Folk aus Prag und ein deutscher Albumtitel – die Band Vobezdud

Vobezdud (Foto: Ben Skála, CC BY-SA 3.0)

Sie sind jung, kreativ und machen seit elf Jahren gemeinsam Musik – die Prager Band Vobezdud. Die Fans schätzen Vobezdud vor allem für ihre mal witzigen, mal poetischen Texte. Ihr zweites Album trägt, in Anlehnung an den Band-Namen, sogar einen deutschen Titel: „Wo bist du?“

Vobezdud (Foto: Ben Skála, CC BY-SA 3.0)
Der Liedtext des Songs „Wo bist du?“ und sein Titel haben zwar überhaupt keine Verbindung. Trotzdem gibt es eine Geschichte dazu. „Als wir einen Namen für das Album suchten, war ich gerade für ein Auslandssemester in Berlin. Dort habe ich mich mit meinen Freunden darüber unterhalten, was ich so mache. Ich habe gesagt, dass ich eine Band habe und sie haben gefragt wie die Band heißt. Ich habe geantwortet, dass sie „Vobezdud“ heißt. Meine deutschen Freunde haben jedes Mal „Wo bist du?“ verstanden. In Tschechien versteht den Bandnamen niemand, weil er eine Abkürzung ist. Man könnte auch sagen: ein Rätsel“, erzählt Fany Lachmanová, Geigerin und Sängerin der Band.

Vobezdud, Josefína Šimková steht rechts (Foto: Archiv von Vobezdud)
Die anderen Mitglieder spielen unter anderem Akkordeon, Gitarre, Kontrabass und Schlagzeug. Ihre Lieder basieren auf Folk, beinhalten aber auch Elemente von Chanson und – seltener – Rock. Meist spielen sie schnelle, fröhliche Rhythmen, die an Volkslieder erinnern. Die Band musiziert seit der Schulzeit zusammen, auch wenn sich ihre Zusammensetzung über die Jahre verändert hat. Geigerin Josefína Šimková:

„Es gibt uns eigentlich schon seit elf Jahren. Wir haben die Band gegründet, als wir noch auf die Mittelschule gingen. Damals habe ich die Mädchen auf ein Festival für Animationsfilme in Třeboň eingeladen. Ich habe gesehen, dass Fany und Tereza (zwei der Bandmitglieder, Anm. d. Red.) Geige und Akkordeon spielen, also habe ich gesagt, dass ich meine Geige auch mitnehme. Wir haben die Instrumente dann einfach auf der Straße ausgepackt und gespielt.“

Vobezdud (Foto: Ben Skála, Wikimedia CC BY-SA 3.0)
Auf das erste spontane Konzert der Mädchen sollten viele weitere folgen. Allein in diesem Jahr sind Vobezdud schon fast vierzig Mal aufgetreten. Mittlerweile hat die Band ihre eigene kleine, aber treue Fangemeinde. Die sieben Musiker spielen in Prager Kult-Clubs wie der „Malostranská Beseda“ oder auf kleinen Festivals in Tschechien. Auch in Berlin gaben sie vor zwei Jahren ein Konzert. Ihre ersten Proben hatten Vobezdud an einem eher ungewöhnlichen Ort: Im Vítkov-Tunnel, der die Prager Stadtteile Karlín und Žižkov miteinander verbindet. Dort probten die Musiker ein bis zwei Mal pro Woche, fünf Jahre lang. Josefína Šimková:

Vobezdud (Foto: Archiv von Vobezdud)
„Wir hatten anfangs keinen Proberaum und besonders viel Geld hatten wir auch nicht. Fany, du hast dort ab und zu etwas gesungen und die Akustik hat dich in ihren Bann gezogen. Wir haben ein paar Jahre in diesem Tunnel gespielt. Dort waren wir einerseits eingeschlossen, andererseits sind auch immer wieder Leute vorbeispaziert. So hatten wir sozusagen schon während der Proben Kontakt mit dem Publikum.“

Früher schrieben die Bandmitglieder erst die Texte, dann wurde während der Proben gemeinsam improvisiert, um zu den Worten die passende Musik zu finden. Doch mittlerweile experimentiert die Band und probiert immer wieder verschiedene Klangkombinationen aus. So dauert es länger, bis ein Lied fertig komponiert ist – im letzten Jahr haben Vobezdud deshalb nur vier neue Songs aufgenommen.

Vobezdud (Foto: Archiv von Vobezdud)
Die Texte der Songs sind oft aus Alltagsszenen gegriffen. Ein Lied handelt zum Beispiel vom „Völkerball“-Spiel im Sportunterricht und davon, wie die Protagonistin immer als Letzte in eine Mannschaft gewählt wird. Ein neueres Lied, „Vlček“, bezieht sich auf die Verbindung der Tschechen zur Natur. Der Text beinhaltet einerseits poetische Beschreibungen der Natur. Andererseits ist er voller ironischer Wortspiele.

„Der Tag war dunkel und murmelte“, so beginnt der Song „Vlček“, und weiter heißt es: „Ich habe kein Brot mehr, aber eine Menge Butter.“ Das ist Vobezdud. Geigerin Fany Lachmanová erklärt, wie der Text zusammengesetzt ist:

Foto: Archiv von Vobezdud
„Warum wir diesen Liedtext ausgewählt haben? Weil er zwei Stile von Vobezdud vereinigt, einen alten und einen neuen. Unsere alten Lieder sind scherzhafte Songs, die einen zum Lachen bringen, die eher alltägliche Dinge beschreiben. Die neueren Stücke sind lyrischer, sie betreffen die Natur und beinhalten viele Metaphern.“

Autor: Hannah Illing
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