Einfach und modern: Tschechien bekommt ein neues Staatslogo

Ein neuer Look für Tschechien: Alle staatlichen Einrichtungen sollen ab kommendem Jahr ein einheitliches Logo verwenden. Der böhmische Löwe wird darauf vereinfacht und moderner dargestellt. Wie streng die Vorgaben dabei waren und welche Wirkung die neue Grafik haben soll, darüber sprach Designer Aleš Najbrt in einem Interview in den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks.

Foto: Studio Najbrt

Der böhmische Löwe geht mit der Zeit. Das tschechische Staatssymbol mit dem zweigeteilten Schwanz, der herausgestreckten Zunge und der Krone auf dem Kopf wird demnächst moderner und einfacher aussehen. Ab kommendem Jahr soll die Staatsverwaltung – also sämtliche Ministerien und Behörden – ein neues und einheitliches Logo nutzen. Es zeigt einen stilisierten, also nicht mehr ganz so struppigen Löwen vor rotem Hintergrund.

Den Entwurf lieferte das Studio von Designer Aleš Najbrt. Man habe keine Revolution veranstaltet, betont der Teamleiter. Der Löwe steht also immer noch aufrecht und schaut, wie es seit den Zeiten von Přemysl Otakar II. üblich ist, nach links. Najbrt erläutert:

Aleš Najbrt | Foto: Bohemian Identity

„Es gab relativ strenge Vorgaben, wir hatten nicht viel Spielraum. Es musste ein weißer Löwe auf rotem Hintergrund sein. Also haben wir das Schild als einfaches Rechteck gestaltet. Wir mussten bestimmte heraldische Regeln einhalten und haben uns an das bisherige kleine Wappen gehalten, das von Jiří Louda stammte. Wir wollten vor allem die Kampfeshaltung des Löwen beibehalten, das sind die sichtbaren Krallen und die Zunge. Zudem haben wir die Krone auf seinem Kopf vergrößert.“

Raum für Kreativität habe es eher in Detailfragen gegeben, ergänzt der Designer. Dies betreffe vor allem die Schriftzüge der einzelnen Institutionen wie dem Regierungsamt oder den Ministerien. Und für manche Zwecke werde das rote Rechteck noch mit einem blauen Streifen ergänzt.

Foto: Studio Najbrt

Die Einrichtungen der tschechischen Staatsverwaltung nutzen bisher kein einheitliches Corporate Design. Außenminister Jan Lipavský (Wahlbündnis Spolu) hatte im Juli darauf hingewiesen, dass jede Behörde ihr eigenes Logo mit ganz unterschiedlicher Farbgestaltung und anderem Stil habe. Damit begründete er die Entscheidung des Kabinetts, eine einheitliche Grafik entwerfen zu lassen. Eine solche Auftragsarbeit sei sehr spezifisch, berichtet Aleš Najbrt:

Foto: Studio Najbrt

„Für den Staat zu arbeiten, ist natürlich eine Herausforderung. Wir sind uns bewusst, dass es seine Wichtigkeit hat. Für manche scheint es zwar nur ein kleiner Aspekt der Repräsentation des Staates zu sein. Aber das Logo geht über die einzelnen Regierungen hinaus und muss seine Dienste für eine lange Zeit leisten.“

Nach dem Wunsch der Regierung soll die neue Grafik einen einfacheren Überblick über die Struktur der Staatsverwaltung ermöglichen und damit auch eine bessere Kommunikation mit den Menschen. Najbrt beschreibt die erhoffte Wirkung:

Foto: Tschechisches Außenministerium

„Das Logo wird auf seine Weise die Tschechische Republik repräsentieren und sollte deswegen eine breite Reichweite haben. Wenn man immer wieder und überall das gleiche Zeichen sieht, dann gräbt sich das in das Gedächtnis ein, und das auch bei Menschen aus dem Ausland. Im Inland kann es zudem zu mehr Selbstbewusstsein verhelfen.“

Die Behörden werden die neue Grafik an ihren Gebäuden, auf Websites, in offiziellen Dokumenten und Visitenkarten nutzen. Auch Merchandise-Artikel wie Kugelschreiber oder Taschen wird der modernisierte Löwe zieren. Dieser wartet zudem mit einem etwas versteckten Detail auf: Die beiden Spitzen seines geteilten Schwanzes formen ein hängendes Lindenblatt – oder auch ein Herz, wenn es der Betrachter so will. Dazu Najbrts eher überraschender Kommentar:

„Ich gebe zu, dass das keine Absicht war. Wenn die Menschen darin so etwas erkennen, macht mir das nichts aus. Warum auch nicht. Ich persönlich sehe dort einfach zwei zugewandte Löwenschwänze. Dass es wie ein Herz wirkt – natürlich eher von weitem gesehen –, kann meiner Meinung nach nicht schaden.“

Und vielleicht ruft gerade dieses ungewollte Element auch Sympathien hervor. Die ersten Reaktionen der Bevölkerung sind zumindest eher positiv. Nach einer Erhebung der Meinungsforschungsagentur NMS bewerten die Menschen in Tschechien das neue Staatslogo mit zwei minus. Najbrt findet, das sei doch ein gutes Ergebnis.

Foto: Studio Najbrt
Autoren: Daniela Honigmann , Světlana Witowská | Quelle: Český rozhlas
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