FESTIVAL DER FILME FÜR KINDER UND JUGENDLICHE IN ZLIN

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Schuhe und Filmateliers. Mit diesen Begriffen können wir die ostmährische Stadt Zlin charakterisieren. Es handelt sich um jene Stadt, deren Gestalt der Schuhunternehmer Tomas Bata in der Zwischenkriegszeit prägte, der dort die Grundlagen für sein später internationales Schuhimperium legte. Die Anfänge der Filmateliers in Zlin gehen in die 30er Jahre zurück, als junge ambiziöse Filmemacher aus Prag zur Herstellung von Bata-Werbe- und Instruktions-Filmen nach Zlin berufen wurden. Seit dem gingen jedoch die beiden Genres ihre eigenen Wege. Die Schuhe werden zwar weiterhin produziert und auch die Filme werden in Zlin weitergemacht - im Laufe der Zeit hat man sich dort aber vor allem auf Kinderfilme spezialisiert. Und im Jahre 1960 wurde in Zlin zum ersten Mal auch das Festival der Filme für Kinder und Jugendliche veranstaltet. Wie das Festival nach 40 Jahren aussieht, wollen wir Ihnen im heutigen Kulturspiegel zeigen. Gute Unterhaltung wünscht Marketa Maurova.

Beinahe 200 Filme, rund 45 Tausend Zuschauer, Filmemacher aus 34 Ländern - diese Zahlen charakterisieren das 40. Festival der Filme für Kinder und Jugendliche, das Ende Mai in Zlin stattfand. Dieser Termin ist nicht zufällig. Man veranstaltet das Filmfest so, dass der Internationale Kindertag am 1. Juni darin eingeschlossen ist. Handelt es sich doch um ein Kinderfestival. Davon spricht die Verwaltungsdirektorin des Festivals Irena Skaunicova:

"Es ist spezifisch für das Zliner Festivals, dass sich unsere Projektionszeiten eigentlich von denen auf anderen Festivals völlig unterscheiden. Wir spielen um halb neun, um halb elf, um ein Uhr Nachmittags. Morgens ist der Kinosaal voll von Kindern. Besonders schön ist die Atmosphäre in unserem Großen Kino, wo der größte Projektionssaal in der Tschechischen Republik ist. Er hat 1010 Sitze, aber häufig kommen auch 1500 Kinder rein, die zu zweit auf den Sesseln sitzen. Sie sind ein tolles Publikum und reagieren wunderbar."

Der 40. Jubiläumsjahrgang brachte nicht nur eine Erweiterung des Programms, sondern auch fast die doppelte Besucheranzahl im Vergleich mit dem Vorjahr und zudem auch einige berühmte Gäste. Von den glänzendsten Stars wollen wir die Schauspieler und Schauspielerinnen Annie Girardot, Gina Lollobrigida, Ornella Mutti oder Horst Buchholz erwähnen, der sich auch an der Arbeit der Hauptjury beteiligte.

Die internationale Hauptjury verteilte drei Hauptpreise. Das Goldene Schühchen in der Kategorie der Kinderfilme ging an den iranischen Film "Die Karre", der die Jury-Mitglieder sehr beeindruckte.

"An dem Film ist schön, dass es sich um eine Geschichte handelt, die über die iranische Gegenwart etwas aussagt, und zwar nicht nur über die Welt der Kinder, sondern auch über die Welt der iranischen Gesellschaft. Und diese Sachen sind wunderbar miteinander verflochten, deswegen ist der Film so hinreißend. Ich muss sagen, dass ich einen so reinen, klaren und verständlichen Film seit langem nicht gesehen habe," sagte uns der Jury-Vorsitzende, Fero Fenic.

In der Kategorie der Filme für Jugendliche wurde mit dem Goldenen Schühchen der tschechische Film "Lebensborn", eine Geschichte aus dem Zweiten Weltkrieg ausgezeichnet, und in der Kategorie der Puppentrickfilme ging der Preis an den lettischen Film "Horror aus dem Hausloch". Damit ist die Aufzählung der Auszeichnungen aber bei weitem nicht zu Ende, es gab verschiedene Jurys, die ihre Preise verteilten - eine Jury der Föderation der Internationalen Filmklubs, eine ökumenische und auch zwei Kinderjurys.

Einen riesigen Erfolg erntete die iranische Kinematographie, die mit zwei Filmen vertreten war. Neben dem Hauptgewinner, der "Karre", gab es noch einen Film, der die Jury der Föderation der Internationalen Filmklubs begeisterte. Dazu Jurymitglied Bernt Lindner:

Kann man im Bereich der Filme für Kinder und Jugendliche auch bestimmte Moden oder Strömungen beobachten. Danach fragte ich den Vorsitzenden der Hauptjury, Fero Fenic:

"Selbstverständlich. Vor allem in der Kategorie der Filme für Jugendliche beschränkt sich die Themenauswahl in der letzten Zeit auf Drogen und Gewalt. Weniger gibt es z.B. die Geschichten über die erste Liebe, die eine starke Welle etwa in den 80er Jahren darstellten. Die Teenagers erleben diese Modewellen eigentlich in ihrem Leben, der Film reagiert auf die Probleme, die im Moment am brennendsten sind.

Bei Kinderfilmen ist das Spektrum doch reicher, weil - meiner Meinung nach - auch die Kinderwelt bunter ist und sich auf eine reichere Art und Weise verarbeiten lässt."

Ja, liebe Hörerinnen und Hörer, bisher haben die Erwachsenen vom Schaffen für Kinder gesprochen. Was meinen aber die Kinder selbst dazu? Wie schon gesagt wurde, arbeiteten in Zlin zwei Kinderjurys: Die eine befasste sich mit Spielfilmen, die andere bewertete Puppentrickfilme. Mitglied der letztgenannten war auch Katerina Kobylka, die uns den russischen Film "Vom Wind verweht" vorstellt, den die Kinder als den besten auswählten:

"Es war sehr komisch. Eigentlich handelte es sich um kein Märchen, sondern um eine sonderbare Geschichte. Die Hauptfigur war ein Huhn. Es war eigentlich tot, mit dem abgehackten Kopf und ist aus einem Kühlschrank herausgekrochen. Aber es war nicht traurig, eher eine Komödie."

Liebe Hörerinnen und Hörer, damit endet unser heutiger Besuch auf dem Kinderfilmfestival in Zlin. Auf ein nächstes Treffen beim Kulturspiegel freut sich Marketa Maurova.