Das Geschäft mit der Schönheit: Kosmetische OPs werden in Tschechien oft von Laien durchgeführt
Bei der Gesellschaft für ästhetische Medizin in Tschechien häufen sich die Beschwerden über verpfuschte Eingriffe. Schönheitsoperationen werden hierzulande offenbar immer öfter von Anbietern durchgeführt, die keine fachliche Ausbildung dafür haben. Das Gesundheitsministerium will nun etwas dagegen tun.
„Ich war ein Jahr lang krankgeschrieben. Mit dem Gesicht konnte ich überhaupt nicht zur Arbeit gehen. Es haben sich sogar Nekrosen gebildet. Mir hätte das ganze Gesicht auseinanderfallen können.“
Die erwähnten Nekrosen, also Stellen von abgestorbenem Gewebe, traten bei dieser Frau namens Jana auf, nachdem sie sich die Tränensäcke hatte wegspritzen lassen. Dafür wurde ihr der Füllstoff Methacryl unter der Haut platziert. Anstatt des Verjüngungseffektes traten aber schwere gesundheitliche Probleme auf. Neben Schwellungen und Hautreizungen konnte Jana plötzlich auch nicht mehr so gut sehen.
Es stellte sich heraus, dass der Eingriff von einer Hals-Nasen-Ohren-Ärztin vorgenommen worden war, die für Schönheits-OPs ebenso wenig eine Expertise hatte wie für dermatologische Fragen. Das ist möglich, weil eine Fachausbildung für Mediziner, die plastische Chirurgie anbieten, in Tschechien bisher nicht rechtlich vorgeschrieben ist. Miroslav Kršiak arbeitet im Gesundheitsministerium in der Abteilung für die Qualität der Gesundheitsversorgung. In den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks erläuterte er:
„Bis jetzt betrachtet das Gesetz die ästhetische Medizin nicht als Bestandteil der Medizin allgemein. Denn sie reagiert nicht auf den Gesundheitszustand eines Menschen, sondern nur auf seine ästhetische Erscheinung.“
Das heißt, dass in Tschechien so ziemlich jeder eine Klinik für ästhetische Medizin eröffnen kann. Tatsächlich würden plastische Eingriffe hierzulande oft von gewöhnlichen Krankenschwestern angeboten oder auch von Menschen ohne passende Ausbildung, schildert Roman Šmucler. Der Vorsitzende der Gesellschaft für ästhetische und Lasermedizin weist darauf hin, dass verpfuschte Schönheits-OPs nicht nur eine subjektive Enttäuschung zur Folge haben können, sondern auch ernsthafte gesundheitliche Komplikationen. Dass das Problem zunehme, zeige die steigende Zahl an Beschwerden, die in seiner Organisation eingingen, so Šmucler:
„In diesem Jahr sind es bereits 20 Fälle. Im vergangenen Jahr haben wir insgesamt etwa 60 Beschwerden dokumentiert und der Polizei oder den regionalen Behörden zur weiteren Bearbeitung übergeben.“
Bestätigt werden Šmuclers Beobachtungen von Bohumil Zálešák. Er ist Oberarzt für ästhetische und plastische Chirurgie am Universitätskrankenhaus in Olomouc / Olmütz. Auf seiner Station werden Patienten nach verpfuschten Schönheits-OPs behandelt. So habe er sich kürzlich um eine Frau gekümmert, die sich in einem Kosmetiksalon die Lippen hatte vergrößern lassen, berichtet Zálešák:
„Offenbar hatte dies ein selbsternannter Fachmann durchgeführt. Es kam dann zu Ungereimtheiten, die die Frau teilweise bei uns behandeln ließ. Wir haben ihr etwa einige kleine Narben korrigiert.“
Die Fachgesellschaft fordert vom tschechischen Gesundheitsministerium deshalb ein öffentliches Register von Fachkräften, die Dienstleistungen der ästhetischen Medizin anbieten dürfen. Eine entsprechende Gesetzesnovelle liege bereits im Abgeordnetenhaus, sagt der stellvertretende Gesundheitsminister Jakub Dvořáček (Bürgerdemokraten):
„Darin wird die Definition der Gesundheitsversorgung durch weitere Angaben ergänzt. Diese besagen, um welche Leistungen es sich handelt, die auf Wunsch des Patienten durchgeführt werden und durch die es zur Veränderung seines Aussehens kommt. Für diese Anwendungen dürfen dann nur medizinische Arbeitskräfte zugelassen werden.“
Und dies solle dann niemand anders als ein Dermatologe oder ein Schönheitschirurg sein, kündigt Dvořáček an. Verpflichtend werde mit der Novelle für die Ärzte zudem eine Versicherung gegen missglückte Eingriffe. Sie solle nicht nur die Auszahlung von Entschädigungsgeldern erleichtern, sondern ebenso die Schließung problematischer Einrichtungen, so der Vizeminister.







