„Eigentum ohne Erben“ – Konferenz zur Rückgabe jüdischen Besitzes in Prag

Foto: Dale Eurenius, Stock.xchng

Anlässlich der tschechischen Ratspräsidentschaft im Jahr 2009 fand in Prag eine Konferenz statt zur Rückgabe von jüdischem Eigentum, das während des Zweiten Weltkrieges beschlagnahmt wurde. Damals unterschrieben die teilnehmenden Staaten auch die so genannte Theresienstädter Deklaration, die unter anderem die Restitution des Privateigentums der Holocaustopfer verlangt und zu einer sozialen Unterstützung der Holocaust-Überlebenden aufruft. Am Montag beginnt eine Nachfolgekonferenz. Veranstalter ist Jaroslav Šonka vom Europäischen Institut für das jüdische Vermächtnis in Prag.

Jaroslav Šonka (Foto: Šárka Ševčíková, Archiv des Tschechischen Rundfunks)
Herr Šonka, sie haben die anstehende Konferenz im Namen des Europäischen Instituts für das jüdische Vermächtnis organisiert. Was genau macht das Institut?

„Das Institut ist nach der letzten Konferenz 2009 entstanden. Es basiert auf der Theresienstädter Deklaration, die heute 47 Staaten unterschrieben haben. Sie verpflichten sich darin, nach bestimmten Prinzipien zu handeln: es geht um Restitutionen und das Institut beginnt nun, sich mit den Überlebenden zu beschäftigen.“

Was genau wird auf der Konferenz diskutiert?

Auschwitz
„Es gibt verschiedene Schätzungen, nach denen zwischen 20 und 40 Prozent des gestohlenen Eigentums nicht nur der Juden, sondern auch der Sinti und Roma und anderen Opfern des Nationalsozialismus, nicht zurückgegeben wurde. Es kommt nun die einfache Frage auf, wo das den alles geblieben ist? Es gibt da unheimlich viele kleine Geschichten, wo einfach unsympathische Eigentumsverhältnisse entstanden sind, die weiter andauern und gegen die etwas unternommen werden muss. Diese Tätigkeit ist übrigens auch eine Quelle für Mittel, die nötig sind, um sich mit den Überlebenden zu beschäftigen. Normale Altersheime zum Beispiel sind für KZ-Opfer einfach nicht geeignet. Während wir heute bestimmte Krankheiten haben, leiden die Holocaustopfer an traumatischen Störungen und brauchen eine ganz besondere Pflege.“

Holocaust-Zentrum in Skopje (Foto: Sándor Princész, Panoramio)
Sie sagen, es sind ganz viele kleine Einzelforderungen und unsympathische Eigentumsverhältnisse. Wie will man das in der Praxis lösen?

„Die Mechanismen sind sehr verschieden. Es gibt aber auch bestimmte Fälle, in denen kein Staubkorn der Familien dieser Menschen übrig geblieben ist, es ist also Eigentum ohne Erben. Da ist dann die einzige Lösung, daraus einen Fond zu machen und durch diesen Fond etwas zu realisieren. Am geschicktesten hat das Mazedonien gemacht. Dort wurde das gesamte Eigentum katalogisiert und zusammengelegt und dann eine mazedonische Stiftung gegründet. Sie wird sich um die wenigen überlebenden Alten kümmern, dazu gibt es seit zwei Jahren in Skopje ein Holocaust-Zentrum.“

Foto: Dale Eurenius, Stock.xchng
Gibt es in diesem Zusammenhang noch Forderungen an Deutschland oder an deutsche Individuen?

„Deutschland hat eigentlich das meiste schon geleistet, es besteht kein Anspruch auf riesige Entschädigungspakete mehr. Aber bei gestohlener Kunst gibt es noch unheimlich viel, was getan werden muss, was gesucht und gefunden werden muss. Es gibt viele Ebenen, auf denen sich Juden in Deutschland bemühen, zum Beispiel ein Bild zu suchen, das der Familie vor dem Holocaust gehört hat. Es ist auch gar nicht so leicht, sich durchzusetzen: In Deutschland besteht das Gefühl, wegen der enormen Zahlungen, die bisher geleistet wurden, sei dies alles ein abgeschlossenes Kapitel.“