Der Medienspiegel

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Von Robert Schuster

Das Thema unserer heutigen Sendung ist die tschechische Wirtschaftspresse, ein Bereich also, in dem es in den letzten zehn Jahren zu einigen, recht interessanten Entwicklungen gekommen ist. Etwas vereinfacht lässt sich sagen, dass jene Medien, die sich der Berichterstattung über die Wirtschaft verschrieben haben, fast hundertprozentig alle Hochs und Tiefs der tschechischen Wirtschaft in der vergangenen Dekade nachvollzogen haben. Im Gespräch mit Radio Prag bestätigt das auch der stellvertretende Chefredakteur der Tageszeitung Hospodáøské noviny, Joachim Weidemann. Die Zeitung Hospodáøské noviny ist jedoch trotz der erwähnten Schwankungen nachwievor die unbestrittene Nummer Eins auf dem heimischen Markt der Wirtschaftspresse. Die Führungsposition ergibt sich nicht zuletzt auch daraus, dass es keine weitere ähnlich ausgerichtete Zeitung im Land gibt. Entsprechende Versuche z.B. in den 90.Jahren scheiterten auch wenn hinter diesen Projekten starke westliche Verlage standen. Ein Beispiel dafür ist etwa die Wirtschaftszeitung Profit, die zu Beginn der 90.Jahre vom Schweizer Ringier-Verlag gegründet wurde. Mit einem starken, auf Service-Leistungen ausgerichteten Angebot sollte Profit vor allem die neu entstehende Schicht von Klein- und mittelständischen Unternehmern ansprechen und sich unter dieser wichtigen Berufsgruppe etablieren. Das Konzept von Ringier ging jedoch nur teilweise auf, was auch wahrscheinleich der Grund dafür war, warum der Verlag Profit 1999 an den Unternehmer Karel Komárek verkaufte.

Eines der Erfolgsgeheimnisse der Wirtschaftszeitung Hospodáøské noviny liegt sicherlich auch darin, dass es die Zeitung schon vor der Wende gab und es sich somit um eine eingeführte Marke handelt. Vor 1989 war die Hospodáøské noviny sogar das inoffizielle Organ der Regierung, weil dort u.a. regelmässig alle wichtigen Verlautbarungen und Beschlüsse des Kabinetts in Form von speziellen Beilangen erschienen sind. Nichts unterstreicht wohl diese Kontinuität und Verknüpfung mit dem damaligen Regime besser als der Umstand, dass der Sprecher der letzten kommunistischen Regierung in der Tschechoslowakei, Miroslav Pavel, nach der Wende nicht nur Chefredakteur der Hospodáøské noviny wurde, sondern auch Chef des ganzen Wirtschaftsverlags Economia, in dem u.a. die Hospodáøské noviny erscheinen.

Ausser der Hospodáøské noviny sind die über Wirtschaft berichtenden tschechischen Zeitschriften vor allem Wochenzeitungen. Neben der bereits erwähnten Zeitung Profit, sind hier vor allem zwei weitere Titel zu erwähnen: Zum einen das Magazin Ekonom und zum anderen die Zeitschrift Euro. Während Ekonom im gleichen Verlag wie die Hospodáøské noviny erscheint und somit über die gleichen finanziellen Ressourcen und die gleiche Philosophie verfügt, ist das Magazin Euro etwas anders gestickt. Die Macher von Euro versuchen sich nämlich stärker mit den politischen Zusammenhängen von wichtigen Wirtschaftsentscheidungen zu befassen. Das hat aber häufig zur Folge, dass Euro vor allem bei der Regierung aneckt. Vor allem Premier Milo Zeman liess sich in diesem Zusammenhang oft zu harten Attacken gegen das Magazin verleiten.

Was erwartet eigentlich der tschechische Leser von seiner Wirtschaftszeitung? Wollen die Leser in erster Linie Informationen aus Politik und Wirtschaft oder ganz bestimmte Service-Leistungen, wie z.B. Ratgeber, Angebote von Weiterbildungsseminaredn usw.? Joachim Weidemann meint im folgenden, dass alle Wirtschaftszeitungen in Tschechien immer noch beträchtliche Reserven haben und sich also überlegen müssen, wie sie es am besten schaffen den Leser besser anzusprechen. So wird z.B. die Hospodáøské noviny gegenwärtig in diesem Zusammenhang einer grundlegenden Blattreform unterzogen: Joachim Weidemann ist, wie bereits zu Beginn angeklungen ist, stellvertretende Chef von Hospodáøské noviny. Neben Veselin Vaèkov, der seit einem Jahr die Redaktion der Tageszeitung Lidové noviny leitet, ist Weidemann somit der zweite Nicht-Tscheche in der führenden Position einer überregionalen tschechischen Tageszeitung. Sein Wirken bei Hospodáøské noviny hat aber einen wichtigen Grund: Am Verlag, in dem Hospodáøské noviny und das Magazin Ekonom erscheinen, ist die deutsche Handelsblatt-Gruppe beteiligt. Was waren eigentlich die Gründe für dieses Engagement, fragten wir abschliessend Joachim Weidemann. Verehrte Hörerinnen und Hörer, damit sind wir wieder am Ende unseres heutigen Medienspiegels angelangt. Vom Mikrophon verabschiedet sich von Ihnen Robert Schuster.