Fair-Trade-Produkte werden von jedem dritten Tschechen gekauft

Foto: Kristýna Maková

Der Handel mit Fair-Trade-Produkten stößt in Tschechien auf ein immer größeres Interesse. Im vergangenen Jahr wurden diese Produkte hierzulande in einem Gesamtwert von 174 Millionen Kronen (6,2 Millionen Euro) verkauft. Acht Jahre zuvor lag der Wert der verkauften Erzeugnisse mit dem Label Fair Trade indes bei nur drei Millionen Kronen (107 Tausend Euro).

Hana Chorváthová (Foto: Kristýna Maková)
Der Fairtrade-Handel wurde geschaffen, um besonders den Plantagenarbeitern und Kleinhandwerkern in den Entwicklungsländern Afrikas, Asiens und Lateinamerikas einen gerechten Lohn für ihre beschwerliche Tätigkeit zu ermöglichen. Die Früchte ihrer Arbeit werden zu solchen Preisen aufgekauft, dass sie davon auch leben können. Die Anfänge dieses Handels gehen bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts zurück, in Tschechien fasste Fairtrade indes erst vor zehn Jahren so richtig Fuß. Solange gibt es auch die Organisation Fairtrade Tschechien und Slowakei, deren Direktorin ist Hana Chorváthová:

„Zu Beginn des Fair-Trade-Handels in Tschechien wurden dessen traditionelle Produkte, von denen einige nicht einmal das Symbol dieser Marke auswiesen, ausschließlich in speziellen Läden verkauft. Das waren insbesondere Geschäfte mit Biolebensmitteln.“

Vor zehn Jahren bekam der Fair-Trade-Handel hierzulande dann erste Konturen:

„Im Jahr 2004 wurden die ersten zertifizierten Lebensmittel mit dem Fair-Trade-Logo nach Tschechien importiert. Etwa zwei Jahre später wurden die ersten Fair-Trade-Produkte dann auch in Supermärkten verkauft.“

Foto: Kristýna Maková
Der Vertrieb der Produkte in den Supermärkten sei 2006 noch eher die Ausnahme gewesen, der Durchbruch indes erst 2010 gelungen, bemerkt Chorváthová. Danach aber sei ihre Organisation, die mittlerweile dem Dachverband Fairtrade International angehört, erst recht in die Offensive gegangen, um für fair gehandelte Waren zu werben:

„Unsere Interessen haben wir durch mehrere Kampagnen unterstützt, mit denen wir im Jahr 2011 begonnen haben. Auf unsere Tätigkeit machen wir nun also auch mit den Kampagnen ‚Fairtrade Stadt‘, ‚Fairtrade Schule‘ und ‚Fairtrade Kirchengemeinde‘ aufmerksam. Das sind Initiativen, von denen wir uns erhoffen, dass sie das Bewusstsein der Verbraucher für Fairtrade weiter schärfer werden.“

Diese Rechnung scheint aufgegangen zu sein, denn einer Umfrage vom Februar zufolge, haben nun auch in Tschechien immer mehr Menschen von Fairtrade und den Besonderheiten dieses Handels Kenntnis genommen. Die Umfrage wurde vom Meinungsforschungsinstitut Inesan durchgeführt, für das auch Jiří Remr arbeitet:

„Mit dem Begriff, der Idee und dem Konzept von Fairtrade ist bisher in etwa die Hälfte der tschechischen Bürger vertraut. Exakt sind es 52 Prozent. Die zweite Erkenntnis aus der Umfrage ist, dass Fairtrade-Produkte hierzulande von einem Drittel der Bevölkerung gekauft werden, also von jedem dritten Tschechen.“

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Trotz dieser deutlichen Aufwärtsentwicklung im Vergleich zu den Anfängen von Fairtrade in Tschechien, glaubt Andrea Richert von Fairtrade International, dass durchaus noch mehr möglich sei:

„Ich denke, da besteht noch großes Potenzial. Der Absatzweg läuft hauptsächlich über Supermärkte – es ist daher eine relativ große Herausforderung, hier einen Fuß in die Tür zu kriegen. Es gibt meiner Meinung nach aber gute Möglichkeiten, den Konsumenten auch in Tschechien eine große Bandbreite an Fair-Trade-Produkten anzubieten.“