Erster Tscheche gibt sein Debüt in der Formel 1

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Auf allen Titelseiten der tschechischen Tagespresse prangte am Dienstag das große Konterfei eines außerhalb der Sportwelt noch relativ wenig bekannten Autorennfahrers - das des aus Liberec/Reichenberg stammenden Tomás Enge. Aus gutem Grund. Am Vorabend seines 25. Geburtstages wurde der bisherige Formel-3000-Pilot am Montag offiziell in den Kreis der Königsklasse des Motorrennsports aufgenommen. Schon am Sonntag wird er für das französische Prost-Acer-Team in Monza sein erstes Rennen in der Formel 1 bestreiten. Lothar Martin war bei der feierlichen Verkündung des Coups für Radio Prag dabei.

Der langjährige Manager von Tomás Enge, der ehemalige Rennfahrer Antonín Charouz, hatte die Pressekonferenz zur Verkündung der freudigen Tatsache eigens in den Garten seiner Prager Villa verlegt, wo er mit ergriffener Stimme zur Wertigkeit des Formel-1-Engagements seines Schützlings äußerte: "Wer weiß schon genau zu würdigen, was das für die Tschechische Republik bedeutet. Ich denke, man kann das vergleichen mit dem Olympiasieg der Eishockeyspieler 1998 in Nagano oder mit unseren besten Ergebnissen im Fußball bzw. im Tennis. Die Formel 1 ist der meistverfolgte Sport im Fernsehen, jedes Rennen wird durchschnittlich von 350 Millionen Menschen gesehen und über das Jahr sind es rund 6 Milliarden Leute, die sie verfolgen."

Charouz vergaß jedoch nicht darauf zu verweisen, dass die Teilnahme von Tomás Enge am nächsten WM-Lauf im italienischen Monza nur deshalb zustande kam, weil sich der eigentliche Pilot des Prost-Acer-Teams, der Brasilianer Luciano Burti, nach seinem fürchterlichen Crash beim Rennen in Spa noch nicht völlig erholt von den Nachwirkungen des Unfalls zeigte. Sowohl Charouz als auch Enge, der zunächst nur für das eine Rennen den Platz im Cockpit von Burtis Boliden einnehmen wird, wünschten ihm gute Genesung.

Dennoch bleibt die Frage, warum sich das Prost-Team nach den Testfahrten auf dem französischen Magny Cours gerade für den smarten Tschechen entschieden hat. Dazu erklärte Prost-Sportdirektor John Walton in Prag: "Tomás hat ein sehr großes Talent als Rennfahrer. Wir haben ihn schon das ganze Jahr über verfolgt und wir sind in der Tat der Meinung, dass ihm eine glänzende Karriere in der Formel 1 bevorsteht. Tomás ist ausgesprochen schnell und auch sein technisches Verständnis für das Fahrzeug ist ausgezeichnet. Es war sehr interessant zu verfolgen, welch physische Fitness und mentale Stärke er bei den Testfahrten an den Tag legte. Und daher sind wir der Ansicht, dass Tomás nicht nur vom fahrerischen, sondern auch vom psychischen dem großen Trubel, der in der Formel 1 herrscht, standhalten kann."

Bei soviel Lob war es für den Angesprochenen gar nicht einfach, seine Empfindungen auszudrücken, die ihn einige Tage vor seinen Formel-1-Debüt bewegen. "Selbstverständlich sind meine Gefühle kurz vor dem Rennen in Monza etwas anders als sonst. Es ist nicht nur die Freude darüber, was mich erwartet bzw. was auf mich zukommt. Aber es kostet mich auch ungeheure Nerven, denn die Formel 1 ist so etwas Riesiges, nicht nur für die Zuschauer, die sie verfolgen, sondern auch für die Rennfahrer selbst. Wenn Sie nur in Betracht ziehen, dass hier nur 22 Cockpitplätze vergeben werden, Fahrer aus aller Welt aber gleich im mehrfachen Dutzend darauf reflektieren, dann zeugt das davon, welch einmalige Gelegenheit dies für mich ist."

Für das Rennen von Monza hat sich Enge auch schon ein Ziel gesetzt, das er so formulierte: "Mein Ziel wird sein, das Rennen zu Ende zu fahren, und das mit der bestmöglichsten Platzierung." Bleibt nur zu wünschen, dass sich Enge mit einem beherzten und vielversprechenden WM-Lauf in Italien in Szene setzen und für weitere Aufgaben in der Königsklasse empfehlen kann.