Firmen und Sponsoren sind Hauptfinanzierer des tschechischen Fußballs

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Die Fußball-WM in Japan und Südkorea geht am Sonntag zu Ende. Wie ist es aber eigentlich um die Finanzierung des Fußballs in Tschechien bestellt? Dazu der folgende Beitrag von Lothar Martin.

Fußball ist Vergnügen. Allerdings ein ziemlich teures Vergnügen. Auch in Tschechien weiß und spürt man das. Spätestens seit der Wende 1989, als die zuvor staatlich oder von regionalen Kombinaten unterstützten Spitzenclubs die Finanzierung in die eigenen Hände nehmen mussten. Bei dieser Transformation habe der Fußball eine ähnliche Entwicklung genommen wie Politik und Wirtschaft hierzulande, ja er war mithin seiner Zeit etwas voraus, denn:

"Der Fußball war immer etwas marktorientierter als die normale politische Führung bei uns. Weil die Leute aus der Fußballszene verstanden ihr Geschäft, verstanden Sponsoren aufzutreiben, was sich darin äußerte, dass die Clubs alsbald nach dem November 1989 starke Sponsoren und Firmen gewannen, die den clubinternen Betrieb unterstützten,"

versicherte mir Tomás Nohejl, Journalist und Fachexperte der auflagenstärksten tschechischen Tageszeitung "Mladá fronta Dnes". Nohejl fügte jedoch einschränkend an:

"Selbstverständlich haben sich leider auch negative Einflüsse gezeigt. Da gab es zum Beispiel eine Reihe von Unternehmern des so genannten ´Wilden Ostens´, die im Fußballgeschäft ihr schmutziges Geld gewaschen oder das Geld auf verschiedenste Weise aufgetrieben haben. Das wird belegt durch die Tatsache, dass keiner von ihnen heute noch im Fußball anzutreffen bzw. eine Reihe von ihnen hinter Gittern gelandet ist."

Die wohl bekanntesten Beispiele aus dieser unrühmlichen Galerie sind der ehemalige Präsident des Böhmisch-Mährischen Fußballverbandes (CMFS) Frantisek Chválovský und der Unternehmer Jan Gottwald, mit Hilfe deren illegaler Geschäfte sogar Dorfclubs wie Chmel Blsany und Petra Drnovice den Sprung in die 1. Tschechische Liga geschafft hatten. Absteiger Drnovice steht derzeit vor dem totalen Zusammenbruch, Blsany konnte sich durch das rechtzeitige Engagement einer Bürgervereinigung wieder stabilisieren.

Dieses Feld ist also inzwischen bereinigt. Bei den 16 tschechischen Erstligavereinen haben sich drei Eigentumsformen durchgesetzt: sechs Clubs gehörten in der letzten Saison starken Firmen, vier Mannschaften zu Gruppierungen und Vereinigungen aus dem regionalen Umfeld und sechs Teams waren in privater Hand. Am erfolg- und perspektivreichsten, so Nohejl, hat sich die Unterstützung durch starke Generalpartner erwiesen, wo der Club Bestandteil der Firma ist. Wie der FK Teplice, der dem belgischen Glashersteller Glaverbel, und dieser wiederum zum japanischen Asahi-Konzern gehört. Überhaupt wird der tschechische Fußball zu rund 80 Prozent durch die Sponsoren bzw. Geschäftspartner der Clubs, durch städtische Zuschüsse und eventuelle Spielerverkäufe finanziert. Einen weit geringen Anteil als im westlichen Ausland besitzen die Fernseh- und Zuschauereinnahmen. Ein Durchschnittsverein erhält pro Saison nur ca. 2 Millionen Kronen aus dem Fernsehtopf, hat aber einen Jahresetat von 30 bis 50 Millionen Kronen. Und das Liveerlebnis Fußball kann sich der Durchschnittstscheche dauerhaft nicht leisten. Deshalb sieht er sich dieses Vergnügen, wie die WM in Japan und Südkorea, viel lieber im Fernsehen an.