Ein Corona-Polster für die Kultur

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Wie bringt man die Kultur heil durch die Corona-Krise? Tschechiens Kulturminister Lubomír Zaorálek hat dafür einen Sieben-Punkte-Plan aufgelegt. Nun hofft er auf die Unterstützung im Kabinett. Für die laufende Saison sieht er jedoch schwarz.

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Lubomír Zaorálek  (Foto: Archiv des Regierungsamtes der Tschechischen Republik)
„Ich würde mir wünschen, im Herbst wieder ins Theater gehen zu können. Denn auch wenn alles gut läuft, werden die Bühnen hierzulande bis zur Sommerpause nicht mehr öffnen.“

Dies ist der Ausblick, den Tschechiens Kulturminister Lubomír Zaorálek für die Kulturlandschaft gibt. Gerade Theater, Museen, Galerien und alle anderen Einrichtungen in dem Bereich sieht der Sozialdemokrat besonders von der Coronavirus-Pandemie bedroht:

„Ich schätze die Verluste in der Branche auf zwei Milliarden Kronen (73 Millionen Euro Anm. d. Red.). Dabei sind die Kinos noch nicht mit einberechnet. Diese Summe geht der Wirtschaft schlicht verloren, wenn man sich das so einfach vorstellen darf. Bei den staatlichen Kultureinrichtungen gibt es einen konkreten Wert, die machen in der Krise einen Verlust von 40 Millionen Kronen (1,5 Millionen Euro Anm. d. Red.) in der Woche. Insgesamt lässt sich sagen, dass dieses Segment in unserer Wirtschaft eine bedeutende Rolle spielt.“

Foto: Ulli Paege,  Pixabay / CC0
Dabei sieht Zaorálek die großen staatlichen Institutionen vergleichsweise gut abgesichert. Für sie stellt die Regierung in den derzeitigen Krisenzeiten Hilfen in Höhe von 300 Millionen Kronen (11 Millionen Euro) ab. In einem Sieben-Punkte-Plan will der sozialdemokratische Ressortchef nun für die Kultur insgesamt ein Polster in Höhe von 1,5 Milliarden Kronen (54 Millionen Euro) schaffen:

„Wir wollen Einrichtungen fördern, also Theatergruppen oder ähnliches, hinter denen keine Stiftung steht. Wir kennen sie aber zum Großteil, da sie bei uns im Ressort schon früher Unterstützungen beantragt haben. Wir wissen, was sie machen und dass sie ein gewisses Niveau haben, auch wenn wir ihnen bisher nicht unter die Arme gegriffen haben. Sie sollten nun doch von uns Geld bekommen, da sie wegen dieser Krise nicht verschwinden und die derzeitige Lage überleben sollen. Dazu könnten wir beispielsweise einen eigenen Fonds einrichten.“

Internet-Streaming  (Illustrationsfoto: Bündnis 90/Die Grünen Nordrhein-Westfalen,  Flickr,  CC BY-SA 2.0
Ein weiterer Schwerpunkt ist die Digitalisierung der Kultur. Diese hat durch die Corona-Krise massiv Aufwind bekommen, und genau daran will Zaorálek in Zukunft anknüpfen:

„Wir wollen beim Internet-Streaming von Ausstellungen oder Vorstellungen helfen, damit sie digital in den sozialen Netzwerken ausgestrahlt werden können. Das geschieht jetzt schon, und beispielsweise die staatlichen Institutionen strengen sich da sehr an. Wir wollen das Ganze aber noch hochwertiger machen.“

Der Minister will seinen Plan kommende Woche ausführlicher vorstellen, wenn er ihn seinen Kabinettskollegen präsentiert hat. Insgesamt macht sich Zaorálek keine Sorgen, dass er mit seinem Vorstoß abblitzen könnte:

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„Ich habe es bisher immer geschafft, mich mit meinen Ministerkollegen zu einigen. Im Kabinett habe ich noch nie zu hören bekommen, dass die Kultur ein Segment sei, das man nicht brauche. Kultur und Kreativität sind ein fester Bestandteil unserer Zivilisation. Und wir müssen das verteidigen, koste es, was es wolle.“

In seinen Augen dürfte die Finanzierung gesichert sein, da man genug Reserven habe und sich durch die vorher gute Wirtschaftslage ruhig verschulden könne, so der Minister. Außerdem dürfte auch die EU einspringen. Zaorálek betont aber, dass dieses Polster nur vorübergehend wirksam sei und die betroffenen Institutionen lediglich durch ein oder zwei Krisenmonate bringen könne.