Gebaut aus Erinnerungen: Versöhnungskreuz im Böhmerwald

Versöhnungskreuz (Foto: Martina Schneibergová)

Während der kommunistischen Zeit war ein großer Teil des Böhmerwaldes militärisches Sperrgebiet. Seit der Wende ist dieses Territorium inmitten einer einzigartigen Landschaft wieder der Öffentlichkeit zugänglich. Von der Existenz der Gemeinde Zhůří / Haidl am Ahornberg zeugt heute nur noch eine kleine Kapelle. Unweit der Kapelle wurde vor etwa zwei Jahren ein Versöhnungskreuz aufgestellt. Am vergangenen Samstag fand dort ein Fest statt, bei dem das Kreuz geweiht wurde.

In der winzigen Kapelle inmitten des Nationalparks wurde ein Gottesdienst zelebriert. Die Kapelle von Zhůří gibt es seit 1999. Sie erinnert an die Gemeinde, die nach der Errichtung des Eisernen Vorhangs genauso wie viele andere Böhmerwald-Dörfer dem Boden gleich gemacht wurde. An ein anderes trauriges Ereignis um das Kriegsende erinnert wiederum ein Denkmal für die US-Soldaten, das sich seit 9 Jahren unweit der Kapelle befindet. Am 5. Mai 1945 kam es in Zhůří zu einer der letzten in Westböhmen geführten Kampfhandlungen des Zweiten Weltkriegs. In der Nähe der Gemeinde gab es damals eine SS-Unteroffizierschule. Der nationalsozialistische Befehlshaber nutzte den Umstand, dass die Bevölkerung sich schon über das bevorstehende Kriegsende und den Einmarsch der US-Armee freute. Er ließ an den Häusern weiße Fahnen anbringen und stellte dort zwei vorher erbeutete US-Geländewagen auf. Damit lockte er den Vortrupp der US-Armee in eine tödliche Falle. Sie glaubten, dass der Ort bereits unter der Kontrolle der US-Soldaten stünde. Für die während des Kampfes gefallenen Soldaten wurde 2005 ein Denkmal unweit der Kapelle errichtet. Seit etwa zwei Jahren steht zwischen dem Denkmal und der Kapelle ein Versöhnungskreuz. Dieses wird allmählich mit Steinen gefüllt, in die der jeweilige Spender des Steins ein Erinnerungsstück legen kann. Der Initiator ist Kamil Kosturik.

Kamil Kosturik (rechts). Foto: Martina Schneibergová
„Auf die Idee kam ich so: Es kamen immer Menschen zum Denkmal für die US-Soldaten, und es kamen Menschen zur Kapelle, die gleich in der Nähe ist. Auch wenn ich nicht aus dem Böhmerwald stamme, war es mir ein Bedürfnis, dass wir alle an einem Ort zusammentreffen. Seit dem Mittelalter wurden Versöhnungskreuze dort aufgestellt, wo etwas Böses passiert ist. Darum haben wir das Kreuz aufgestellt, das mit Steinen gefüllt wird.“

An der Errichtung des Kreuzes beteiligte sich auch die nahe gelegene Stadt Hartmanice / Hartmanitz. Bürgermeister Jiří Jukl entschied sich, einen Stein für das Versöhnungskreuz zu spenden:

„Ich habe mir zu Hause das Bild meiner Großmutter angeschaut, das im KZ Ravensbrück gezeichnet wurde. Es wurde mir bewusst, dass ich verpflichtet bin, an ihre Leiden im KZ mit diesem Kreuz zu erinnern. Ein Beweggrund, warum ich mich entschied, einen der Steine im Versöhnungskreuz meiner Großmutter zu widmen, war die Tatsache, dass ein deutscher Lokführer aus Kubova Huť / Kubohütten meiner Oma und ihren Mitgefangenen Medikamente von ihrer Familie nach Ravensbrück brachte. Und viele von ihnen haben dank ihm überlebt.“

Der Ort, an dem das Versöhnungskreuz steht, ist nur zu Fuß oder mit dem Rad zu erreichen. Vom nächsten Parkplatz im Nationalpark ist er etwa zwei Kilometer entfernt.

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