Eishockey-WM: Tschechien nach zwei Pleiten in Folge nun in Zugzwang

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Seit vergangenen Freitag hält sie die Sportfans wieder in Atem, und in Mitteleuropa ganz besonders die Tschechen: die Eishockey-WM, die derzeit in Helsinki und Stockholm ausgetragen wird. Innerhalb von vier Tagen musste die tschechische Mannschaft bereits drei Spiele bestreiten, gewinnen konnte sie jedoch nur eine Partie: das Auftaktmatch gegen Weißrussland. Danach unterlag sie Schweden und der Schweiz. Das bringt die Schützlinge von Trainer Alois Hadamczik bereits früh in Zugzwang.

Alois Hadamczik  (Foto: ČTK)
Von den Eishockey-Weltmeisterschaften der letzten Jahre sind die tschechischen Cracks stets medaillendekoriert zurückgekehrt. Vor drei Jahren wurden sie in Köln überraschend Weltmeister, 2011 und 2012 war jeweils die Bronzemedaille in ihrem Gepäck. Von jenem Team, das im Vorjahr in Helsinki noch Dritter wurde, sind jetzt allerdings nur noch sieben Spieler im Kader. Trainer Hadamczik nimmt diese Tatsache klaglos hin. Er habe registriert, dass das Team in diesem Jahr ein anderes sei. Gleichwohl halte er es für das beste Team, das er aufbieten könne, sagt Hadamczik und zählt auf:

Auftaktsieg über Weißrussland  (Foto: ČTK)
„Einige der Cracks, die ich nicht nominieren konnte, spielen zurzeit im Stanley Cup wie Plekanec und Krejčí. Hemský ist verletzt, ebenso Němec, Krajíček und Torwart Kovář. Ich denke aber, dass diese Spieler durch andere gleichwertig ersetzt wurden, und das sie das in den WM-Spielen auch zeigen werden.“

In den ersten drei Begegnungen war davon allerdings noch nicht viel zu sehen. Nach dem mühsamen 2:0-Auftaktsieg über Weißrussland ging das tschechische Team schon tags darauf nach dem Duell mit Gastgeber Schweden als Verlierer vom Eis. Die Niederlage gegen die Tre Kronors fiel mit 1:2 zwar optisch knapp aus, mit 39:18 Torschüssen und ihrer aggressiveren Spielweise waren die Schweden jedoch das klar bessere Team. Verteidiger Zbyněk Michálek – einer von zehn NHL-Spielern im Team – redete dann auch nach der Partie Klartext:

Alexander Salák  (Foto: ČTK)
„Wie zu sehen ist, schwitze ich auch jetzt noch, zirka 15 Minuten nach dem Spiel. Das Match ging wirklich an die Substanz, und ich muss zugeben, dass die Schweden besser waren. Sie hatten auch mehr Chancen. Lange hat uns unser Goalie im Spiel gehalten, ohne seine Paraden hätten wir noch höher verloren.“

Wie gegen Weißrussland stand auch gegen Schweden Alexander Salák im Tor, der den verletzten NHL-Keeper Ondřej Pavelec bisher hervorragend vertrat. Im dritten Gruppenspiel gegen die Schweiz allerdings hatte auch Salák nicht seinen besten Tag erwischt. Die Eidgenossen verteidigten beinhart und konterten zielstrebig – der 26-Jährige musste gleich viermal hinter sich greifen. Und weil die tschechische Mannschaft das letzte Tor des Spiels im Powerplay kassierte, ging sie mit einer 2:5-Pleite vom Eis. Für Salák war das eine unfassbare Niederlage:

Jiří Hudler  (Foto: ČTK)
„Ich denke, dass die Schweizer heute nicht unbedingt berauschendes Eishockey geboten haben. Wir waren das eindeutig bessere Team auf dem Eis und hätten die Partie gewinnen müssen.“

Dafür aber hätten die Tschechen zumindest einige ihrer zahlreichen Chancen nutzen müssen. Beide Treffer erzielte Center Jiří Hudler, der mit bisher drei Toren auch der beste Schütze im Team ist. Nach seinem Ausgleich zum 2:2 knapp eine Minute vor der zweiten Drittelpause, bot sich ihm sogar die Chance zum Hattrick:

Gruppenspiel gegen die Schweiz  (Foto: ČTK)
„Kurz vor der Sirene hätte ich den Puck ins Schweizer Tor abfälschen können. Die Vorlage kam von Jakub Voráček, nach meiner Aktion aber huschte die Scheibe lediglich durch den Torraum. Das sind die Momente, die ein Spiel entscheiden. Leider!“

Für ihre Inkonsequenz in beiden Torzonen wurden die Tschechen hart bestraft. In der Stockholm-Gruppe müssen sie jetzt noch gegen Dänemark, Slowenien, Kanada und Norwegen antreten. Von diesen vier Begegnungen müssen sie zumindest drei gewinnen, wenn sie das Viertelfinale erreichen wollen.

Autor: Lothar Martin
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