Fällen der vom Borkenkäfer befallenen Bäume soll Böhmerwald retten

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Das Schuljahr neigt sich dem Ende zu und die Ferienzeit steht unmittelbar vor der Tür. Doch gerade jetzt hat ein beliebtes Erholungsgebiet in Tschechien wie der Böhmerwald mit zwingenden Problemen zu kämpfen. Mit welchen, das erfahren Sie von Lothar Martin.

Jahr für Jahr hinterläßt der Borkenkäfer in so manchem Wald seine Spuren. In Tschechien scheint es ihm insbesondere der langjährige Waldbestand des Böhmerwaldes angetan zu haben, weshalb ihm oder der Axt des Holzfällers schon eine Vielzahl von Bäumen zum Opfer gefallen ist. Das rechtzeitige Abholzen der von ihm befallenen Bäume sichert in der Regel den Fortbestand der anderen, gesunden Bäume. Daher hat das tschechische Umweltministerium auch in diesem Jahr beschlossen, dem Schädling auf diese Weise beizukommen. Alles schön und gut, doch sind diesmal auch Bäume der wertvollen Kernzone des Böhmerwaldes von dieser Maßnahme betroffen, was die Umweltschützer wieder auf den Plan rief.

"In den künstlichen Monokulturen der zweiten Zone sind diese Eingriffe am Platze. Aber das Abholzen der urwaldtypischen Waldbestände der ersten Zone sollte von dieser Maßnahme verschont bleiben, denn es gilt die unberührte Natur zu erhalten," erklärte zum Beispiel der Leiter des Waldprogramms der Bewegung "Duha" (Regenbogen), Jaromír Bláha, und fügte an, dass man auch in Bayern und anderen europäischen Nationalparks keine Abholzungen wegen des Borkenkäfers in der ersten Zone unternehme. Einen weiteren Grund für ihre Ablehnung gegenüber der Abholzung nennt der Mitarbeiter des Botanischen Instituts der tschechischen Akademie der Wissenschaften, Jirí Liska: "Die Tatsache, dass man auf unserer Seite in großem Ausmaß den Wald abholzt und dadurch Lichtungen entstehen, ist wirklich erschreckend und unannehmbar. Ein abgeholzter Wald erleichtert dem Sturm, im übrigen Wald Schaden anzurichten. Wenn wir die Sturmfrequenz mit Bayern vergleichen, dann ist sie bei uns weitaus höher. Das hat natürlich nicht nur tiefe Eingriffe in den Waldbestand, sondern auch für den Boden und die Organismen, die dort leben, zur Folge."

All diese Vorwürfe lässt der tschechische Umweltminister Milos Kuzvart jedoch nicht gelten, sondern hält dagegen: "Das Problem ist ausschließlich ein fachliches. Mir liegen Unterlagen von mehreren internationalen Institutionen vor, aus denen hervorgeht, dass man dieses Problem in der Tat nicht schönfärben kann. Und ich will für mich betonen, dass die Entscheidung über die differenzierten Eingriffe in der ersten Zone des Böhmerwaldes - das haben einige Abholzungen gezeigt - richtig waren. Zu dieser Behauptung berechtigen mich auch die Feststellungen der tschechischen Umweltinspektion: Jahr für Jahr hat sich durch die Abholzungen die Anzahl der Bäume, die vom Borkenkäfer befallen wurden, um die Hälfte verringert."

Trotz dieser Argumente wollen die Umweltschützer die Abholzungen im Böhmerwald nicht tatenlos hinnehmen. Die Proteste aber - so ließen sie verlauten - würden nicht so rasant ausfallen wie in den zurückliegenden Jahren und es würden auch keine Blockaden errichtet. Da sollte doch zumindest der bevorstehende Urlaub für die Erholungssuchenden gerettet sein.