Das Glück kam in der Nacht: Tschechischer Student macht allererstes Foto von einer Riesenbaumratte
Ein Nachwuchswissenschaftler aus Tschechien ist der erste Mensch überhaupt, dem es gelungen ist, ein Foto von einer Hochland-Riesenbaumratte zu machen.
Riesenbaumratten gehören zu den größten und schwersten Nagetieren, die auf der Welt zu finden sind. Sie leben weit oben in den kühlen und dunstigen Bergwäldern von Neuguinea. Bis vor kurzem kannte man sie nur dank ausgestopfter Museumsexemplare, die viele Jahrzehnte alt sind. Nun hat ein junger Tscheche aber ein Foto von einem freilebenden Tier machen können.
František Vejmělka studiert an der Südböhmischen Universität und ist am Biologischen Zentrum der tschechischen Akademie der Wissenschaften tätig. Im Interview für Radio Prag International räumt er zunächst mit dem Mythos auf, dass die Riesenbaumratten auch unter Wissenschaftlern inzwischen schon in Vergessenheit geraten seien:
„Es ist, wie wir es nennen, eine verschollene Spezies. Das bedeutet, dass es mehr als ein Jahrzehnt lang keine Beobachtungen und keinen lebenden Beweis gegeben hat. Muster dieser Tiere wurden in den 1930er Jahren angefertigt, indem sie von einheimischen Jägern geschossen und ausgestopft sowie ihre Schädel gesammelt wurden. Die Exemplare wurden dann in weltweit wichtigen Museen ausgestellt, etwa in New York, London oder Sydney.“
Anhand dieser Ausstellungsstücke wurde das Tier 1989 dann in ein wissenschaftliches Handbuch über Säugetiere aufgenommen. Die letzte Erwähnung, die er in den Archiven habe finden können, stammte von 1994, ergänzt der junge Biologe.
Wer sich auf die Suche nach den großen pelzigen Nagern macht, muss in Neuguinea auf eine Höhe von mindestens 1700 Metern steigen. František Vejmělka hat dort eine Hochland-Riesenbaumratte fotografieren können. Ihr lateinischer Name lautet Mallomys istappantap.
„Sie lebt sehr hoch und weit entfernt von jeder Zivilisation. Sie ist nachtaktiv, gibt keine Geräusche von sich und ist nicht auffällig gefärbt. Die einzige Möglichkeit, das Tier aufzuspüren, ist also in der Nacht und mit der Hilfe von Jägern und ihren Hunden. Oder man benutzt eine Wildkamera und hat ein bisschen Glück.“
Das Glück kam zu Vejmělka eher unerwartet. Denn bei seiner sechsmonatigen Expedition in der Berglandschaft von Neuguinea sei er gar nicht speziell auf der Suche nach der Riesenbaumratte gewesen, berichtet der Student. Vielmehr hat er dort die Vielfalt der Landsäugetiere dokumentiert. Dafür hätte sein Team die Inselbewohner bei ihren nächtlichen Jagdwanderungen begleiten dürfen und so die Gegend und den Lebensraum der Tiere kennengerlernt.
„Bei der Arbeit in der freien Natur in Afrika oder anderen tropischen Regionen nutzen wir für unsere Forschungen meist Fangvorrichtungen. Für gewöhnlich konzentrieren wir uns auf kleine Nagetiere, und dafür reichen klassische Fallen. Aber die Riesenbaumratte ist so groß, dass man sie einfach nicht mit einer normalen Falle fangen kann.“
Vielmehr musste Vejmělka selbst die Spuren zu lesen verstehen. Ein umgestürzter Baumstamm, der quer über einem rauschenden Gebirgsfluss lag, gab den entscheidenden Hinweis – denn das Moos auf seiner Oberfläche sei zertrampelt gewesen, so der Student:
„Ich begriff also, dass ein Wesen auf dem Baumstamm immer wieder den Fluss überquert. Es war offenbar groß genug, um die Moospflanzen niederzutrampeln. Aber es war kein Mensch. Zehn Tage lang hatte ich dort meine Wildkamera platziert, und am Ende gab es diese schöne Überraschung. Ich wurde mit Fotos und Videomaterial von diesem großen und flauschigen Rattenmännchen belohnt.“
Es sei wichtig, den Tierbestand in solch entlegenen Regionen der Welt zu kennen, betont Vejmělka. Denn zum einen könne man so mit den dortigen Regierungen Schutzprogramme erarbeiten – und damit zur Erhaltung der tropischen Regenwälder beitragen, die bekanntermaßen dramatisch schnell abgeholzt würden. Und weiter sagt der Nachwuchsbiologe:
„Zum anderen – und das ist vielleicht noch wichtiger – gehört das Land in Neuguinea den dortigen Bewohnern. Wir können sie also darüber informieren, wer alles in ihren Wäldern lebt, wie wertvoll diese Biodiversität ist und wie selten diese Tiere sind. Wenn eine Abholzfirma nach Neuguinea kommt – und dort sind viele Unternehmen aus Asien aktiv –, dann entscheiden die Einwohner vielleicht, ihr Land nicht zu verkaufen. Und stattdessen kann ein Landschaftsschutzgebiet entstehen.“







