Erfolgreiche Olympische Winterspiele: Tschechien zieht Bilanz

Tereza Voborníková

Am Sonntag sind die 25. Olympischen Winterspiele zu Ende gegangen. Das tschechische Team reist nach dem Gewinn von fünf Medaillen zufrieden aus Mailand und Cortina ab.

Kirsty Coventry | Foto: Kyodo/Newscom / Newscom / Profimedia

In der historischen Arena von Verona erklärte die Vorsitzende des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Kirsty Coventry, am Sonntagabend die Spiele von Mailand und Cortina für beendet. Das tschechische Team war mit einer Rekordzahl an Sportlerinnen und Sportlern angereist. Heraus sprang fünfmal Edelmetall: zweimal Gold, zweimal Silber und einmal Bronze. Es ist die drittbeste Bilanz bei Winterspielen für Tschechien. Und es bedeutete Platz 16 im Medaillenspiegel aller Teilnehmer – noch vor dem Alpenland Slowenien zum Beispiel oder dem nordeuropäischen Finnland. Bei den Verantwortlichen herrschte daher Zufriedenheit. Martin Doktor ist Chef des tschechischen Olympiateams und sportlicher Leiter beim Nationalen Olympischen Komitee (ČOV):

Martin Doktor | Foto: Michal Kamaryt,  ČTK

„Die Gesamtzahl der Medaillen ist schön. Welcher Platz dies im Medaillenspiegel ist, interessiert mich hingegen nicht so sehr. Wichtiger ist unsere interne Bilanz. Im Vergleich zu den vorangegangenen Winterspielen in Peking gab es wohl mehr Platzierungen bis Rang sechs oder acht, obwohl ich dazu noch nicht die komplette Übersicht vor mir habe.“

Allerdings kam es auch zu Enttäuschungen – so etwa für Ester Ledecká, die als große Favoritin im Snowboard-Parallel-Riesenslalom angetreten war, aber im Viertelfinale schon ausschied. Und auch die tschechische Rekordolympionikin, die Eisschnellläuferin Martina Sáblíková, konnte ihrer Sammlung keine weitere Medaille hinzufügen.

Martina Sáblíková und Metoděj Jílek | Foto: Pavel Mazáč,  CNC / Profimedia

Doch es fand ein Generationenwechsel im tschechischen Team statt. Der 19-jährige Metoděj Jílek übernahm mit einer Gold- und einer Silbermedaille nicht nur symbolisch den Staffelstab, sondern Sáblíková überreichte ihm nach seinem Triumph über 10.000 Meter noch im Stadion ein T-Shirt mit der Aufschrift „Golden Boy“. Und im Parallel-Riesenslalom gewann nach dem frühen Ausscheiden von Ledecká, der Doppel-Olympiasiegerin in der Disziplin, die 22-jährige Zuzana Maděrová dann Gold. Das weise in die Zukunft, betont Jiří Kejval, Vorsitzender des Tschechischen Olympischen Komitees:

Zuzana Maděrová | Foto: Reuters

„Es ist eine tolle Nachricht. Anders als bei Martina Sáblíková, die tatsächlich abgetreten ist, hoffe ich jedoch fest, dass Ester Ledecká weitermachen und uns noch viel Freude bereiten wird. Die Welt war sicher überrascht, dass nach dem frühen Aus von Ester aus dem Nichts eine weitere Tschechin auftauchte und gewann. Das war eine wunderbare Geschichte. Und noch dazu die von Martina Sáblíková, die 20 Jahre lang Medaillen für den tschechischen Sport gewonnen hat, davon sieben bei Olympischen Spielen. Plötzlich ist da Metoděj Jílek, der zweimal Edelmetall holt und ein großes Versprechen für die Zukunft ist.“

Jiří Tuž | Foto: Action Press / Shutterstock Editorial / Profimedia

Martin Doktor erwähnt im Hinblick auf die Jugend zudem noch den 21-jährigen Langläufer Jiří Tuž, der sich überraschend ins Sprintfinale vorkämpfen konnte.

Zu den immer noch relativ jungen Olympioniken zählt auch Tereza Voborníková mit ihren 25 Jahren. Sie holte am Samstag die wohl überraschendste Medaille für Tschechien: Bronze im Biathlon-Massenstart. Voborníková weinte minutenlang vor Glück…

Von links: Julia Simon,  Océane Michelon,  Tereza Voborníková | Foto: Reuters

„Ich werde sicher heute noch viel weinen. Es ist für mich so wahnsinnig emotional, aber in der richtigen Richtung. Ich erlebe gerade die schönsten Momente meiner sportlichen Karriere und wohl auch meines ganzen Lebens“, so die Athletin aus Vrchlabí am Riesengebirge.

Jiří Kejval | Foto: Katherine Vašíčková,  Tschechischer Rundfunk

Auf eine andere Art bewundernswert ist die Silbermedaille, die Snowboard-Crosserin Eva Adamczyková holte. 2014 hatte sie als unbekannte, junge Athletin Olympia-Gold in dieser Disziplin gewonnen, 2018 dann Bronze. Doch dann sei sie weg von Bildfläche gewesen, schildert Jiří Kejval:

„Sie hatte diese unglückliche Verletzung. Kurz vor den Winterspielen in Peking brach sie sich beide Beine und konnte nicht teilnehmen. Dann wurde sie vor einem Jahr Mutter, und niemand glaubte, dass sie zurückkehren würde. Doch dann ist sie zurück und gewinnt plötzlich diese schöne Silbermedaille. Das ist eine große Geschichte, die nur Olympia schreiben kann.“

Eva Adamczyková | Foto: Ann-Dee Lamour,  Sipa Press / Profimedia

Und welches Zeugnis stellen die tschechischen Offiziellen den Organisatoren der Spiele aus? Sowohl Kejval als auch Doktor fínden, dass die Italiener es gut gemeistert hätten. Nur die Aufteilung auf mehrere, teils bis zu 400 Kilometer voneinander entfernte Wettkampfstätten halten sie noch nicht für ausgereift. Der dreifache Olympiateilnehmer und Doppel-Goldmedaillengewinner Martin Doktor nennt seinen Hauptkritikpunkt:

„Für mich bedeuten Olympische Spiele eigentlich, dass die Teilnehmer aus unterschiedlichen Sportarten an einem Ort sind, sich begegnen und ihre Erfahrungen austauschen können. Aber solch ein olympisches Erlebnis war hier schwierig.“

Laut Jiří Kejval, der auch Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees ist, will man sich im IOC das Experiment mit weit auseinanderliegenden Wettkampfstätten noch einmal genauer anschauen. Dann solle entschieden werden, ob das die Richtung ist, in die man in Zukunft weitergehen wolle.

Autor: Till Janzer | Quelle: Český rozhlas
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