Die „Totenblume“ – Kriegerdenkmal von Fritz Tampe in Děčín restauriert

Foto: public domain

Der Bildhauer und Künstler Fritz Tampe hat in Děčín / Tetschen gelebt. Er war bekannt für seine Denkmäler, die an den Ersten Weltkrieg erinnert haben. Nach dem Zweiten Weltkrieg sind die meisten seiner Werke zerstört worden. Nun wurde ein Kriegerdenkmal in Podmokly / Bodenbach restauriert und eingeweiht.

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Da steht es nun: das frisch restaurierte Denkmal im Zentrum des Ortsteils Podmokly / Bodenbach. Bereits 1934 wurde das Werk von Fritz Tampe fertiggestellt und sollte doch die meisten Jahre unvollständig sein. Die „Totenblume“ zeigt fünf gefallene Soldaten, von denen jeweils lediglich der Kopf und eine Hand zu sehen sind. Der restliche Körper ist von Erde bedeckt. Angeordnet sind sie in der Form von fünf Lilienblättern. In der Mitte steht auf einem Kelch eine lebensgroße Frau und betrauert die Toten. Fünf Textschriften erinnern an die gefallenen Soldaten des Ersten Weltkrieges. Der Archivar Petr Joza hat sich zusammen mit seinem Kollegen Otto Chmelík lange Zeit für die Restaurierung eingesetzt. Doch was war Tampe eigentlich für ein Bildhauer?

„Eigentlich war er als regionaler Künstler hier in Děčín-Podmokly tätig. Außerhalb von Nordböhmen war er unbekannt. Er war akademischer Bildhauer und ist im Ersten Weltkrieg gewesen. Nachdem Tampe in italienischer Gefangenschaft gewesen war, schuf er viele Kriegerdenkmäler. Diese spiegeln seine Erfahrungen aus der Gefangenschaft wieder. Seine Denkmäler sind keine Verherrlichung der Helden, sondern verarbeiten Schmerz und Trauer.“

Den Brunnen in Podmokly könnte man wohl als Höhepunkt seines Schaffens bezeichnen. Die meisten Denkmäler von Tampe wurden im Herbst 1945 oder im Spätsommer 1948 zerstört. Fritz Tampe selbst wurde, wie viele andere Deutsche, aus seiner Heimat vertrieben. Das Denkmal in Podmokly ist jedoch lediglich stark beschädigt worden, da es die Stadt auch entscheidend verschönert hat.

Das heutige Děčín / Tetschen (Foto: Ondrej.konicek, public domain)
„Diese beiden Zerstörungswellen hat das Denkmal überstanden, weil es eben ein Brunnen gewesen ist. Erst 1964 ordneten die Genossen der Stadtverwaltung an, die letzten deutschen Aufschriften in der Stadt zu zerstören. Auch dieses Denkmal ist betroffen gewesen. Dabei wurden nicht nur die Namen der Gefallenen rausgehauen, unter denen übrigens auch viele Tschechen waren. Es wurden auch die Köpfe der fünf Soldaten abgehackt.“

Bereits seit 2009 haben sich die beiden Archivare Joza und Chmelík darum bemüht, eine Restaurierung des Brunnens in Podmokly zu ermöglichen und die Finanzierung dafür zu sichern. Etwa 80 Prozent der Kosten sind vom tschechischen Verteidigungsministerium übernommen worden. Joza hat sogar Fotos von den Personen aufgetrieben, die damals Kampe für die Köpfe Modell gestanden haben. Mithilfe dieser Fotografien konnte man die Soldatenkörper rekonstruieren. Ebenso mussten die Namen der Gefallenen recherchiert werden.

„Es gibt eine Akte des damaligen Denkmalausschusses, in der mühsam die gesammelten Namen zum Teil aufgeführt werden. Ursprünglich standen 351 Namen auf dem Denkmal. Wir haben aber herausgefunden, dass nach der Kriegerdenkmalenthüllung im Jahr 1934 noch weitere 13 Gefallene festgestellt wurden, die damals nicht bekannt waren. Und die haben wir mit einbezogen.“

Insgesamt 364 Soldaten aus dem Ort Podmokly sind Opfer des Ersten Weltkrieges geworden. Alle ihre Namen sind nun auf dem Denkmal nachzulesen. Somit ist das Werk von Fritz Tampe jetzt vollständiger, als zu seiner Fertigstellung 1934. Auf den Tafeln steht darüber hinaus auf Deutsch zu lesen: „Gewidmet unseren Toten des Weltkrieges 1914 - 1918 – Die Heimat vergißt Euch nicht.“