Die Weltmeisterschaft im Kleinformat

Fußball ist in diesen Tagen in aller Munde. Auch diejenigen, die normalerweise für den runden Ball, für Flanken und Elfmeterschießen nicht viel übrig haben, drücken einer Lieblingsmannschaft die Daumen. Es gibt aber auch welche, die den Weltmeistertitel mit zwei Mannschaften verbinden - die Schüler der Deutsch-tschechischen Fußballschule. Bara Prochazkova stellt die besondere Schule vor.

So hört es sich an, wenn Deutsche und Tschechen gemeinsam Fußball trainieren. Und es ist keine Ausnahme, denn seit drei Jahren treffen sich tschechische und deutsche Jungen und ein Mädchen regelmäßig in der Grenzregion zwischen Böhmen, Bayern und Sachsen zum Kicken. Sie verstehen sich gut, denn:

"Es verbindet alle Kinder das gemeinsame Interesse am Fußball durch ihre Lust am Fußball", sagt der Initiator der Deutsch-tschechischen Fußballschule, Gerald Prell. Und die Kinder zwischen sechs und 13 Jahren können sich wie Fußballstars fühlen:

"Uns verbindet eine Partnerschaft mit dem deutschen Rekordmeister FC Bayern München. Auch in Tschechien arbeiten wir ganz eng mit AC Sparta Praha zusammen."

Aller Anfang ist aber schwer, beschreibt Gerald Prell die Entstehung der Fußballschule vor drei Jahren:

"Am Anfang in den ersten Jahren war es schwer, genügend Kinder zusammen zu kriegen. Gerade auf der deutschen Seite war das Interesse am Anfang sehr schleppend, man musste einige Vorurteile überwinden."

Die Kinder haben auch große Kenntnisse über die Fußballlandschaft im jeweiligen Nachbarland, bestätigt der Projektkoordinator auf der tschechischen Seite, Pavel Marsik:

"Die deutschen Kinder haben auch Interesse an dem tschechischen Fußball. Sie schauen vor allem auf die tschechischen Spieler, die in Deutschland tätig sind. Zum Beispiel auf Jan Koller oder Tomas Rosicky, die zu Stars in der Bundesliga geworden sind."

Die Deutsch-tschechische Fußballschule soll den Kindern durch professionelles Fußballtraining die Sprache auf der anderen Seite der Grenze näher bringen. Es sollen auch gegenseitige Kontakte entstehen, erinnert Gerald Prell den Entstehungsgedanken:

"Die Idee wurde seinerzeit in einer Berliner Studentenkneipe am Tresen geboren, als sich ein paar engagierte Studenten überlegt haben, was sie tun können, um das neue Europa auch in den Herzen der breiten Öffentlichkeit in der Grenzregion stärker zu verankern. Wir kamen auf das Medium Fußball, um Europa auf diese Weise zu transportieren."

Und das gelingt in Hof, Rehau und in Skalna sowie Franzensbad. Am Anfang standen 12 deutsche und 18 tschechische Jugendliche auf dem Spielfeld, heute kommen über einhundert begeisterte Kicker regelmäßig zum Training. Das Ziel des Projektes ist erreicht, befindet Pavel Marsik:

"Die Kontakte und die Freundschaften werden immer enger und das ist eines der Ziele des Projektes."

Und was sagen die Jugendlichen dazu? "Ich bin ein Jahr bei dem Projekt dabei und es macht mir Spaß, vor allem weil es hier gute Spieler gibt", sagt der Schüler Michal Mojcher. "Hier gibt es bessere Trainings als im Klub, vor allem im Bereich der Kondition", fügt sein Mitschüler Martin Trejbal hinzu, der seit zwei Jahren dabei ist. Sein Vater bringt ihn regelmäßig nach Hof, nach Rehau oder nach Skalna, damit er mit den anderen Jugendlichen trainieren und Deutsch lernen kann:

"In der Fußballschule hat er sowohl seine Fußballfertigkeiten als auch seine Fremdsprachenkenntnisse verbessert", freut sich der stolze Vater von Martin. Und er ist nicht alleine, denn der Vater von Florian Rupprecht bestätig:

"Er kann auf jeden Fall die Grundwörter, hat auch schon ein paar Tests mitgeschrieben. So macht er dort seine Fortschritte."

Ein wichtiger Bestandteil der Deutsch-tschechischen Fußballschule ist neben dem Sporttraining auch Sprachunterricht. Eine Stunde auf dem Spielplatz geht es sportlich zu, danach eine Stunde hinter der Schulbank - eine Anstrengung eher für das Köpfchen:

Den Jugendlichen wird der Basiswortschatz zum Verständigen im anderen Land vermittelt. Selbstverständlich sollen auch Fußballbegriffe gelernt werden, damit sich die Jugendlichen auf dem Spielfeld verständigen können. Und ganz wichtig: Man muss die Tore zählen können, mindestens bis zehn.

Die Jugendlichen sitzen zwar in diesen Tagen vor dem Fernseher und drücken ihrer jeweiligen Lieblingsmannschaft die Daumen, die erwachsenen Fans können aber fast neidisch auf die Jugendlichen werden, denn sie feiern den Weltmeistertitel jedes Jahr. Im Frühjahr findet seit zwei Jahren eine Mini-Fußball-Weltmeisterschaft statt, an der 16 Teams aus ganz Europa teilnehmen und um den Mini-Champions-League-Titel kämpfen. Vor ein paar Wochen waren über 300 Kinder aus zwölf Ländern Europas zu Gast im deutsch-tschechischen Grenzgebiet. Der Traum für alle Nationalteams sowohl bei der Mini-WM als auch bei der Weltmeisterschaft in Deutschland ist der Meistertitel, auch Gerald Prell hat für die Fußballschule einen Traum vor den Augen:

"Unser langfristiges Ziel wird es sein, aus der Deutsch-tschechischen Fußballschule eine feste Einrichtung zu machen, die in ein deutsch-tschechisches Fußballinternat mündet. Dort sollen die Kinder die Möglichkeit haben, sich nicht nur sporadisch ein- oder zweimal pro Woche zu sehen, sondern für mehrere Monate dort zu wohnen, zu trainieren und zu lernen."

Geplant ist die Gründung des deutsch-tschechischen Fußballinternats für 2008, also pünktlich zur nächsten Fußball-Europameisterschaft.