Zöllner entdecken immer mehr Marken-Fälschungen

Foto: Archiv der tschechischen Handelsinspektion

Gefälschte Produkte sind nach wie vor ein großes Problem auf dem tschechischen Markt. Allein in der ersten Hälfte dieses Jahres stellte die Handelsinspektion mehr als 27.000 Falsifikate sicher. Marktwert: 47 Millionen Kronen (1,8 Millionen Euro). Das ist fast das Doppelte gegenüber dem Wert aller im vergangenen Jahr entdeckten Fälschungen.

Foto: Archiv der tschechischen Handelsinspektion
Handtaschen, Parfüms, Bekleidung und Schuhe. Das sind die am häufigsten gefälschten Sachen. Doch es überrascht schon, dass zu den nachgemachten Waren, die von den Zöllnern in letzter Zeit beschlagnahmt wurden, auch Reinigungsmittel oder auch die hierzulande beliebten Pasteten und Konserven gehören. Dazu sagt die Sprecherin der tschechischen Zollverwaltung, Ivana Kurková:

„Häufig kann man sich nur wundern, was alles zu fälschen geht. Vor etwa zwei Monaten haben wir WC-Reinigungstabletten entdeckt, die gefälscht waren. Das ist schon etwas kurios.“

Dass die Beamten der Handelsinspektion gerade in den zurückliegenden Monaten sehr oft fündig geworden sind, bestätigt Sprecher Jiří Fröhlich:

Sammellager in Úholičky (Foto: Archiv der tschechischen Zollverwaltung)
„Die tschechische Handelsinspektion hat allein im letzten Vierteljahr bei mehr als 400 Kontrollen die Echtheit von Waren geprüft. Bei einem Drittel der Kontrollen wurden Falsifikate entdeckt.“

Bei einem Besuch des Sammellagers in Úholičky bei Prag haben Redakteure des Tschechischen Rundfunks nachgeforscht, was mit den unzähligen nachgemachten Produkten passiert. Die Journalisten sahen, wie ein großer Haufen von Falsifikaten binnen weniger Minuten von einer massiven Presse kleingestampft wurde. Danach kam ein Bagger, um die Reste wegzubringen. Vernichtet wurden auch Spielzeug und weitere brauchbare Sachen. Könnten diese nicht besser an Kinder in Heimen und Flüchtlinge gespendet werden? Zollverwaltungssprecherin Ivana Kurková verneint.

„Zum einen muss dem ein Vertreter der entsprechend geschützten Marke zustimmen. Zum anderen müsste das Firmenlogo entfernt werden. Ist das aber nicht möglich, lassen sich die Waren auch nicht für humanitäre Zwecke nutzen.“

Falsifikate der Marke Apple (Foto: Archiv der tschechischen Zollverwaltung)
Dass immer mehr Fälschungen beschlagnahmt werden, liegt auch daran, dass die Handelsinspektion an ungewohnten Orten fündig wird. Inspektionssprecher Jiří Fröhlich:

„Am häufigsten entdecken wir die Falsifikate nach wie vor auf den Vietnamesen-Märkten an der Landesgrenze. Aber auch auf einem Flohmarkt im Prager Stadtteil Vysočany sind wir auf Fälschungen im Wert von über 2,5 Millionen Kronen gestoßen. Vor einigen Jahren haben wir gefälschte Waren sogar im Prager Kaufhaus Bílá labuť beschlagnahmt. Und im vergangenen Jahr kurz vor Weihnachten konnten wir in einem Geschäft mehrere Dutzend Fälschungen von Mobiltelefonen bekannter Marken sicherstellen.“

Überhaupt ist es der Mobilfunkmarkt, auf dem die Fälscher derzeit besonders aktiv sind. So haben die Zöllner jüngst bei einer zweitägigen Razzia im mehreren Regionen des Landes über 4000 Falsifikate von Zubehör für iPhone und iPads entdeckt. Es waren in erster Linie Batterien und Ladegeräte, Datenkabel, Kopfhörer und Displays der Marke Apple, die imitiert wurden. Der Schaden für die Firma belief sich auf 3,7 Millionen Kronen, das entspricht 142.000 Euro.