Ehemalige politische Gefangenen begingen 56. Jahrestag der Befreiung Buchenwalds

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Zum Anhören des folgenden Beitrags im Format Real Audio klicken Sie bitte hier: Am 11. April 1945 erreichten Einheiten der 3. US-Armee den Ettersberg bei Weimar. Die SS floh aus dem Konzentrationslager Buchenwald und die Häftlinge öffneten den US-Soldaten die Tore. Der grausame Spuk war für sie endlich vorbei. Die ehemaligen politischen Gefangenen aus Tschechien gedenken dieser Befreiung noch heute, 56 Jahre danach. Sylvie Reichel berichtet von ihrer Zusammenkunft.

Langsam erhoben sich die meist über 80igjährigen von ihren Stühlen, einige schon recht mühsam. Und still neigten sie ihre weißen und grauen Häupter zum Gedenken an jene, die diese Tage nicht mehr erleben. Auf Einladung ihres Verbandes waren am Mittwoch über zweihundert ehemalige politische Häftlinge der nationalsozialistischen Konzentrationslager, Haft- und Strafanstalten im Prager Kino Na Valech zusammengekommen. Insgesamt sind sie noch über 7000 in Tschechien. Aber von Tag zu Tag wird ihre Anzahl kleiner. Und so ist es nicht verwunderlich, dass diese alten Menschen sehr auf die baldige Auszahlung ihrer Entschädigung durch die deutsche Regierung und Industrie hoffen. Sie haben bereits fast alle ihre Anträge gestellt und in einer Liste unterschrieben, dass sie danach keine weiteren Forderungen an die Deutschen stellen, erzählt ein Vertreter ihres Verbandes, Miroslav Tamchyna.

"Von unserer Seite ist schon alles vorbereitet. Und wir hoffen nach den letzten Nachrichten, dass so ungefähr zum September diesen Jahres alles ausgezahlt wird."

Welche Hindernisse bis zur Auszahlung noch überwunden werden müssen, berichtete den ehemaligen politischen Häftlingen Jiri Sitler, der tschechische Regierungsbevollmächtigte für Entschädigungsfragen. Viel Neues hatte er aber nicht zu bieten. Alles hänge derzeit an dem Terminus Rechtssicherheit und dem damit verbundenen Streit zwischen den amerikanischen Gerichten und der deutschen Stiftung zur Entschädigung der Zwangsarbeiter. Doch wenn dieser beigelegt ist, dann kann zum Beispiel der ehemalige Häftling Miroslav Tamchyna mit 15000 Mark rechnen. Damit wolle er sich dann wenigstens ein schönes Lebensende bereiten, erzählt er. Seine Jugend habe er schließlich in einem Konzentrationslager bei Hamburg verschenken müssen. Und danach ist er von dem sozialistischen Regime in seinen Wünschen und Plänen stark beschränkt worden:

"Unter Kommunisten war das nicht einfach. Ich selbst konnte nicht studieren, weil mein Vater in der ersten Regierung ein hoher Beamter war. Verbot des Arbeitens in Prag. Ich musste auf dem Lande arbeiten. Das war nicht einfach damals."

Aber auf dem Treffen wurde sich nicht nur der Vergangenheit gewidmet. Die ehemaligen politischen Häftlinge sehen sich auch heute noch in der Pflicht für Demokratie und Menschenrechte einzutreten. Empört reagierten sie auf das rassistische Konzert am Wochenende in Senohraby. In einem Brief an den Innenminister verurteilten sie vor allem das lasche Verhalten der Polizei. Unterstützt wurden sie darin von der Vorsitzenden der Rechtsabteilung des Tschechisch-Deutschen Zukunftsfonds, Dagmar Buresova:

"Unsere tschechische Republik wird ein Lieblingsort für solche Veranstaltungen. Wir müssen uns nicht lange den Kopf zerbrechen, warum das so ist. Unserer Meinung nach ist es deshalb so, weil unsere Polizei leider, das muss ich klar sagen, sehr nachlässig ist und wenig, wenig intensiv und resolut gegen solche Aktionen protestiert."

Autor: Sylvie Reichel
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