Gedenken an den 17. November in Tschechien: Freiheit ohne Verantwortung macht keinen Sinn

In Tschechien wird an diesem Montag, dem 17. November, der Samtenen Revolution von 1989 sowie der Verfolgung von Studenten während der NS-Besatzung 1939 gedacht.

Präsident Petr Pavel | Foto: Zuzana Jarolímková,  iROZHLAS.cz

Die Nationalstraße (Národní třída) in Prag wurde traditionell zum Zentrum der Veranstaltungen. Trotz des kalten und regnerischen Wetters füllte sich die Straße im Laufe des Tages mit Tausenden von Menschen. Tschechiens Staatspräsident Petr Pavel hat am Montagmorgen als einer der ersten Politiker Blumen an der Gedenktafel für den 17. November 1989 gelegt. Die Freiheit ohne Verantwortung mache keinen Sinn, sagte er bei diesem Anlass. Er äußerte sein Bedauern, dass manche Menschen die Redefreiheit mit der Freiheit verwechselten, zu beleidigen, zu verdrehen und zu lügen.

Foto: Michal Kamaryt,  ČTK

Wie in den vergangenen Jahren löste die Ankunft von Politikern aus dem gesamten politischen Spektrum heftige Emotionen bei ihren Gegnern und Anhängern aus. Die Anwesenheit des Ano-Parteichefs und wahrscheinlichen künftigen Premiers, Andrej Babiš, wurde von Pfiffen begleitet, indem auf Babišs Zusammenarbeit mit der kommunistischen Geheimpolizei hingewiesen wurde. Der Politiker wies die Vorwürfe erneut zurück. Er sagte vor Journalisten, die Bedeutung des 17. November liege darin, dass das Land Freiheit, Demokratie und freie Wahlen gewonnen habe. Man sollte denen dankbar sein, die damals dazu beigetragen hätten, mahnte er.

Foto: Vít Šimánek,  ČTK

Am einstigen Hlávka-Studentenwohnheim wurde an die tragischen Ereignisse vom November 1939 erinnert. Vertreter der akademischen Gemeinschaft, Studierende und Politiker gedachten der Schließung der Universitäten durch die nationalsozialistischen Besatzer am 17. November 1939 sowie der ermordeten und hingerichteten Studenten. Die Redner betonten die Bedeutung der Bildung und wiesen darauf hin, dass gebildete Menschen nicht Desinformationen unterliegen und zu kritischem Denken und Dialog fähig sind.

Das Bündnis „Milion chvilek pro demokracii“ (Eine Million Augenblicke für die Demokratie) hat eine Demonstration gegen die künftige Regierung aus der Partei Ano, der Partei „Freiheit und direkte Demokratie“ und der Autofahrerpartei Motoristé sobě auf dem Altstädter Ring in Prag einberufen. Die neue Regierung werde nach dem Prinzip der Mafia gebildet, wobei sich die künftigen Mitglieder gegenseitig erpressen würden, hieß es bei der Kundgebung.

Foto: Zuzana Jarolímková,  iROZHLAS.cz

Im Prager Stadtzentrum wird das Bürgerfest „Korso Národní“ veranstaltet, dessen Motto in diesem Jahr „Wir haben uns etwas zu sagen“ lautet. Die Organisatoren luden zu Debatten, Ausstellungen, Musik auf drei Bühnen und Aktivitäten für Kinder ein. Auch in anderen Städten des Landes finden Veranstaltungen und Happenings zum Gedenken an den Kampf gegen den Totalitarismus und für die Freiheit statt.

schlüsselwort: