Das Buquoysche Glas in Böhmen

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In der heutigen Touristensprechstunde wollen wir über in eine Region berichten, die besonders dank ihrer Glasherstellung zu Berühmtheit gelangte. Die Rede ist von der südböhmischen Region von Nove Hrady (Gratzen), die ehemalige Herrschaft der Grafen Buqoy, zu deren Besuch Sie nun Markéta Maurová einlädt.

Unser Ausgangspunkt befindet sich nicht direkt in Nove Hrady (Gratzen), sondern in der südböhmischen Metropole Ceske Budejovice (Budweis). Im dortigen Südböhmischen Museum wurde Ende März eine Ausstellung eröffnet, die im letzten Jahr bereits im Prager Museum für Kunstgewerbe zu sehen war und dank Leihgaben aus vielen tschechischen Museen und Schlössern zustande kommen konnte: "Das Buquoysche Glas in Böhmen 1620 - 1851", so der Titel. Unter den vielen Besuchern, die bei der Eröffnung die ausgestellten Exponate bewunderten, war auch Gräfin Margarethe von Buqoy, die eigens zu diesem Anlass aus Bayern anreiste. Wie sie bald selbst hören können, wusste sie vieles über die Geschichte der Glasherstellung in ihrer Familie erzählen.

Die Buqoys sind ein aus der französischen Grafschaft Artois stammendes Geschlecht. Wie gerieten sie also nach Böhmen? - können Sie zu Recht fragen. Die Antwort lautet ähnlich wie bei vielen anderen ausländischen Adelsfamilien - sie kamen im Laufe des Dreißigjährigen Krieges. Der kaiserliche General Karl Bonaventura Graf Buqoy de Longuevale wurde im Jahre 1620 für seine Kampfverdienste auf der Seite der Habsburger und insbesondere für seine hohe finanzielle Unterstützung, die er ihnen gewährte, mit den vorher konfiszierten Herrschaften Nove Hrady (Gratzen), Rosenberg, und Libejovice in Südböhmen belohnt.

In der Region mit einer reichen Glastradition bemühten sich die Buquoys bald. an die Tradition der von jeher berühmten Rosenberger Glashütten anzuknüpfen, wobei vor allem die Herrschaft Nove Hrady (Gratzen) eine besondere Rolle spielte. Geographisch ist diese Region im Westen mit dem Fluß Malse begrenzt, im Osten mit dem kleinen Fluß Stropnice, im Norden mit dem Hügelland von Slepièí Hory und die südliche Seite ist vom Gebirgsmassiv Novohradské hory eingeschlossen. Die Naturverhältnisse haben hier eine Rohstoffbasis für die Entstehung und Entwicklung von Glashütten gebildet. Die Urwaldbestände gewährten Qualitätsbrennholz. Es gab hier auch reichhaltige Glassandvorkommen und die Flüsse boten sich als Energiequellen an. Dieses Herstellungspotential hat man zum Ende des 14. und zu Beginn des 15. Jahrhunderts zur Gründung von Glashütten benutzt.

Die erste Glashütte in dieser Region, erstmals im Jahre 1401 erwähnt, war in Kla?ary. Erst seit dem Jahre 1588 erinnert man an die Glashütte in Vilémova Hora (Wilhelmberg), dem heutigen Hojná Voda, die Wilhelm von Rosenberg gründete. Hier erzeugte man Glas venezianischen Stils, bemalt und vergoldet. Die Erzeugnisse waren vor allem für das Rosenberger Haus bestimmt, gelangten jedoch auch im Ausland zu bedeutendem Ruf. Nach dem Untergang dieser Glashütte zu Beginn des Dreißigjährigen Kriegs gründete Marie Magdalena Buquoy im Jahre 1623 die Neuhütte auf dem Wilhelmberg, die bis zum Jahre 1677 im Betrieb war. Dieser Franzose, Louis le Vasseur d´Ossimont, produzierte in seiner Kristallhütte ein vollkommen klares reichlich geformtes Hohlglas, aus dem man verschiedene Tischverzierungen in Form von Tieren oder Schiffen gemacht hat. Den Erfolg von d´Ossimonts Erzeugnissen belegen mehrere Quellen über Lieferungen in die buquoyschen und benachbarten Herrschaften, aber auch nach Prag, Breslau, Wien und sogar nach Venedig und Florenz, die selbst bedeutende Zentren der Glasproduktion waren. Das böhmische Glas begann in jener Zeit für sie die erste ernsthafte Konkurrenz darstellen. Die Ausstellung in Budweis dauert bis zum 2. Juni. Sollten Sie es jedoch bis dahin nicht schaffen, Südböhmen zu besuchen, haben Sie danach noch die Möglichkeit, die schönen Glasprodukte aus den buquoyschen Hütten in Passau zu besichtigen.