Blaues Blut für die Burg: Präsidentschaftskandidat Schwarzenberg

Karel Schwarzenberg (Foto: Archiv ČRo 7)

In Tschechien wird er gerne scherzhaft „der Fürst“ genannt: Karel Schwarzenberg entstammt einer der ältesten böhmischen Adelsfamilien. Er ist derzeit Außenminister und Vorsitzender der konservativ-liberalen Partei Top 09. Nun würde er gerne tschechisches Staatsoberhaupt werden. Mit einem kurzen Porträt des 75-jährigen Politikers beschließen wir unsere Serie über die tschechischen Präsidentschaftskandidaten.

Karel Schwarzenberg (Foto: Archiv ČRo 7)
Karel Schwarzenberg ist für sein Alter erst relativ spät in die tschechische Spitzenpolitik gekommen. Zwar leitete er unmittelbar nach der Wende für einige Zeit die Kanzlei von Staatspräsident Václav Havel, doch erst 2004 wurde er Senator, seit 2007 ist er Außenminister. Anfangs stand Schwarzenberg den Grünen nah, in einigen Punkten wie der Einstellung zur Atomkraft gingen die Meinungen indes auseinander. Der Adlige gründete daher eine eigene, stärker konservativ orientierte Partei: die Top 09, deren Vorsitzender er bisher ist. Für die Präsidentenwahl nominiert wurde Karel Schwarzenberg folgerichtig von allen Parlamentariern seiner Partei – nicht aber, um ein Präsident der Top 09 zu werden, wie er in einem Gespräch im Fernsehen betonte:

„Es ist zwar richtig, dass ich die Partei gegründet habe und bis heute führe, trotzdem bin ich kein großer Parteimensch. Werde ich zum Präsidenten gewählt, dann lasse ich selbstverständlich meine Mitgliedschaft ruhen und lege den Vorsitz nieder. Denn ein Staatsoberhaupt sollte völlig unabhängig sein.“

Schwarzenberg ist unter den Kandidaten sicher derjenige, dessen politisches Profil am besten bekannt ist: Dazu gehört zum Beispiel, dass er anders als Premier Nečas sein Land lieber im Zentrum als am Rand der EU sehen würde. Doch betont Schwarzenberg, er könne auch überraschen. Eine solche Überraschung ist sicher sein pragmatischer Ansatz gegenüber den Kommunisten:

Foto: Archiv ČRo 7
„Ich bin nicht dafür, dass die Kommunisten an der Regierung teilhaben. Wenn aber das Wahlergebnis so wäre, dass sich keine andere Regierung erstellen ließe, dann müsste ich den Vorschlag des Premiers annehmen, selbst wenn damit Kommunisten ernannt würden.“

Zur Erinnerung: Schwarzenbergs Familie floh 1948 vor den Kommunisten. Bis zur politischen Wende von 1989 lebte Schwarzenberg im Exil in Österreich und unterstützte von dort aus die Oppositionellen in der Tschechoslowakei.

Jiří Dienstbier (Foto: Archiv ČSSD)
Karel Schwarzenberg ist bei weitem der älteste Kandidat für das Präsidentenamt. Häufig wurde ihm schon vorgeworfen, dass er bei längeren Veranstaltungen einnicke. Zudem musste er sich 2008 einer Herzoperation unterziehen. Und so kommt in Tschechien immer wieder die Diskussion über sein Alter auf - auch im Vergleich mit dem jüngsten Kandidaten, dem 43-jährigen Jiří Dienstbier:

„Ich habe wohl sehr viel mehr Erfahrung und in einigen Dingen vielleicht auch mehr Kenntnisse als Jiří Dienstbier. Er hat den Vorteil der Jugend, ich bin derselbe Jahrgang wie sein Vater. Da ich relativ gesund bin und mich gut und stark fühle, machen mir die Diskussionen aber nichts aus.“

Auch eine ganze Anzahl von Prominenten scheint sich an Schwarzenbergs Alter nicht zu stoßen. Viele Künstler, Wissenschaftler und Unternehmer haben dem Fürsten öffentlich ihre Unterstützung ausgesprochen, darunter auch Star-Regisseur Miloš Forman und der sehr beliebte Schauspieler Bolek Polívka. Doch in den Wählerumfragen liegt Karel Schwarzenberg nicht ganz vorne. Er kommt bisher nur auf sechs bis zehn Prozent Zustimmung.