Festival Boskovice 2000

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Das Theater-, Film- und Musikfestival, das in dem südmährischen Boskovice seit 13. Juli bereits zum achten mal stattfindet, hat sich ein hohes Ziel gesteckt: Die Organisatoren wollen auf das Judenviertel von Boskovice, in dem dieses Festival alljährlich angesiedelt ist, aufmerksam machen und somit zur Rekonstruktion dieses Stadtteils beitragen. Ob es ihnen gelingt, werden Sie von Dagmar Keberlova erfahren.

Von Donnerstag bis Sonntag lebt das Judenviertel in Boskovice auf. Man rechnet mit Tausenden von Besuchern bei den Film- und Theateraufführungen sowie bei Konzerten bekannter Rockgruppen aus dem In- und Ausland.

Mit welchen Erwartungen dieses Festival veranstaltet wird, teilte uns Cestmir Hunat, Leiter der Vereinigung Unijazz und Organisator des Festivals, mit:

"Es war uns klar, daß uns so ein Festival keinen direkten Gewinn bringen kann.

Unser Ziel war es, auf den Zustand des Judenviertels aufmerksam zu machen. Das ist uns gelungen und anschließend kam dann auch das Geld, entweder von privaten Personen oder als Gewinn beim Festival. Dieses Geld haben die im Judenviertel lebenden Bürger für die Rekonstruktion ihrer Häuser verwendet und es wird auch die Synagoge allmählich renoviert."

Die erste Nachricht über die in Boskovice lebende jüdische Bevölkerung stammt aus dem 14. Jahrhundert. Später lebte in Boskovice eine zahlreiche jüdische Komunität, die zu einer der größten in Mähren gehörte. Nach dem Zweiten Weltkrieg war das Judenviertel menschenleer. Nur einige wenige Überlebende kehrten wieder zurück und die Neuansiedler haben lange gebraucht, um sich in den alten Häusern einzuleben und eine Beziehung zu ihnen aufzubauen.

Im Rahmen des Festivals sollen die Besucher die Möglichkeit haben, zu sonst verschlossenen Orten Zugang zu haben. So ist die Synagoge sowie der jüdische Friedhof von Boskovice die vier Tage lang für die interessierte Öffentlichkeit zugänglich.