„Englisch ist gut, auch Deutsch zu sprechen noch besser“ – Memorandum zur Mehrsprachigkeit

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Insgesamt 1277 Kilometer Grenze verbinden Tschechien mit den deutschsprachigen Nachbarn Österreich und Deutschland. Die wirtschaftlichen und kulturellen Verflechtungen sind vielfältig. So ist Deutsch nach Englisch immer noch die beliebteste Fremdsprache in Tschechien. Ein am Freitag unterzeichnetes Memorandum soll sicherstellen, dass das auch so bleibt.

Michal Hašek
Die Unterschriften sind schnell erledigt, doch das Vorhaben soll langfristig wirken: Das Memorandum zwischen der Assoziation der Kreise der Tschechischen Republik und der Deutschen sowie Österreichischen Botschaft soll die Grundlage für eine neue Art der Zusammenarbeit bilden. Mit der „Gemeinsamen Absichtserklärung zur Förderung der Mehrsprachigkeit“ wollen die Kreise das Lernen der deutschen Sprache unterstützen.

„Deutsch war früher eine verbindende Sprache in unserem ganzen mitteleuropäischen Raum und ich glaube, Deutsch hat es verdient auch in der modernen Zeit, wo überall das Englische vorherrscht, von Bedeutung zu sein. Deutsch ist ja die Sprache unserer Nachbarn, und wenn wir gute und freundschaftliche Beziehungen haben wollen, dann müssen wir uns auch verständigen können“, so Michal Hašek, Vorsitzender der Assoziation tschechischer Kreise.

Kampagne „Šprechtíme“
Die Absichtserklärung ist Teil der Kampagne „Šprechtíme“, was so viel heißt wie „Wir sprechen Deutsch“. Die Kampagne wurde unter anderem von der deutschen und österreichischen Botschaft im vergangenen Herbst gestartet und wirbt für Deutsch als Fremdsprache – nicht unbedingt aus kulturellen Gründen: Rund 100.000 Arbeitsplätze in 8000 deutschsprachigen Firmen gibt es laut Angabe von „Šprechtíme“ in Tschechien. Deutsch sei daher ein wichtiger Faktor für die wirtschaftlichen Beziehungen, findet der deutsche Botschafter Detlef Lingemann:

„Diese Unternehmen suchen natürlich Leute, die nicht nur technisch, sondern auch sprachlich qualifiziert sind. Heutzutage braucht man natürlich Englisch – Englisch zu sprechen ist gut, auch Deutsch zu sprechen ist besser.“

Ferdinand Trauttmansdorff
Neu an der Absichtserklärung ist, dass auch die tschechische Seite Deutsch als Fremdsprache fördern will. Der österreichische Botschafter Ferdinand Trauttmansdorff freut sich über die Unterstützung:

„De facto sind die Kreise und die Kreishauptmänner ganz wichtig als Verbindung zu den Menschen in den Kreisen, weil sie eine bürgernahe Verwaltung sind.“

Der Kontakt zu den Politikern, Schulen und Eltern vor Ort sei nun leichter herzustellen, so Trauttmansdorff. Mit dem Memorandum soll die Zusammenarbeit konkret werden. Die nächsten Schritte seien schon geplant, erklärt Lingemann:

Detlef Lingemann (Foto: Archiv der Deutschen Botschaft Prag)
„Konkret gehen wir mit unserer Sprachkampagne in die Regionen. Dort machen wir auf die Kampagne aufmerksam. Dafür sprechen wir mit den Regionalpolitikern und wenden uns an die Schulleiter. Es gibt Auftritte von ‚Tandem’ oder vom Goethe-Institut auf den Marktplätzen, die für die deutsche Sprache werben, die spielerisch animieren, Deutsch zu lernen. Sie sollen die Menschen neugierig machen und die Furcht vor der deutschen Sprache nehmen, die ja als sehr schwierig gilt. Und sie sollen zeigen, dass Deutschlernen auch Spaß machen kann.“