Endstation Pankrác: Gedenktafel für hingerichtete Regimegegner

Foto: Martina Schneibergová

Das Gefängnis Pankrác trägt den Namen des Prager Stadtteils, in dem es vor 130 Jahren erbaut wurde. Sowohl während der Nazi-Okkupation wie auch nach der Machtübernahme durch die Kommunisten landeten in dem Gefängnis die Gegner der Regimes. Hunderte wurden dort hingerichtet. Seit vergangenem Samstag erinnert eine Gedenktafel im Eingang in die Vollzugsanstalt an die Opfer der totalitären Regimes.

Gedenktafel für hingerichtete Regimegegner  (Foto: Martina Schneibergová)
Unter Beifall wurde am Samstag die Gedenktafel enthüllt. Installiert ist sie im Eingang der Haftanstalt, gleich hinter einem mächtigen Gerichtsgebäude. Einige der Versammelten legten Blumen an der neuen Tafel nieder, unter ihnen auch František Šedivý. Er ist stellvertretender Vorsitzender der Konföderation ehemaliger politischer Gefangener:

„Ich bin tief berührt, wenn ich den Text auf der Gedenktafel lese und denke an alle politischen Häftlinge, die in diesem Gefängnis saßen. Pankrác ist ein Ort, an dem Tausende von mutigen Menschen gelitten haben, viele von ihnen haben hier auf den Tod gewartet. Sie verdienen es, nicht vergessen zu werden.“

Aleš Kýr leitet die Abteilung für Dokumentation und die Geschichte des Gefängnisdienstes. Über das Gefängnis Pankrác sagte er:



Milada Horáková  (Foto: Archiv des Nationalen Filmarchivs)
„Unsere Vorfahren haben dieses Gefängnis 1885 als einen Ort für ordentlichen Strafvollzug errichtet. Doch in den Jahren 1939 bis 1945 wurden hier die Nazi-Gegner ermordet. Damals wurden in Pankrác 1075 Personen, davon 155 Frauen hingerichtet. Ein paar Jahre später wurden hier wiederum Menschen eingesperrt, die das kommunistische Regime zu ihren Feinden zählte. 177 Menschen, darunter eine Frau, die Politikerin Milada Horáková, wurden hier hingerichtet. Milada Horákovás Name findet sich nun auf der neuen Gedenktafel. Zudem sind hier symbolisch auch die Namen von zwei weiteren Hingerichteten zu lesen Sie waren Mitglieder der Gefängniswache.“

Čeněk Petelík  (Foto: Archiv des Instituts für das Studium totalitärer Regime)
Čeněk Petelík war Aufseher im Pilsner Gefängnis und Jan Horáček in Pankrác. Ihre Schuld bestand darin, dass sie menschlich gehandelt haben, sagt Aleš Kýr.

„Sie halfen den politischen Gefangenen, Kontakt mit deren Familien aufrechtzuerhalten. Für die Häftlinge schmuggelten sie Briefe, Lebensmittel und manchmal auch Medikamente. Dieses menschliche Verhalten missfiel der Gefängnisverwaltung und der Staatssicherheit. Sie wurden verurteilt und hingerichtet. Die Hinrichtung sollte als Warnung für alle anderen Aufseher dienen. Als Petelík in Pilsen vor Gericht stand, mussten dem Prozess Vertreter des Vollzugsdienstes aus allen Kreisen der Tschechoslowakei zusehen. Daraufhin sollten sie an ihren Arbeitsstellen Diskussionen über die ´verräterischen Taten´ von Petelík organisieren. Als Horáček 1951 hingerichtet wurde, mussten die neuen Mitarbeiter des Vollzugsdienstes anwesend sein. Solcher abartigen Methoden bediente sich das Regime, um die Bediensteten davon abzuhalten, sich menschlich zu verhalten.“

Gefängnis Pankrác
Eine Gedenkstätte, in der an die politischen Gefangenen erinnert wird, befindet sich bereits innerhalb der Gefängnismauern von Pankrác. Dieser Gedenkort liegt jedoch inmitten des Areals und die Öffentlichkeit kann ihn nur zu besonderen Gelegenheiten besuchen, sagt der Direktor der Haftanstalt, Vladan Havránek. Darum habe er die Möglichkeit begrüßt, sich gemeinsam mit den Veranstaltern des Festivals gegen Totalitarismus Mene Tekel an der Installation einer Gedenktafel zu beteiligen:

„Wir müssen alles dafür unternehmen, dass nicht vergessen wird, was sich hier während der totalitären Regimes abgespielt hat. Darum haben wir die Gedenktafel am Eingang zur Haftanstalt postiert und enthüllt.“