Gefährliches Autorennen - vier Menschen sterben bei Rallye-Veranstaltung

Foto: ČTK

Am Samstag ist das bisher schwerste Unglück bei einem Rallye-Autorennen in Tschechien geschehen: Vier Menschen starben, als einer der Wagen von der Fahrbahn abkam und in eine Zuschauergruppe fuhr. Die Polizei ermittelt nun in alle Richtungen.

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Die Toten sind drei junge Frauen im Alter von 18 und 19 Jahren sowie ein siebenjähriges Mädchen. Sie standen am Rand einer kleinen Straße, die durch den Ort Lopeník in Südostmähren geht. Über diese Straße führte am Samstagnachmittag die Strecke eines Amateur-Autorennens. Der Rallyewagen, der von der Fahrbahn abkam, war 150 km/h schnell – er fuhr zuerst in die Zuschauergruppe und kam erst danach an einem Zaun zu stehen. Neben den vier Toten lautet die Bilanz noch zwei Schwerverletzte. Die Polizei ermittelt nun in alle Richtungen, wie die zuständige Sprecherin Jana Macalíková sagte:

Jana Macalíková  (Foto: Archiv der Polizei der Tschechischen Republik)
„Es wird nicht wie ein klassischer Verkehrsunfall behandelt. In diesem Fall gelten weder Straßenverkehrsordnung noch Geschwindigkeitsvorschriften. Die Strecke war für die Rallye gesperrt worden. Aber in jedem Fall wird uns interessieren, ob der Grund für den Unfall ein Fahrfehler oder ein Defekt am Wagen war, und ob der Veranstalter alles zur Sicherheit der Zuschauer unternommen hat.“

Den Wagen steuerte ein Anwalt aus Brno / Brünn, mit seinem Bruder als Beifahrer. Der Fahrer sagte gegenüber der Nachrichtenagentur ČTK aus, sein Mitsubishi Lancer sei an einer kleinen Kuppe der Straße abgehoben und vom Wind von der Straße gedrückt worden. Er habe keine Kontrolle mehr über das Auto gehabt. Einen Defekt schloss er aus. Andere Quellen gaben indes an, dass Bremsflüssigkeit aus dem Wagen gelaufen sei.



Auch bei der Rallye Barum 2012 ist ein Zuschauer gestorben  (Foto: Tschechisches Fernsehen)
Vor allem wird nun aber über die Sicherheit bei solchen Veranstaltungen diskutiert. Denn es ist nicht das erste tragische Unglück bei solchen Veranstaltungen in Tschechien. 14 Tote bei Motorsportrennen gibt es seit 2002 zu beklagen. Zuletzt war noch in diesem Jahr bei der Rallye Barum ein Zuschauer gestorben. In dem Fall vom Samstag stand die Zuschauergruppe angeblich an einem Ort, an dem sie nicht hätte stehen dürfen. Dies hatten die Veranstalter mit Flugblättern an Bäumen bekannt gemacht, ein Absperrband gab es an der Stelle aber nicht. Die Veranstalter haben sich gegenüber den Medien nicht geäußert. Der Pressebeauftragte des tschechischen Motorsportverbandes, Josef Pátl, bezeichnet indes die Sicherheitsvorkehrungen als üblich bei solchen Veranstaltungen:

Josef Pátl  (Foto: Tschechisches Fernsehen)
„Ein Absperrband an solchen Stellen aufzuspannen, ist nicht möglich. Das geht auch prinzipiell nicht entlang der gesamten Strecke für die Geschwindigkeitsprüfung. Deswegen wird der Terminus technicus ‚Verbotenes Gelände’ genutzt, das eben durch die Flugblätter gekennzeichnet wird.“

Wo die Zuschauer genau standen, das ist nun auch Teil der Ermittlungen, sagt die Polizeisprecherin. Dazu habe man eine Kameraaufzeichnung von dem Rennauto, das kurz vor dem Unglückswagen die Stelle passierte.

Umfallort  (Foto: Pavel Sedláček,  Archiv des Tschechischen Rundfunks)
Kritiker haben mittlerweile aber auch allgemeine Zweifel an der Streckenführung geäußert. Zum Beispiel sei die Trasse durch den Ort falsch gewesen, sagte der ehemalige Rennfahrer Josef Pomajbík dem Tschechischen Rundfunk. Pomajbík kommt selbst aus Lopeník:

„Ein so schnelles Rennen unter diesen Bedingungen hier zu veranstalten, ist absurd. An der Kuppe ist der Wagen abgehoben, da hätten die Veranstalter ein künstliches Hindernis schaffen müssen, damit die Fahrer abbremsen.“

Der tschechische Motorsportverband hat nach dem Unfall vom September bereits größere Sicherheitsvorkehrungen bei Profi-Rennen eingeführt. Das soll nun auch auf Amateurveranstaltungen ausgeweitet werden, hieß es.

Autor: Till Janzer
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