Die tschechische Armee meldet mehr Frauen in ihren Reihen – auf Spitzenposten fehlen sie noch immer
Rund 15 Prozent der Angestellten in der tschechischen Armee sind derzeit Frauen. Auf der Befehlsebene sucht man sie jedoch vergebens.
Kateřina Nováková ist seit drei Jahren in der aktiven Reserve der tschechischen Armee. Wie ist es, als Frau den Streitkräften anzugehören? Dazu sagte sie in den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks:
„Das größte Problem, wenn wir Frauen zur Armee gehen, sind die Vorurteile. Wir müssen uns gleich in den ersten Tagen durchkämpfen und beweisen, dass wir alles schaffen.“
Nováková versucht, auch weitere Frauen für den Dienst an der Waffe zu gewinnen. Sie ist in den sozialen Netzwerken unterwegs und veröffentlicht dort Videos mit Tipps, die für angehende Soldatinnen relevant sind – etwa was bei unpassender Ausrüstung unternommen werden kann oder auch zum Thema Menstruation.
Karel Řehka ist der tschechische Generalstabschef. Ihm zufolge sind Frauen heutzutage auf nahezu allen Positionen in der Armee vertreten:
„Es gibt bei uns auch Kampfpilotinnen und Frauen in Kampfeinheiten – nicht nur auf Hilfspositionen. Die tschechische Armee hat keinen Posten, der nur Männern vorbehalten ist. Das ist meiner Meinung nach auch richtig, und ich werde mich immer dafür einsetzen. Denn wenn ein Soldat alle Anforderungen erfüllt, soll er seine Aufgabe erledigen dürfen. Dabei ist es ganz egal, ob er ein Mann ist oder eine Frau, was seine sexuelle Orientierung ist, seine Hautfarbe und so weiter.“
Auf der Kommandoebene sucht man allerdings vergeblich nach Frauen. So gibt es derzeit keine einzige Generalin in Tschechien. Und von den 343 Personen mit dem Dienstgrad Oberst waren Anfang 2025 nur 21 weiblich. Karel Řehka ist sich des Problems bewusst:
„In den Karriererichtlinien sind klare Regeln formuliert. Sie gelten für alle, wir unterscheiden nicht zwischen Männern und Frauen, und ich glaube, das ist eine Stärke der Armee. Ein Problem ist allerdings, dass die Frauen im Vergleich zu den Männern nicht in die Spitzenpositionen hineinwachsen – das heißt in die Manager- und Kommandoebene, wo wir bisher noch nie eine Frau hatten.“
Auch Eva Pavlová wünscht sich mehr Frauen in der Führungsebene bei der Armee. Sie ist die Gattin von Tschechiens Staatspräsident Petr Pavel und zudem Oberstleutnant der Reserve.
„Vor allem ist da die Politik gefragt und der Willen vieler Vorgesetzter. Es geht aber auch darum, ein Privatleben zu ermöglichen, damit Frauen in diesem Bereich Karriere machen können. Leider müssen sie bisher immer noch unfassbar viel Kraft dafür aufwenden. Denn wenn wir die beiden Geschlechter vergleichen, gelangt ein Mann viel leichter auf der Karriereleiter nach oben. Die Frauen hingegen müssen sich immer beweisen. Und ich finde es schade, dass dies heute immer noch so ist wie früher.“
Die tschechische Armee verfolgt derzeit keine gezielte Strategie, mit der man mehr Frauen gewinnen will. Allerdings gibt es schrittweise kleinere Änderungen. So hatten die Streitkräfte zuletzt etwa eine Anordnung aufgehoben, die vorschrieb, dass lange Haare als Dutt getragen werden müssen.








