Einstiger Kunstfälscher Beltracchi stellt in Prag aus
Früher fertigte er falsche Werke der bekanntesten Maler der Kunstgeschichte an und machte damit Millionen. Inzwischen malt Wolfgang Beltracchi seine eigenen Bilder und hat ein legales Einkommen. Eine Ausstellung im Prager Gemeindehaus zeigt die ganze Bandbreite des deutschen Künstlers mit der abenteuerlichen Biografie.
Eine überzeugende Legende und eine berühmte Signatur reichten aus, damit Wolfgang Beltracchi seine Gemälde als verschollene Werke bedeutender Maler verkaufen konnte. Rund vier Jahrzehnte lang sicherte sich der Deutsche damit ein stattliches Auskommen. Er fälschte nicht nur bekannte Bilder, sondern überzeugte seriöse Fachleute auch von der angeblichen Existenz bisher gänzlich unbekannter Werke bestimmter Maler. Im Interview für die Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks erläuterte Beltracchi:
„In meinem früheren Beruf als Fälscher brauchte ich zur Übernahme der Handschrift eines Künstlers nur zehn Minuten. Ich schaue mir ein Gemälde an und sauge die Pinselführung auf. Nach fünf bis zehn Minuten kann ich dann ein Bild malen – keine Kopie, sondern ein neues Gemälde mit der gleichen Handschrift.“
Geboren wurde der Mann als Wolfgang Fischer, mittlerweile lebt er in der Schweiz. In seiner kriminellen Karriere, die in einen der größten Kunstfälschungsprozesse der Geschichte mündete, schrieb er seine Arbeiten vor allem Malern wie Max Ernst, Heinrich Campendonk oder Helmuth Macke zu. Nach eigenen Angaben kopierte Beltracchi etwa 120 Künstler aus vier Jahrhunderten.
2010 wurde der Fälscher überführt, weil er für ein angeblich historisches Bild eine Farbe benutzt hatte, die seinerzeit noch nicht existierte. Beltracchi bekam eine sechsjährige Haftstrafe, aus der er nach gut der Hälfte entlassen wurde. Seitdem ist der heute 75-Jährige ein ehrenwerter Maler – und hat nun eine Ausstellung namens „Divine Stories“ (Göttliche Geschichten) im Prager Gemeindehaus.
Schon in den 1970er Jahre habe er als junger Mensch seine eigenen Bilder gemalt und verkauft, sagt Beltracchi. Dann habe jedoch das wilde Leben begonnen...
„Schon zu dieser Zeit habe ich für ein größeres Bild 10.000 D-Mark bekommen. Diesen Betrag verdiente mein Vater in einem ganzen Jahr. Und ich war sehr jung. Das Problem war also nicht, dass ich nicht akzeptiert worden wäre. Nein, ich war ein Freak – immer auf Achse als Hippie, der Drogen nahm.“
Zunächst habe er historische Gemälde gekauft und gesammelt, so Beltracchi. Dann sei es aber für ihn einfacher gewesen, sie selbst anzufertigen. Die jahrzehntelange Übung ermöglicht es dem Maler, sich frei in den verschiedensten Stilrichtungen zu bewegen. Seine handwerkliche Bandbreite reicht von klassischen Arbeiten à la Leonardo da Vinci bis hin zu Pop-Art.
„Es ist wie ein freies Method Acting. Man dringt in einen Künstler ein und will sein wie er. Man will aus seinem Kopf heraus arbeiten. Wenn ich male, gehe ich so vor.“
Davon können sich die Besucher nun überzeugen lassen anhand der Bilder, die Beltracchi gerade in Prag zeigt. Geworben wird für die Ausstellung mit einem stilisierten „Salvator mundi“ vor einer Picasso-Landschaft. Die Schau besteht aus mehr als 80 Gemälden und Skulpturen, die alle seit 2010 entstanden sind.
Aber auch Beltracchis Fälschungen werden scheinbar jeden Tag von Tausenden Menschen bewundert – ohne dass diese es wissen. Der Maler behauptet nämlich, dass zahlreiche seiner falschen Bilder weiterhin in den Museen und Galerien der Welt hängen:
„Alle meine Gemälde wurden von den großen Experten überall in der Welt anerkannt. Erst vergangenes Jahr wurde eines im Nationalmuseum in Madrid entdeckt. Es hing dort 33 Jahre lang neben einem Picasso. Und drei Bilder tauchten gerade in Japan auf. Jedes Jahr finden sie welche.“
Die Ausstellung „Divine Stories“ (Göttliche Geschichten) ist bis zum 25. September 2026 im Gemeindehaus (Obecní dům) in Prag zu sehen. Geöffnet ist täglich von 10 bis 18 Uhr, der reguläre Eintritt kostet 350 Kronen (14,40 Euro). Online finden sich alle Infos auch auf Deutsch.







