Die Hochwassersituation in Prag beginnt sich allmählich zu entspannen

Prag (Foto: CTK)

Am Mittwochnachmittag - kurz nach 14 Uhr - kam in Prag endlich die herbeigesehnte Meldung: die Moldau steigt nicht mehr, sondern beginnt ganz geringfügig zu sinken. Der im völlig überfluteten Stadtteil Chuchle gemessene Pegelhöchststand war gerade von 7,84 Meter um einen Zentimeter gesunken. Normal sind hier 50 Zentimeter bis max. ein Meter. Von Entwarnung war jedoch noch nicht die Rede, da die Einsatzkräfte der Feuerwehr noch alle Hände voll zu tun hatten mit dem Auspumpen der Wassermassen aus historisch wertvollen Gebäuden. Lothar Martin fasst zusammen, wie die Hochwassersituation in Prag bis zu diesem Zeitpunkt ausgesehen hat.

Prag (Foto: CTK)
In den Vormittags- und Mittagsstunden des Mittwochs hatte sich die Hochwasserlage in Prag noch einmal dramatisch zugespitzt. Gegen 11.30 Uhr wurde gemeldet, dass die Fluten auch die Kellerräume des berühmten Nationaltheaters erreicht haben, wo Einsatzkräfte damit beschäftigt waren, die wertvollen Kulissen in Sicherheit zu bringen. Des weiteren war das Moldauwasser in sieben U-Bahn-Stationen in die Schächte der Prager Metro vorgedrungen, was Expertenmeinungen zufolge Schäden in mehrfacher Millionenhöhe nach sich ziehen dürfte. Es sei nicht auszuschließen, dass die Metro den Innenstadtbereich noch Wochen nach der Katastrophe nicht bedienen kann, hieß es.

Prag, Kampa (Foto: CTK)
Das Wasser hatte sich bereits auf den ersten Straßen der Prager Altstadt ausgebreitet, doch die nahe der berühmten Karlsbrücke aufgestellten Metallbarrieren hielten stand. Pavel Uher von der Wasserwirtschaft Povodi Vltava schätzte jedoch ein, dass auch eine geringfügige Überflutung den Barrieren nichts anhaben kann: "Das Überlaufen des Wassers in den Innenstadtbereich wird nicht dramatisch sein, und daher wird es den Einsatzkräften möglich sein, Evakuierungen und Rettungseinsätze durchführen zu können."

Doch dies war zum Glück für die Altstadt nicht mehr erforderlich. Aufatmen allerseits, doch nicht alle Prager kamen mit dem Schrecken davon: "Ich habe Glück, weil ich im Stadtteil Strasnice wohne. Schlimmer ist es für Leute, die direkt an der Moldau wohnen. An die denke ich natürlich. Beispielsweise an meinen Schwager, der auf der Kampa-Insel auf der Prager Kleinseite ein Geschäft hat. Da steht das Wasser schon zwei Meter hoch. Ich verfolge die Situation im Fernsehen. Ich habe auch versucht, auf irgendeine Weise zu helfen, als die Barrieren auf der Kampa-Insel aufgestellt wurden. Aber das hat nichts genützt, denn das Wasser hat sie überwunden. Die ursprünglichen Prognosen waren offensichtlich falsch."

Prag, Kampa (Foto: CTK)
Eine Pragerin wollte das Unheil gar nicht sehen: "Ich will nur raus aus Prag. Es ist schlimm hier, richtig schlimm."

Eine andere Pragerin nahm die Situation weit gefasster: "Natürlich nehme ich wahr, was geschieht und die Leute, die ihr Haus, ihr Hab und Gut verloren haben, tun mir natürlich leid. Die Bilder, die ich im Fernsehen gesehen habe, haben mich erschreckt. Deshalb bin ich froh, dass es jetzt Tag ist und die Sonne scheint und dass es den Anschein hat, dass das Wasser langsam zurückgehen wird. Dann wird aufgeräumt und das Leben geht weiter."

In Kürze stehen also die Aufräumarbeiten an. Das tschechische Kabinett unter Ministerpräsident Vladimír Spidla hat am Mittwoch beschlossen, hierbei die humanitäre Hilfe aus dem Ausland anzunehmen, die Tschechien im Zusammenhang mit den Überschwemmungen angeboten wurde. Vizepremier Svoboda zufolge werden in Tschechien vor allem Impfstoffe, Medikamente und Trockenvorrichtungen benötigt.