Rallyes in Tschechien: Komplexes Sicherheitssystem wird durch Einzelne gefährdet

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Eine Autorallye ist ein faszinierender, aber mithin auch ein gefährlicher Sport. In Tschechien wurde diese Erkenntnis erst im vergangenen Jahr wieder bitter bestätigt: 2012 kamen bei den Rallyes hierzulande insgesamt fünf Zuschauer und zwei Co-Piloten ums Leben. Eine alarmierende Zahl, die zudem im Widerspruch steht zu den akribischen Sicherheitsvorkehrungen der Rennveranstalter.

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Das Dröhnen der Motoren, das Quietschen der Reifen, das waghalsige Lenkmanöver des Rennfahrers in einer Kurve – all das gehört zur Faszination Rallyesport. Doch leider sind auch immer wieder tödliche Unfälle zu beklagen. Ein solcher hat die Motorsportfans in Tschechien im vorigen Herbst erschüttert: Bei der Autogames Rallye Show im mährischen Uherský Brod starben vier Mädchen im Alter von 7 bis 20 Jahren, nachdem sie von einem Rennauto erfasst wurden. Der Zusammenstoß des Autos mit den Mädchen wurde allem Anschein nach insbesondere durch das Fehlverhalten eines jungen Streckenposten verursacht: Er hatte sie, wie auch andere Zuschauer, in einen unerlaubten Bereich durchgelassen, der keine ausreichende Sicherheit bot. Als eines der Rennautos von der Strecke abkam, schleuderte es direkt in die Mädchengruppe. Der 22-jährige Streckenposten steht jetzt unter Anklage, ihm drohen wegen fahrlässiger Tötung und schwerer Körperverletzung bis zu sechs Jahre Haft.

Miloslav Regner ist Direktor des populärsten Autorennens in Tschechien, der Barum Rallye Zlín. Er gibt zu, dass die Zuverlässigkeit einiger Streckenposten oder Ordner durchaus zu denken gebe:

Miloslav Regner (Foto: Barum Czech Rally Zlín)
„Klar, es gibt mit einigen Mitarbeitern Probleme. Ständig sagen wir ihnen bei unseren Streckenkontrollen, was zu tun sei und welche Verantwortung sie haben. Zumeist entgegnen sie uns, dass sie ihren Bereich im Griff haben und die Zuschauer auch in die vorgeschriebenen Zonen verweisen. Wir spüren aber, dass einige von ihnen die jeweiligen Kumpels oft auch zu den verbotenen Plätzen durchlassen.“

Schlendrian dieser Art werde man aber nicht dulden, schließlich trage man dafür auch die Konsequenzen, betont Regner:

„Wenn vom Veranstalter ein schwerwiegender Fehler gemacht wird, dann wird er strafrechtlich zur Verantwortung gezogen.“

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In diesem Jahr haben die Veranstalter der Barum Rallye Zlín die Zügel deshalb noch einmal angezogen. Schon ab Frühjahr wurden neue und noch gründlichere Schulungen für das gesamte zur Rennorganisation erforderliche Personal durchgeführt. Die Sicherheitsfahrzeuge und Hubschrauber, die an der Strecke im Einsatz sind, haben die Pflicht, mögliches Fehlverhalten von Zuschauern oder Ordnern mit einem Foto zu dokumentieren. Und wie jedes Jahr werden die Anwohner, die im Einzugsgebiet der Strecke liegen, umfassend über die Durchfahrtszeiten der Autos informiert und entsprechend eingewiesen, erklärt Regner:

„Damit alle Dinge, die es zu beachten gilt, schon im Vorfeld der Rallye klar sind und sich niemand herausreden kann, nichts davon gewusst zu haben. Das aber ist ein Knochenjob, ja ich würde sagen, das ist eine Sisyphusarbeit.“

Nicht umsonst aber gehört die Barum Rallye Zlín zu den bestorganisierten Rennen in Europa. Und das wollen die mährischen Rennveranstalter bei der 43. Auflage der Rallye, die vom 30. August bis zum 1. September ausgetragen wird, erneut unter Beweis stellen.

Autor: Lothar Martin
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