Eine Liebesgeschichte zwischen Panzern und Soldaten

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Jachym Topol gehört zu den wichtigsten Autoren der jungen tschechischen Literatur. Über sein neues Buch, das am Montag erschien, sprach er mit Bernd Janning:

1994 gelang Jachym Topol der literarische Durchbruch mit seinem Roman "Die Schwester". Seitdem ist der auch international bekannte Autor aus der tschechischen Literaturszene nicht mehr wegzudenken. Seinem 2001 erschienenen Buch "Nachtarbeit" folgte nun der Roman "Kloktat dehet" (zu deutsch Teer gurgeln). Jachym Topol über sein neues Werk:

"Im Grunde genommen ist es eine Liebesgeschichte, die im Jahr 1968 spielt. Für Tschechien ein Jahr von enormer Bedeutung. Es war das Jahr, als die Warschauer-Pakt-Truppen das Land besetzten. Ich bin davon überzeugt, dass dies alles nicht so weit entfernt ist, wie manche denken. Dieses Land und seine Menschen sind noch immer von den Ereignissen gezeichnet. Die Handlung besteht aus einer Mischung von Fiktion und realer Geschichte. So kommt es im Verlauf des Romans zu einem fiktiven Dritten Weltkrieg."

Das tschechische Trauma des Jahres 1968 beschreibt Topol in "Kloktat dehet" grotesk, bisweilen brutal. Düstere Realität verbindet sich mit grausamer Fiktion: Verblendete Krieger zetteln auf tschechischem Boden einen Dritten Weltkrieg an. Jachym Topol interessieren die erniedrigten Menschen, die in seinem Buch zu Spielzeugen irrsinniger Mächte werden. Auch wenn er sich bereits im Roman "Nachtarbeit" dem Jahr 1968 widmete, hat dieses Buch noch einen anderen Hintergrund:

"Es ist ein Buch, das mein Innerstes betrifft. So trug ich diese Geschichte schon lange in mir. Die ersten Kapitel habe ich bereits vor vier Jahren geschrieben. Für mich ist das etwas sehr Ungewöhnliches. Denn meistens sammelt sich die Geschichte eines Buches in mir, daraufhin setzte ich mich drei Monate hin, um sie niederzuschreiben. Das war dieses Mal einfach anders."

Am vergangenen Montag kam "Kloktat dehet" in die tschechischen Buchhandlungen. Alle deutsprachigen Fans von Jachym Topol müssen sich jedoch noch etwas gedulden: Voraussichtlich zum Jahresende wird die deutsche Fassung des Romans im Suhrkamp-Verlag erscheinen.