Dichter und Kollage-Künstler Jiri Kolár gestorben

Jiri Kolar, 1997, Foto:CTK

Die tschechische Kultur hat eine ihrer führenden Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts verloren: Am Sonntag ist der Dichter und bildende Künstler Jiri Kolár im Alter von 88 Jahren gestorben. Nur wenige tschechische Künstler können sich der Ausstellung ihrer Werke in den prominentesten Galerien der Welt rühmen - Kolár ist einer von ihnen. Seine Werke hängen im Peggy Guggenheim Museum in New York, im Centre Georges Pompidou in Paris und weiteren Galerien.

Jiri Kolar, 1997, Foto:CTK
Die tschechische Kultur hat eine ihrer führenden Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts verloren: Am Sonntag ist der Dichter und bildende Künstler Jiri Kolár im Alter von 88 Jahren gestorben. Nur wenige tschechische Künstler können sich der Ausstellung ihrer Werke in den prominentesten Galerien der Welt rühmen - Kolár ist einer von ihnen. Seine Werke hängen im Peggy Guggenheim Museum in New York, im Centre Georges Pompidou in Paris und weiteren Galerien.

"Es ging mir vor allem darum, zwischen bildender Kunst und Literatur eine Reibungsfläche zu finden," schrieb Jiri Kolár einmal. Weltweit ist er vor allem als Autor der modernen Collage bekannt.

Er wurde 1914 im südböhmischen Protivín geboren. Er erlernte das Tischlerhandwerk und wechselte mehrmals seinen Beruf, bis er 1943 zum freischaffenden Künstler wurde. Er begann seine künstlerische Laufbahn auf dem Gebiet der Poesie. Kolárs dichterische Sprache wurde durch die Ablehnung von poetischen Klischees und Konventionen gekennzeichnet, er nutze umgangssprachliche Ausdrücke, Paraphrasen und Hyperbel. Seine Schriften, die die konkrete existentielle Erfahrung des Menschen wiedergaben, galten als subversiv und Kolár musste deshalb 1953 für einige Monate ins Gefängnis und wurde daraufhin vom Publikationsverbot getroffen. Trotzdem setzte er in den 60er Jahren sein literarisches Schaffen fort, widmete sich der visuellen Poesie, wandte sich aber auch immer mehr der bildenden Kunst zu.

Er konzentrierte sich auf die Methode der Kollage und schuf neue Varianten. Die bekanntesten davon sind die "Rollagen", d.h. in schmale Streifen zerschnittene Reproduktionen, z.B. klassischer Bilder und zeitgenössischer Fotografien, die dadurch verzerrt wiedergegeben werden. Eine andere Technik weisen die "Chiasmagen" auf - großflächige Collagen kleinster bedruckter Papierschnipsel.

Die Normalisierung hinderte den inzwischen bereits berühmten Künstler erneut daran, sein Schaffen öffentlich zu präsentieren. Nach der Unterzeichnung der "Charta 77" fasste er 1980 in Paris Fuß. 1992 erhielt er die tschechoslowakische Staatsbürgerschaft zurück und wurde rehabilitiert. Er lebte zurückgezogen in Paris und seit einigen Jahren in Prag. Im Jahre 1999 wurde Kolárs Lebenswerk im Rahmen einer großen retrospektiven Ausstellung in der Prager Nationalgalerie vorgestellt.