Forum Gesellschaft

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Hallo und herzlich willkommen verehrte Hörer und Hörerinnen zu einer weiteren Folge des Themenkaleidoskops mit Blanka Trcanova. Die heutige Sendung ist ausnahmsweise ausschließlich im Zeichen der Medizin. Im ersten Beitrag berichten wir über die sog. Devitalisierung, die eine Hoffnung für krebskranke Menschen bedeuten könnte. Danach sprechen wir über eine einzigartige Bluttransplantation, die einem achtmonatigen Säugling, der bisher das Tageslicht nicht vertragen hat, das Leben hoffentlich retten kann. Möchten Sie mehr erfahren? Dann sind Sie zu unserer Sendung herzlich eingeladen.

Krebskranken Patienten geht in Form einer neuen experimentellen Genesungsmethode wieder einmal ein Hoffnungsschimmer auf. In absehbarer Zeit sollte sich herausstellen, ob der Glaube an diese neue Methode - das Unterbinden des Krebsgeschwürs - berechtigt ist. Durch diesen Eingriff, das Abbinden der Adern, soll die Ernährung durch den Blutkreislauf eingestellt werden und die Geschwulst sollte nach Behauptungen der Befürworter dieser neuen Methode absterben. Die zerfallenden Krebszellen aktivieren das Immunsystem, das dann in der Lage ist, primäre Geschwüre und Methastasen selbst zu liquidieren.

Der wissenschaftliche Rat des Gesundheitsministeriums hat Ende Februar über die Testeinführung der neuen Methode - der sog. Devitalisierung - in vier medizinischen Einrichtungen entschieden. Neben dem Brünner onkologischen Masaryk-Institut ist es das Prager Institut für klinische u. experimentelle Medizin, das Allgemeine Fakultätskrankenhaus und das Fakultätskrankenhaus Bulovka. Die fachliche Öffentlichkeit ist allerdings trotzdem noch nicht bereit, diese neue Methode zu akzeptieren, da diese Methode nirgendwo auf der Welt praktiziert wird.

"Die Methode ist da und niemand kann eindeutig sagen, ob sie funktioniert. Das Unterbinden der Geschwulst ist kein Wundermittel und soll nur bei streng ausgewählten Fällen eingesetzt werden", sagt Jan Dvorácek, Vorsitzender des wissenschaftlichen Rates. In der ersten Phase wird jede von den ausgewählten Arbeitsstätten jeweils 10 freiwillige Patieten behandeln.

Diese neue Methode hat der im Januar verstorbene Chirurg Karel Fortýn vom Institut für tierische Physiologie und Genetik der Akademie der Wissenschaften in Libechov erfolgreich an kleinen Schweinen getestet. Während seines Lebens hat sich Fortýn über das Desinteresse und die Ablehnung dieser Methode beschwert. Nach seinem Tod fürchtete sein Arbeisteam, dass der Antrag auf die experimentelle Einführung der Methode ganz unter den Tisch fallen würde. Obwohl das nicht der Fall ist, herrscht bei vielen Ärtzen nach wie vor eine ablehnende Haltung. Die chirurgische Gesellschaft lehnt die Devitalisierung als Heilmethode trotz der Genehmigung der Tests ab. Ihr Vorsitzender Milos Hájek ist der Meinung, dass das im Körper verbleibende Karzinom zur Vergiftung und schliesslich zum Tod des Patieten führen kann. Einer der Gründe, warum der wissenschaftliche Rat letztendlich grünes Licht gegeben hat, war, dass man illegale Eingriffe verhindern wollte. Noch bevor der wissenschaftliche Rat nämlich sein JA gegeben hat, haben einige tschechische Ärzte die Devitalisieurng an Menschen getestet. Vor drei Monaten hat sich z.B. eine Patientin mit Nierenkrebs diesem Eingriff unterzogen, die jetzt in der Brünner onkologischen Klinik beobachtet wird. In der ersten Märzhälfte sollten erste Untersuchungen beweisen, ob der Eingriff gelungen ist, sagt Jan Žaloudník, Direktor des Brünner Instituts.

Die Haut des achtmonatigen Radek Horvat aus der nordböhmischen Stadt Most vertrugt bisher kein Tageslicht. Auf den ersten Blick ist er jedoch ein ganz normales Kind, das nur ein wenig schwach ist und violettfarbene Flecken auf den Wangen hat.

Der kleine Junge leidet an einer sehr seltenen Erkrankung des Metabolismus - in seinem Blut fehlt ein wichtiges Enzym, sodass jeglicher Kontakt mit Tageslicht violettfarbene Flecken auf seiner Haut herbeiführt. In seinem Körper fließt jedoch das Blut aus 15 Transfusionen, die ersten fünf bereits im Körper der Mutter.

Am 24. Februar unterzog sich der kleine Junge an der 2. Kinderklinik des Fakultätskrankenhauses in Prag Motol einer Transplantation des Nabelblutes. Dieses Blut soll sein schlechtes Blut ersetzen, dessen rote Blutkörperchen zu schnell zerfallen. In vielerlei Hinsicht war dieser Eingriff eine Weltpremiere. Bei einem Säugling hat noch niemand eine derartige Bluttransplantation gewagt, und das noch von einem nicht verwandten Spender. Die Transplantation hat sich im Finsteren jedoch nicht im Dunkeln abgespielt. Die Armee hat für diese Operation eine spezielle Natriumlampe angefertigt, die keine Ultraviolettstrahlen enthält. Als Reserve, bzw. weitere Lichtquelle hatten die Ärzte noch infrarote Ferngläser zur Verfügung. Die eigentliche Transplantation hat nicht länger als 20 Minuten gedauert und der kleine Radek bekam durch einen kleinen Schlauch das aufgetaute Nabelblut eines zweijährigen spanischen Mädchens. Nun muss abgewartet werden, wie der kleine Körper mit den neuen Blutzellen zurechtkommt. Die Mutter konnte die ganze Zeit dabei sein und ihm sogar die Hand halten.

"Ich kenne nur wenige ähnlich kranke Kinder", sagt der behandelnde Arz Petr Sedlacek. Ich kenne fünf Kinder, die eine ähnliche Transplantation mitgemacht haben. Das erste Mädchen ist damals zwar nach 11 Monaten gestorben, der Eingriff hat aber bestätigt, dass diese Methode funktioniert.

Man kann sich nur kaum das Leben in der ewigen Dunkelheit vorstellen, die Betreuung eines Säuglings war unter diesen bedingungen eine Tortur. In seinem Zimmer war es immer dunkel, nur eine Lampe mit einer roten Glühbirme, so wie es die Fotografen in ihren Dunkelkammern haben, durfte leuchten. Wenn alles gutgeht, können wir in einem Jahr draußen spazieren gehen, sagt Frau Horvatova voller Optimismus.

Autor: Blanka Trcanova
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