Frühwarnsystem soll Betrügereien bei Fußballwetten zuvorkommen

Marek Herman, Ivan Hašek und Oldřich Martinů (Foto: ČTK)

Der Präsident des Böhmisch-Mährischen Fußballverbandes (ČMFS), Ivan Hašek, ist seit Mittwoch im Besitz eines roten Mobiltelefons. Ein Telefon, das jedoch möglichst nicht schrillen sollte. Denn wenn es klingelt, dann ist Gefahr im Verzuge. Das Telefon ist Bestandteil des Frühwarnsystems gegen betrügerische Wetten, die im Umfeld der Fußballwetten auftreten könnten. Wir sagen Ihnen, wie das Warnsystem funktioniert.

Illustrationsfoto: Barbora Kmentová
Das Frühwarnsystem ist im Auftrag des Fußballverbandes und in dessen Zusammenarbeit mit der Polizei und den fünf großen Wettbüros in Tschechien entstanden. Die Software für das computergestützte System wurde von den Wettbüros entwickelt, die wiederum in einem Verbund kooperieren. Der Direktor des Wettbüro-Verbundes (Apkurs) Marek Herman erläutert:

„Das System wird rund um die Uhr betrieben. Es funktioniert sehr effektiv und schnell. Wir garantieren dafür, dass Spiele, auf die merkwürdige Wetten abgeschlossen werden, innerhalb weniger Minuten bis spätestens in drei Stunden überprüft werden.“

Die Überprüfung der Computer-Daten wird von den Buchmachern der fünf Wettbüros vollzogen, die mittels einer geheimen Telefon- und E-Mail-Verbindung in Kontakt stehen. Nach Auswertung der Daten wird eine Entscheidung gefällt:

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„Die Buchmacher tauschen sich untereinander aus, und wenn sich der Verdacht ihrer Meinung nach bestätigt hat, wird abgestimmt. Fällt diese Abstimmung mindestens mit 3:2 gegen die Wette aus, dann wird unverzüglich der Fußballverband informiert.“

Beim Verband schrillt dann also das bereits erwähnte rote Telefon und weitere Maßnahmen werden unverzüglich eingeleitet. Dazu gehören telefonische Instruktionen an die offiziellen Beobachter des unter Verdacht stehenden Spieles ebenso wie ein Anruf bei der Polizei. Die eigens auf Wettbetrug spezialisierten Kriminalisten beginnen daraufhin mit ihren Ermittlungen. Das Frühwarnsystem ist eine Antwort auf den vor einigen Monaten im europäischen Fußball aufgedeckten Wettskandal, in den der tschechische Fußball jedoch nicht verwickelt war. Im Gegenteil, in Tschechien sind betrügerische Fußballwetten eher die Ausnahme, so Herman:

Marek Herman,  Ivan Hašek und Oldřich Martinů  (Foto: ČTK)
„Ich habe nachgefragt, wie viele Spiele üblicherweise als riskant eingestuft werden. Mir wurde versichert, dass es nur einige wenige Spiele seien, rund fünf Spiele im Jahr.“

Ivan Hašek, der Präsident des Fußballverbandes, lässt jedoch keinen Zweifel daran, dass das Frühwarnsystem eine gute Abschreckung sein wird:

„Unsere Botschaft ist völlig klar: Alle die in der Wettszene betrügen wollen, sollten gewarnt sein: Achtung, wir wissen von euch und werden auch die Polizei informieren!“

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Wenn sich das Frühwarnsystem im Bereich der Fußballwetten bewähren wird, dann soll es auch auf Wetten in anderen Sportarten wie zum Beispiel Eishockey ausgeweitet werden, sagte Polizeipräsident Oldřich Martinů. Und Ivan Hašek ergänzte, dass man bei Sportwetten im europäischen Maßstab auch mit der Agentur SportRadar zusammenarbeiten will.

Autor: Lothar Martin
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