Der internationale Feiertag: (K)ein Grund zum Feiern?

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Sagt man in Tschechien "Frauentag", erinnern sich viele Männer an die Nelken, für die sie früher in Blumengeschäften anstehen mussten. Andere denken an den willkommen Anlass, mehr als ein Glas zum Wohl der Frauen trinken zu dürfen. Ob so oder so, alle wissen, dass man und frau heutzutage den Frauentag nicht mehr feiert. Oder doch? Ein Bericht von Daniela Kralova.

Der 8. März ist der Internationale Frauentag. Daran können sich zwar hierzulande noch all diejenigen erinnern, die die Zeit vor der Wende 89 erlebten, eine Bedeutung hat dieser Tag aber für kaum noch jemanden. Das wollen tschechische Frauenorganisationen ändern und bemühen sich, den - durch die kommunistische Herrschaft belasteten - Internationalen Frauentag neu zu etablieren. Warum, fragten wir die Vorsitzende der sozial-demokratischen Frauen und Abgeordnete im tschechischen Parlament Jana Volfova:

"Vor allem deshalb, weil es ein Feiertag ist, den die ganze Welt begeht. Es ist ein Tag der Frauen. Er kann nichts dafür, dass er "belastet" ist. Sehen Sie sich zum Beispiel den Muttertag an, den ich für einen sehr guten Feiertag halte. Er ist von Hitler missbraucht worden und wird heutzutage trotzdem gefeiert. Zurecht, meiner Meinung nach. Es ist nämlich richtig, wenn ein Kind seiner Mutter eine Blume schenkt und sagt, ich habe dich lieb. Aber nicht alle Frauen sind Mütter und nicht alle Themen sind Familie. Und Frauen sollten einen Tag haben, an dem sie Probleme ansprechen können, die nicht nur die Familie betreffen."

Jana Volfova nimmt deshalb diesen Tag zum Anlass, Probleme zu thematisieren, mit denen die tschechischen Frauen in ihren Augen am schwersten zu kämpfen haben. Neben der Benachteiligung auf dem Arbeitsmarkt sei es die Gewalt in der Ehe, die für viele Tschechinnen eine große Schwierigkeit darstellt. Jana Volfova:

"Die Gewalt in der Ehe wird heutzutage immer noch wie eine Privatsache gehandhabt, wie etwas, das hinter verschlossenen Türen passiert, wo sich die Leute nicht einmischen sollen. Wir begreifen noch zu wenig, dass dies eine Straftat ist, genauso wie jede andere Gewalttat. Und dass bei dieser Tat oft Kinder als Zeugen auftreten, die solche Ereignisse bis zu ihrem Lebensende nicht vergessen."

Die tschechischen Frauen haben zwar die Möglichkeit, sich an die Polizei zu wenden oder in Frauenhäuser zu flüchten, aber das reicht in den Augen von Volfova nicht aus. Hier sollte der Staat ihrer Meinung nach eingreifen und den weiteren Ausbau der Frauenhäuser forcieren sowie einige legislative Maßnahmen ergreifen. Diese sollten den Frauen einen besseren Schutz vor ihren gewalttätigen Ehemännern besser gewährleisten.

Autor: Daniela Kralova
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