Ex-kommunistischer Staatsanwalt auf der Anklagebank

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Im Staatssektor wurden ehemalige Mitarbeiter des kommunistischen Staatssicherheitsdienstes StB enttarnt, zwei zum Tode verurteilte deutsche Nazis vom kommunistischen Regime der Tschechoslowakei 1953 begnadigt, der ehemalige Prokurator des kommunistischen Regimes Karel Vas wegen Beteiligung an der Ermordung von General Heliodor Pika angeklagt. Das waren dieser Tage drei Schlagzeilen in der tschechischen Presse, die elf Jahre nach der politischen Wende bei vielen endlich die Hoffnung auf einen Beginn bei der Bewältigung der kommunistischen Vergangenheit aufkeimen lassen. Über das letztgenannte Ereignis - den Prozess gegen Ex-Prokurator Karel Vas - erfahren Sie mehr von Jitka Mladkova.

Seit drei Tagen läuft das Verfahren gegen den mittlerweile 85jährigen Ex-Staatsanwalt Karel Vas, unter dessen Regie der ehemalige General der Tschechoslowakischen Armee, Heliodor Pika, im Juni 1949 in einem politischen Scheinprozess zum Tode verurteilt wurde. Vas wurde der Tatsache beschuldigt, bei den Ermittlungen gefälschte Dokumente in die Akten von General Pika gelegt zu haben, auf deren Grundlage dieser der Zusammenarbeit mit dem britischen Nachrichtendienst angeklagt werden konnte. Darüber hinaus soll er Pikas Aussagen vor dem Gericht zweckmäßig zu dessen Ungunsten modifiziert haben. Karel Vas beharrt heute darauf, strikt nach den entsprechenden Gesetzen gehandelt zu haben. Weder Pika noch seine Verteidiger hätten gegen den Verlauf der Ermittlungen protestiert. Der Ex-Prokurator bestreitet ebenfalls, den schriftlichen Entwurf für Pikas Anklage verfasst zu haben.

Nun, wer war Heliodor Pika, dessen Existenz das ehemalige Regime jahrzehntelang lieber verschwieg, sodass sein Name heute der jungen Generation nur wenig bekannt ist. Geboren wurde er 1897 in der Gemeinde Stitina bei Opava/Troppau. Als Gymnasist geriet er an die russische Front und 1916 in die Gefangenschaft. Später nahm er als Angehöriger der Tschechoslowakischen Legionen an vielen Kämpfen teil. Nach dem Ersten Weltkrieg absolvierte Heliodor Pika ein Studium an den Militärschulen in Frankreich und war danach im Generalstab der Tschechoslowakischen Armee sowie in den Jahren 1932-37 als Militärattache in Rumänien tätig. Seit 1941 gehörte er einer Gruppe von Offizieren an, die nach dem Eintritt der Sowjetunion in den Zweiten Weltkrieg als offizielle Militärmission der Tschechoslowakei in Moskau funktionierte. Schon damals galt Pika für die Vertreter des kommunistischen Exils als eine Persona non grata, also eine unerwünschte, ja gehasste Person, da er sich für die politische Linie der tschechoslowakischen Exilregierung in London einsetzte. Seine politische Orientierung kreidete man ihm kurz nach dem kommunistischen Putsch 1948 an. Er wurde verhaftet, der Spionage und des Hochverrats beschuldigt und schon im Januar 1949 zum Tode verurteilt. Fünf Monate später wurde er erhängt.

Im derzeitigen Prozess gegen den kommunistischen Ex-Staatsanwalt Karel Vas ist auch der 79-jährige Sohn von Heliodor Pika, Milan Pika, als Zeuge aufgetreten. Wie er sich in der Presse äußerte, gehe es ihm nicht darum, Karel Vas hinter Gitter zu bekommen, sondern um die Wahrheit, die endlich ans Tagelicht kommen müsse. Ich bin froh - so Milan Pika wörtlich - dass unsere Gesellschaft die entsprechende Kraft dafür aufgebracht hat.