Forum Gesellschaft

r_2100x1400_radio_praha.png

Hallo und herzlich willkommen verehrte Hörer zu unserer heutigen Folge des Themenkaleidoskops mit Blanka Trcanova. Auf dem Programm stehen drei Beiträge. Wir beginnen mit der geplanten Legalisierung der Partnerschaft für homosexuelle Paare, danach folgt eine Recherche über die Anzahl der Hochschulstudenten in der Tschechischen Republik, und abschliessend haben wir ein Tipp für Herzkranke -den mobilen Kardiografen. Ich hoffe liebe Freunde, unsere Themen haben Sie angesprochen und ich wünsche Ihnen einen ungestörten Empfang.

Für lesbische und homosexuelle Menschen in der CR keimt wieder Hoffnung auf. Gleiche Rechte, aber mit Verstand - so könnte man ungefähr den Grundgedanken formulieren, der hinter dem neuen Gesetzentwurf steht, der homosexuellen Paaren eine offizielle Partnerschaft, bzw. ein eheähnliches Bündnis ermöglichen soll. Die Paare bleieben jedoch kinderlos . Eine Adoption von Kindern steht nämlich nicht zur Debatte. Ungeachtet der Fälle, daß einer der Partner bereits ein Kind aus einer frühreren heterosexuellen Beziehung hat. Die Regierung hat Mitte Juni die Notwendigkeit eines solches Gesetzes auf jeden Fall betont, damit die Paare gleichen Geschlechts besonders im praktischen Leben gleichberechtigt gestellt werden. Aber Kinderadoptionen werden wirklich nicht in Erwägung gezogen. So weit will in der Gleichberechtigung nicht einmal der Rat für Menschenrechte gehen, ausfdessen Anregung das Kabinett bereits zum dritten Mal einen solchen Gesetzentwurf vorbereitet. Der Rat will nach Aussagen seines Vorsitzenden Petr Uhl die Form der homosexuellen Partnerschaft so weit wie möglich einem Ehebündnis gleichstellen. Eine sog. registrierte Partnerschaft homosexueller Paare gibt es inzwischen in recht vielen Ländern Europas, Kinder zu adoptieren ermöglichen jedoch nur drei. Der tschechische Vizepremier Pavel Rychetsky ist der Meinung, daß Tschechien einen ähnlichen Weg wie Frankreich im vergangenen Jahr gehen könnte. Auch dort ist zunächst das Gesetz über die Registrierung der Partnerschaft gleichen Geschlechts nicht angenommen worden. Später hat man eine amtliche Registrierung auch für heterosexuelle Paare eingeführt. Mit anderen Worten- wenn man nicht unbedingt eine Ehe schliessen will, kann man sich als Lebensgefährtin und -gefährte registrieren lassen. Ein solches eheähnliches Bündnis könnten dann alle Paare, die zusammenleben und aus steuerlichen, gesundheitlichen und anderen Gründen eine derartige Registrierung wünschen, eingehen. Egal ob heterosexuell oder eben homosexuell. Wie denkt aber z.Z. der tschechische Bürger über die Homoxeualität? Auf die Frage, ob man die Homosexualität für etwas natürliches hält, haben 48% mit ja und 52 mit nein geantwortet. Haben homosexuelle Menschen das Recht eine Ehe zu schliessen ? Die Antwort lautete zu 42% ja und 58% nein. Kann man solche Paare für eine Familie halten ? 32% der Befragten haben mit ja und 68 % mit nein geantwortet. Und schliesslich die Adoptionen. 28% der Befragten waren der Meinung, daß homosexuelle Paare Kinder adoptieren können, 72% waren jedoch dagegen. Soweit die Ergebnisse der Untersuchungen der Agentur STEM für das öffentlich rechtliche Fernsehen und den Tschechischen Rundfunk.

In den neuesten Statistiken der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) belegt die Tschechische Republik den drittletzten Platz unter den Mitgliedsländern in der Anzahl der jungen Menschen, die an Hochschulen studieren. Und das obwohl die CR für einen Studenten in etwa genau so viel ausgibt wie Spanien, Ungarn oder Griechenland. So entsteht unter den Fachleuten der Eindruck, die Schulen und die Regierung führen nur eine Ausrede, wenn sie behaupten wenig Geld zu haben. An den Fakultäten gibt es eine unglaubliche Anzahl von sog. Kontaktstunden, bei denen die Studenten nur im Hörsaal sitzen.Dabei müsste sich aber das Studium in Labors und Bibliotheken verlagern, behauptet der Rektor der Masaryk-Universität Jiri Zlatuska. Die Schulen müssen außerdem mit der Maßnahme des Schulministeriums kämpfen, die nur eine bestimmten Studentenanzahl sprich Quote für die einzelnen Fakultäten vorschreibt. Nach der eventuellen Überschreitung bekommt die Schule für einen "überschüßigen" Studenten vom Staat keine einzige Krone mehr. Das Ministerium muss zur Zeit den Vorwürfen Paroli bieten, daß der Staat ohne Einführung von Schulgeld keine ausreichende Ausbildung für eine zufriedenstellende Personenanzahl garantieren kann.Die Pädagogen wissen, wovon sie sprechen. Genauso sollten auch Studeten, die unangemessen das Studium verlängern, finanziell benachteiligt werden. Die OECD hat die Forderung gestellt, daß im Jahr 2000 an den Tschechischen Hochschulen 30% der 18 jährigen studieren sollten. Nach Behauptungen des stellvertretenden Schulministers Josef Prusa wäre diese Forderung wohl erfüllt. Nur ein enger Kreis kommt an die gewünschte Ausbildung, wird hohe Gehälter, sprich Gewinn haben und letztendlich auch Vermögen besitzen. Die Ungleichheit in der Gesellschaft führt der Staat selbst herbei, weil er der breiten Masse nicht die erforderliche Ausbildung ermöglicht hat, behauptet Daniel Münich vom Zentrum für ökonomische Forschung der Karlsuniversität.

Eine neue Hoffnung für Herzkranke ist auf dem Markt - der mobile Elektrokardiograf. Das seit zehn Jahren in der Welt bereits verwendete kleine Gerät sieht wie eine Telefonkarte aus, die sich der Patient jeder Zeit und überall beim Schwächeanfall auf die Brust legen und mit einem kleinen Druckknopf betätigen kann. Die Karte zeichnet dann die momentane Herztätigkeit auf. Die Aufzeichnung wird dann gleich anschliessend von einem beliebigen Telefon aus zu dem zentralen Gerät im jeweiligen Krankenhaus übertragen und ausgewertet. Dieses Gerät bedeutet besonders eine große Hilfe zur Erkennung von Herzkrankheiten, die sonst schwer zu diagnostizieren sind. Alle tschechischen Fakultätskrankenhäuser hatten bereits die Möglichkeit dieses Gerät zu testen. Besonders begeistert sind die Ärzte aus dem Zentrum für Herzkrankheiten in Trinec-Podlesi und in der internen Herzklinik in Brno-Bohunice, wo sich seit Februar 30 Patienten eines der 5 Geräte ausgeliehen haben. Einem größeren Einsatz des mobilen Kardiografen steht noch sein Preis im Wege. Ein Gerät kostet 40 Tsd. Kronen, was für viele medizinische Einrichtungen zur Zeit noch unerschwinglich ist.