Ein neues Jahr, ein neuer Anfang. Unter diesem Motto traten die tschechischen Biathletinnen und Biathleten in den zurückliegenden vier Tagen zu den Weltcup-Rennen im thüringischen Oberhof an. Bei Regen, Wind und zum Teil dichtem Nebel forderte diese Strecke den Sportlern wieder einmal alles ab. Schnell zeigte sich, dass besonders die tschechischen Damen mit diesen Bedingungen so ihre Probleme hatten. Im Sprint war Puskarčíková als 17. die Beste, Davidová belegte nur Platz 23. Und in der Staffel zeigte das tschechische Quartett noch mehr Nerven: Am Schießstand kassierten die vier Frauen insgesamt drei Strafrunden, obwohl ihnen für jede Schießeinlage drei Nachlader zur Verfügung stehen. Völlig außer Rand und Band war Markéta Davidová, die allein zweimal auf die Zusatzrunde musste. Danach war sie untröstlich:

„Ich weiß nicht, woran das liegt. Da fließen sicher mehrere Faktoren ein, von daher müssen wir überlegen, was jetzt zu tun ist. Ich habe schon vor Jahresbeginn ziemlich viele Wettkämpfe bestritten, woran ich noch nicht ganz gewöhnt bin. Vielleicht sträubt sich gerade mein Körper gegen diese Belastung.“

Egil Gjelland zu Davidová: „Wer sollte sie unter Druck setzen? Jemand von außen, oder sie selbst? Nein, solange sie diesen Sport machen und darin gut sein will, muss sie sich nur auf sich selbst konzentrieren. Sie wird eine hervorragende Biathletin werden, noch besser als jetzt, doch dies braucht etwas Zeit.“

Viele Experten sprachen nun bereits vom zu großen Druck, dem Davidová als avisierte Nachfolgerin von Koukalová noch nicht gewachsen sei. Doch Egil Gjelland, der norwegische Trainer der tschechischen Frauen-Nationalmannschaft, ist anderer Meinung:

„Wer sollte sie unter Druck setzen? Jemand von außen, oder sie selbst? Nein, solange sie diesen Sport machen und darin gut sein will, muss sie sich nur auf sich selbst konzentrieren. Sie wird eine hervorragende Biathletin werden, noch besser als jetzt, doch dies braucht etwas Zeit. Am Schießstand ist sie immer noch nicht stark genug, aber sie trainiert toll. Und genau so müssen wir weitermachen.“

Zum abschließenden Massenstart-Rennen am Sonntag war Davidová dann schon wieder etwas besser drauf, besonders in der Loipe. Beim Schießen aber verfehlte sie die Scheiben gleich sieben Mal. Nach Oberhof zog sie dieses Fazit:

Ondřej Moravec (Foto: Archiv der Tschechischen Biathlon-Union)
„Nach den zwei Wettbewerben vom Donnerstag und Samstag, bei denen ich mich nicht gut gefühlt habe, bin ich heute mit dem Ergebnis zufrieden. Natürlich war das Schießen erneut schlecht, darüber kann auch der zwölfte Platz nicht hinwegtäuschen.“

Zeigt die Tendenz bei den tschechischen Frauen also ein Stück weit nach unten, so sind die Männer ganz klar im Aufwärtstrend. Allen voran der 35-jährige Moravec. Nach seinem intensiven Training kam er in Oberhof wesentlich besser in die Spur. Mit einem fehlerfreien Schießen überzeugte er gleich im Sprint mit dem elften Rang. Das war zudem die bis dahin beste Platzierung eines Tschechen im laufenden Weltcup. Ondřej Moravec:

„Ich bin überaus zufrieden. Ich habe ein gutes Rennen hingelegt, auch weil ich mir von vornherein gesagt habe: Beim Schießen muss ich alles unter Kontrolle haben! Dieser Wettkampf wird mich weiter pushen. Auf meine Psyche dürfte sich das Ergebnis auf jeden Fall positiv auswirken.“

Michal Krčmář: „Ich bin wirklich zufrieden. Ich habe die gesamten drei Monate seit Saisonbeginn immer das Gefühl gehabt, dass ich in der Lage bin, unter die besten Zehn zu kommen. Doch immer wieder hatte ich einige Probleme am Schießstand. Mir ist jetzt ein Stein vom Herzen gefallen, weil ich seit längerer Zeit wieder in den Top Ten gelandet bin.“

Das zeigte Moravec schließlich auch im Massenstartrennen am Sonntag, bei dem er Zwölfter wurde. Eigens dafür hatte er allerdings auch den Staffel-Wettbewerb am Samstag ausgelassen. In diesem Rennen landete das tschechische Team auf Platz acht, auch wenn zwischenzeitlich mehr drin war. Michal Krčmář auf der zweiten Position führte die Staffel auf Rang drei. Doch danach büßte man wieder Plätze ein, weil Jakub Štrvtecký auf dem dritten Abschnitt nicht weniger als dreimal in die Strafrunde musste. Krčmář hingegen stellte einen Tag später beim Massenstart unter Beweis, dass seine Formkurve nach oben zeigt: Mit Rang neun schaffte er die erste Top-Ten-Platzierung eines tschechischen Biathleten in dieser Saison. Und danach konnte auch er wieder lachen:

„Ich bin wirklich zufrieden. Ich habe die gesamten drei Monate seit Saisonbeginn immer das Gefühl gehabt, dass ich in der Lage bin, unter die besten Zehn zu kommen. Doch immer wieder hatte ich einige Probleme am Schießstand, und es gelang mir nicht, sie in den Griff zu kriegen. Ich muss zugeben, dass mir jetzt ein Stein vom Herzen gefallen ist, weil ich seit längerer Zeit wieder in den Top Ten gelandet bin.“

Michal Krčmář (Foto: Archiv der Tschechischen Biathlon-Union)
Ihr zurückgewonnenes Selbstbewusstsein wollen Krčmář und Moravec schon in dieser Woche erneut demonstrieren, wenn im bayerischen Ruhpolding die nächsten drei Weltcup-Rennen anstehen. Doch beide sowie Davidová & Co. verfolgen in dieser Saison vor allem ein Ziel: Eine erfolgreiche Weltmeisterschaft im Februar in Antholz und einen sportlich wie emotional starken Auftritt beim Heim-Weltcup Anfang März in Nové Město na Moravě / Neustadt in Mähren.

Autor: Lothar Martin
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