Tschechiens Olympia-Sonntag: Strahlende Snowboarderin Maděrová, enttäuschter Silber-Gewinner Jílek
Es war ein fast perfekter Sonntag für Tschechien bei den Olympischen Spielen: zwei Medaillen, darunter das erste Gold – und zwar für Snowboarderin Zuzana Maděrová. Allerdings zeigte sich Eisschnellläufer Metoděj Jílek enttäuscht von seiner Silber-Medaille.
Die Snowboarderin Zuzana Maděrová hat am Sonntag olympisches Gold geholt im Parallel-Riesenslalom. Damit dominiert Tschechien seit den Spielen 2018 in Pyeongchang diese Disziplin. Und das, obwohl für Titelverteidigerin Ester Ledecká im Viertelfinale bereits Schluss war.
Maděrová wiederum bekam nach ihrer Goldfahrt das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht…
„Das ist unglaublich. Aber es ist wohl wirklich so passiert. Ich werde mich wohl jetzt daran gewöhnen müssen, dass man mich mit Olympiasiegerin anspricht“, so die junge Sportlerin.
Als einer der Ersten gratulierte Staatspräsident Petr Pavel, der das Rennen vor Ort angeschaut hatte. Zudem waren fast ihre ganze Familie und zahlreiche Freunde im Ziel in Livigno und nahmen die 22-Jährige nach ihrem Triumph in Empfang. Zuzana Maděrová musste auch darüber lachen, dass ihre Eltern ihr früher den Spitzensport eigentlich ausreden wollten. Doch sie sei dickköpfig, gesteht die junge Frau aus dem nordböhmischen Liberec. Und am Sonntag habe sie einfach kein bisschen taktiert, so Maděrová:
„Die Piste war von Anfang bis Ende einfach perfekt. Die Italiener haben da ganze Arbeit geleistet. Und ich habe mir gedacht: Wenn die Piste perfekt präpariert ist und ich perfekt vorbereitet bin, warum soll ich dann nicht alles reinlegen in den Wettkampf? Jetzt oder nie – so bin ich das ab dem ersten Lauf angegangen. Und das hat geklappt.“
In der Qualifikation fuhr Maděrová die zweitschnellste Zeit hinter ihrer Nationalmannschaftskollegin Ledecká. Das habe ihr Sicherheit gegeben, sagt ihr Trainer Evžen Mareš. Er betreut die Snowboarderin seit ihren Jugendtagen.
„Schon beim Frühstück war sie außergewöhnlich ruhig und relaxt. Und ab dem ersten Qualifikationslauf, der ihr unglaublich gut gelang, fiel die Nervosität immer weiter von ihr ab“, schilderte der Coach.
Zuzana Maděrová hat bisher noch keinen Sieg im Weltcup errungen. Dennoch kommt der Erfolg nicht völlig überraschend. So stand sie dreimal in dieser Saison schon auf dem Treppchen. Zudem sagt ihr Trainer:
„Ihre Ergebnisse aus der letzten Zeit waren zwar nicht absolut super. Aber zu Anfang der Saison hat sie in China, Cortina und Carezza bewiesen, dass sie die Qualifikation gewinnen kann, wenn Ester Ledecká nicht zum Rennen antritt.“
Und so feierte am Sonntag die acht Jahre jüngere Tschechin, die allerdings am Dienstag schon wieder in ihre Heimat zurückkehrt.
Und Ledecká? Sie gestand, im Viertelfinale einen Fahrfehler begangen zu haben. In ihrer Enttäuschung richtete die 30-Jährige aber den Blick nach vorne zu der anderen Sportart, in der sie bei Olympia noch antritt:
„Mir bleibt wohl nichts anderes übrig, als mich jetzt auf die Ski zu konzentrieren und mich bestmöglich auf den Super-G am Donnerstag vorzubereiten. Ich habe zwar nur ein paar Tage, werde aber alles machen, was in meinen Kräften steht.“
Man kann indes sogar enttäuscht sein, obwohl man eine Medaille gewonnen hat. Als Eisschnellläufer Metoděj Jílek am späten Sonntagnachmittag im Milano Speed Skating Stadion in seinem Lauf über 5000 Meter hinter dem norwegischen Weltrekordhalter Sander Eitrem ins Ziel kam, war es ihm anzusehen: Der 19-jährige Jungspund aus Tschechien war nicht zufrieden mit Silber. Dabei hätte man Jubel erwartet von ihm über sein allerstes Edelmetall bei den Olympischen Spielen. Aber Jílek bestätigte den Eindruck kurz darauf im Interview für die Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks…
„Ich kann nicht sagen, dass ich absolut glücklich bin, ich habe mehr erwartet. Allerdings bin ich gegen den derzeit besten Konkurrenten über 5000 Meter gelaufen. Deswegen sollte ich auch nicht völlig niedergeschlagen sein. Ich habe alles gegeben, habe nicht enttäuscht, aber auch nicht überrascht. Deswegen sind meine Gefühle eher neutral“, so der Kufenflitzer.
Als Nächstes tritt Jílek über 10.000 Meter an – eine Distanz, die dem Langstreckenspezialisten noch mehr liegt als die halb so lange:
„Über 10.000 Meter will ich meine Platzierung sicher noch verbessern. Aber man wird sehen, wie es klappt. Da habe ich wieder einen anderen Hauptgegner, das dürfte der Lokalmatador Davide Ghiotto sein. Er wird vom Publikum sicher nach vorne gepeitscht. Also wird es ebenfalls ein sehr schweres Rennen.“
Metoděj Jílek will also nichts anderes als Gold. Die Entscheidung über 10.000 Meter fällt am Freitagnachmittag.







