Flüchtlinge versuchen verstärkt mit Charterflügen nach Europa zu kommen

Foto: ČT 24

Sommerzeit ist Reisezeit. Um schnell und bequem zu Urlaubszielen zu gelangen, setzen Reisebüros verstärkt auch Charterflüge ein. Flüge, die es auszubuchen gilt. Das Werben der Reisebüros für die freien Plätze auf Flügen von den südlichen Sommerfrischen nach Mitteleuropa nutzen in letzter Zeit aber auch immer mehr Passagiere aus Drittländern, die sich oft als Flüchtlinge erweisen. Auf den tschechischen Flughäfen hat man deshalb im ersten Halbjahr dieses Jahr schon mehr als 1600 illegale Migranten festgenommen – das ist ein Zehntel mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

Foto: ČT 24
Die Tschechische Republik ist für Flüchtlinge nach wie vor das Tor nach Europa und das Flugzeug das schnellste Transportmittel, um dahin zu kommen. Für viele von ihnen endet die illegale Ausreise jedoch zumeist auf einem tschechischen Flughafen. Zum Beispiel für vier Syrier – zwei Männer und zwei Frauen, die am 1. August in Brno / Brünn gelandet sind. Sie kamen aus Griechenland und sollten über einen Schlepper nach Deutschland gebracht werden. Der Flughafen-Polizei waren ihre gefälschten bulgarischen Pässe jedoch nicht entgangen, danach saß das Quartett zunächst hinter Gitter. Nur einen Tag später gingen der Polizei auf dem Prager Flughafen fünf Afghanen ins Netz. Deren Pässe waren zwar in Ordnung, nicht aber das französische Visum und die deutsche Aufenthaltsgenehmigung. Beide Gruppen reisten jeweils mit einer Chartermaschine an. Kateřina Rendlová, die Sprecherin der tschechischen Ausländerpolizei:

Kateřina Rendlová (Foto: Tschechisches Fernsehen)
„Diese Migranten nutzen die Offerten von Reisebüros, die die letzten freien Plätze in diesen Maschinen anbieten. Sie glauben vermutlich, dass die Kontrollen bei Charterflügen nicht ganz so streng sind.“

Da haben die Betroffenen allerdings die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Die vier Syrier haben in Brünn zwar sofort Antrag auf Asyl gestellt, doch auch damit war ihnen kein Glück beschieden:

„Das erste Schengen-Land, in das sie eingereist sind, war Griechenland. Also hätten sie den Antrag auf Asyl bereits dort stellen müssen. Das haben sie nicht getan, von daher hatten wir das Recht, sie nach Griechenland zurückzuschicken“, erklärte Rendlová.

Mir aus Afghanistan (Foto: Tschechisches Fernsehen)
Nicht ganz so einfach liegt der Fall bei den fünf Afghanen. Der 49-jährige Mir behauptet, dass sein Pass in Kabul ausgestellt wurde, wo er mit seiner Frau und sechs Kindern lebe. Er wollte jetzt nach Deutschland reisen und hat dafür auch die erkleckliche Summe von 8050 Dollar gezahlt. Und nach Afghanistan wolle er auf keinen Fall zurück, sagt Mir und begründet:

„Die Taliban würde mich umbringen, denn ich war Soldat in der afghanischen Armee, die die Amerikaner unterstützt hat. Und das ist ein großes Problem.“

Afghanische Migranten (Foto: Tschechisches Fernsehen)
Auch das Quintett aus Afghanistan hat in Tschechien Asyl beantragt. Im Gegensatz zu den Syriern sind die Afghanen aber vorerst in Untersuchungshaft, bevor entschieden wird, ob sie in einem Auffanglager untergebracht werden oder nicht. Syrier und Afghanen sind jedoch eine kleine Minderheit unter den Migranten, die illegal in Tschechien einreisen. Im ersten Halbjahr dieses Jahres waren in dieser Statistik drei andere Nationen weit stärker vertreten: Ukrainer mit 33 Prozent, Russen mit 12 Prozent und Vietnamesen mit 11 Prozent.